Volkstrauertag

Kritisches Gedenken

Kriegsgräberstätte in Weeze.

Kriegsgräberstätte in Weeze.

Foto: Ingo Plaschke

Weeze.   In einem der Kriegsgräber in Weeze liegt zufällig auch der Mitgründerdes Volksbundes begraben: Siegfried Eulen, später ein Anhänger der Nazis

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Wer nicht weiß, wo genau er liegt, wird ihn vermutlich gar nicht oder bloß zufällig finden. Seine Grabplatte sieht genauso aus wie die unzähligen anderen, die auf der Kriegsgräberstätte in Weeze in den Boden eingelassen sind.

„Dr. Siegfried Eulen, 23.9.90-20.1.1945“ – was die Inschrift auf dem Hartbranntstein nicht verrät: Er wurde lange Zeit als „der „wirkliche Gründer“ des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge gefeiert. Längst aber sieht auch der VDK das Wirken dieses Mannes sehr kritisch bis problematisch – und attestiert ihm eine „undemokratische, nationalistische Geisteshaltung“. Fritz Kirchmeier, VDK-Pressereferent, sagt am Telefon ungefragt und unverblümt: „Er ist sehr umstritten.“

Seine letzte Ruhestätte fand der Soldat aus Cloppenburg, der in zwei Weltkriegen kämpfte, zufällig am Niederrhein. Mit 55 Jahren verstarb er an den Folgen eines Lungenschusses in einem Lazarett auf Schloss Wissen bei Weeze.

Hier am Sandberg, wie dieses leicht wellige Fleckchen Erde etwas außerhalb der Gemeinde heißt, ruhen nach Angaben des VDK „2004 deutsche Kriegstote des Zweiten Weltkrieges“, die alle aus Weeze und den umliegenden Orten stammen. Ein würdiger Ort der Ruhe, der im September 1959 von Bundespräsident Theodor Heuss eingeweiht wurde.

Die Namen der Toten sind – soweit bekannt – über das zwei Hektar große Gelände verteilt. Sie stehen auf Grabplatten im Boden, Eichenstelen am Wegesrand, den Wänden zweier Kapellen sowie fünf Tafeln auf der Ringmauer.

Jede Name steht für ein Leben, an das es zu erinnern gilt. Auch an das von Siegfried Emmo Eulen.

Er stammte aus einer bürgerlichen Familie, studierte Germanistik und Philosophie und war Mitglied der nationalistischen Burschenschaft Teutonia. Diese prägte ihn „politisch und gesellschaftlich als Anhänger des monarchischen Obrigkeitsstaats“, so der Wissenschaftler Wolfgang Fischer in seiner Arbeit über den Volkstrauertag in der Weimarer Republik.

1919 gründete er mit sieben Gleichgesinnten den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Eines der Hauptziele: die angemessene Bestattung toter Kameraden.

Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht in Deutschland ergriffen, offenbarte Siegfried Eulen als VDK-Präsident seine Gesinnung. Er schickte dem Führer Adolf Hitler „ehrerbietige Grüße“ und setzte sich ein Jahr später bei Propagandaminister Joseph Goebbels dafür ein, aus dem Volkstrauertag einen Heldengedenktag zu machen.

„Ein unrühmlicher Teil der Verbandsgeschichte“, heißt es dazu in der heutigen Chronik des VDK.

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