Schwimmen

Landesregierung will mehr Kurse für Nichtschwimmer

Niyaz will sicher schwimmen können und macht Stunde um Stunde Fortschritte. Übungsleiterin Berenike Wiesner unterstützt ihn dabei.

Niyaz will sicher schwimmen können und macht Stunde um Stunde Fortschritte. Übungsleiterin Berenike Wiesner unterstützt ihn dabei.

Foto: Kai Kitschenberg / FunkeFotoServices

An Rhein und Ruhr.  Das Land will mehr Grundschüler zu Schwimmern machen und erhöht die Zuschüsse für die Ferienkurse. Aber: Es fehlen Übungsleiter – und Kinder.

Er soll den Sprung wagen. Vom Beckenrand ins kleine Nichtschwimmerbecken des Homberger Kombibades. Mehr nicht. Doch Niyaz ist skeptisch. Er sucht den Blick von Berenike, seiner Schwimmlehrerin, dann geht er in die Hocke, fasst ihre Hände. Erst jetzt traut er sich ins Becken zu springen. Eine halbe Stunde später dann das: Niyaz macht ein paar hektische Schwimmzüge. Seine Augen strahlen. „Mein Vater wird stolz auf mich sein“, sagt der Achtjährige. Tag fünf des zweiwöchigen Schwimm-Crashkurses zeigt erste Erfolge.

Ja, sein Vater ist stolz. „Heute war es ein bisschen besser als sonst“, sagt Amin Alan, der im Vorraum des Hallenbades auf Niyaz wartet. Der Homberger hat seinen Sohn zu dem Schwimmkurs des Vereins DSSC 09/20 angemeldet, der zum „Aktionsplan Schwimmen“ der NRW-Landesregierung gehört. Ihm ist es wichtig, dass sein Junge schwimmen, sich sicher im Wasser bewegen kann. 40 Euro zahlt er für die zwölf Einheiten.

DLRG fordert, die Schließung von Bädern zu stoppen

Gerade erst hat die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in ihrer Sommerbilanz deutlich gemacht, dass mehr als jeder zweite Zehnjährige nicht schwimmen könne – und fordert, die Schließung von Bädern zu stoppen, um mehr Schwimmkurse anbieten zu können.

In Duisburg sollten es einer Liste von Schulsport NRW zufolge 55 Kurse sein. Tatsächlich sind es 20 geworden. „Es fehlt an Übungsleitern und Kindern. Viele Eltern fahren mit ihren Kindern sechs Wochen an ihren Herkunftsort“, sagt Christel Dinter, die gemeinsam mit ihrem Mann seit rund 30 Jahren Schwimmkurse in Duisburg anbietet und die Federführung der Crashkurse in Duisburg inne hat. Eigentlich bräuchte es ihren Berechnungen nach 24 Übungsleiter, um die Kurse in Duisburg abdecken zu können. Zur Verfügung stehen: neun. „Die Übungsleiterzahl ist in diesem Jahre um drei gesunken“, sagt Christel Dinter.

Berenike Wiesner hat vor drei Jahren ihren Übungsleiterschein absolviert. Seitdem weiß sie, dass es immer wieder Siebt- oder Achtklässler gibt, die nicht einmal die Seepferdchen-Anforderungen schaffen.

Auch in diesem Sommer wird es in ihren Kursen nicht jeder schaffen. Und dann? Zeigt sie den Kindern, was sie schon alles geschafft haben und versucht sie weiter zu motivieren.

An diesem Tag in Homberg funktioniert das. „Die Kinder wachsen über sich hinaus“, stellt sie immer wieder fest. Niyaz zum Beispiel: Er habe Angst vor dem Wasser, habe die Grundschullehrerin seinem Vater gesagt. „Ich habe selbst ein bisschen Angst vor dem Wasser“, sagt Amin Alan. Sein Sohn soll es nun richtig lernen. Ziel ist es, dass die Kinder das Schwimmabzeichen Seepferdchen, das Vielseitigkeitsabzeichen Trixi oder vielleicht sogar das Bronze-Abzeichen erlangen. Zwei-Drittel der jungen Teilnehmer in den Crashkursen gelingt das auch, meint Christel Dinter. Was sie allerdings ärgert: Bei den elf in den Sommerferien stattgefundenen Crashkursen seien mindestens jeweils zwei Kinder unentschuldigt ferngeblieben. „Abmelden, damit ich einem anderen Kind den Kurs zusagen kann, macht keiner. Früher war das eine Selbstverständlichkeit“, kritisiert sie.

Immer mehr Kinder melden sich für die Crashkurse an

Die Nachfrage nach den Kursen steige stetig. „Es werden jährlich mehr Kinder, die sich anmelden“, sagt Christel Dinter. Sie plädiert dafür, dass es bereits in allen Kindergärten Wassergewöhnungskurse unter Leitung der Kindergärtnerinnen und Unterstützung der Schwimmvereine geben sollte. Das würde die Schwimmfähigkeit der Grundschüler nachhaltig erhöhen, meint sie.

Vielleicht hätte Niyaz die Angst vor Wasser dann längst verloren.

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