Schlafplatz

Darum will das NRW-Forum Obdachlose vertreiben

Die Zelte stehen aneinander gereiht in den Seitenpavillons, dahinter sind die wenigen Habseligkeiten gestapelt.

Die Zelte stehen aneinander gereiht in den Seitenpavillons, dahinter sind die wenigen Habseligkeiten gestapelt.

Foto: Rolf Purpar

Düsseldorf.   Nach Besucher-Beschwerden sollen die Obdachlosen bis Ende der Woche den Platz in den Seitenpavillons des NRW-Forums in Düsseldorf räumen.

Sie sind ein gewohntes Bild in den Seitenpavillons am Ehrenhof – die Zelte, Tüten und Koffer, Isomatten und Schlafsäcke der Obdachlosen, die dort in fast schon geschützter Umgebung die Nacht verbringen. Nun wurde es dem NRW-Forum dort jedoch zu bunt. Laut einem Aushang, der nun dort bei den Schlafstätten zu lesen ist, hätten sich zahlreiche Besucher über die Situation beschwert. Der „Aufenthalt in den Pavillons und auf dem Gelände des NRW-Forums wird nicht weiter toleriert werden“, heißt es darin.

Eine Mitarbeiterin berichtet, dass es immer wieder zu Besucherbeschwerden kam, außerdem soll manch ein Obdachloser „nicht so nett“ gewesen sein. In der Vergangenheit habe es immer wieder Ermahnungen gegeben und man habe die betreffenden Personen aufgefordert, das Gelände zu räumen, dem sei jedoch nicht nachgekommen worden, heißt es weiter. Nun sollen drastischere Maßnahmen erfolgen: Die Obdachlosen sollen bis Sonntag, 6. Januar, die Pavillons räumen und den Müll entsorgen. Andernfalls wolle man die Awista beauftragen, alles zu entsorgen und zudem Polizei und Ordnungsamt hinzuziehen und „regelmäßig kontrollieren“.

Für eine Stellungnahme war gestern weiter niemand im NRW-Forum zu erreichen.

Problem ist vor allem der Müll

Auch den Mitarbeitern des Kunstpalastes nebenan fallen hin und wieder Obdachlose auf, die dort ihre Zelte aufschlagen. „Bei unseren Pavillons kommt das aber tatsächlich nur selten vor, wir haben aber auch einen Wachdienst, der Kontrollgänge macht und die Personen auffordert, die Fläche zu räumen“, so Sprecherin Marina Schuster. Grundsätzlich habe man dort kein Problem damit, dass dort Menschen die Nacht verbringen, „da haben wir ja keine Besucher“. Das Problem sei vielmehr der Unrat sowie tagsüber stehen gelassene Zelte – oder wenn die Notdurft dort verrichtet wird. „Wir schicken auch wenn es nötig ist die Reinigungskraft dorthin, um die Fläche sauber zu machen – das war dem ein oder anderen aber dann auch schon mal unangenehm und er hat selbst den Müll beseitigt“, so Schuster weiter.

Fotograf Rolf Purpar von der Agentur Pur war ebenfalls auf das Schild aufmerksam geworden. Er findet die Reaktion „heftig und unmöglich“, gerade „nach dem Fest der Liebe und dem Beginn eines neuen Jahren, in dem doch der menschliche Zusammenhalt besser werden soll“.

Fiftyfifty hätte sich Kontakt gewünscht

Streetworker Johannes Dörrenbächer und das Team von Fiftyfifty sind von dem drastischen Aushang überrascht. Dort hätte man sich gewünscht, dass im Vorfeld Kontakt zum Verein aufgenommen worden wäre. Nun wiederum versuche man selbst mit dem NRW-Forum Kontakt aufzunehmen – bislang aber ohne Erfolg. „Wir wollen gerne mit allen Seiten darüber sprechen und gemeinsam gucken, was es vielleicht auch für andere Möglichkeiten gibt“, so Dörrenbächer. Eine Möglichkeit wäre auch gewesen, vorher „Axept“ einzuschalten. Die Streetworker bieten auch Mediation an.

Dass aber mit allen Beteiligten gesprochen wird, hält Dörrenbächer aber für unumgänglich, sonst „wird das nur verlagert“, die Obdachlosen gehen dann einfach woanders hin.

Er selbst kennt einen Großteil der Leute, die dort die Nacht verbringen. Bisher habe er auch nur positive Resonanzen bekommen von anderen Bürgern, die die Obdachlosen dort sehen und sogar dann und wann Essen vorbeibringen. „Ich habe oft gehört, dass es sehr nette Leute sind, viele unterhalten sich auch, bauen soziale Kontakte auf.“

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