Anklage

Tod nach alternativer Krebstherapie: Heilpraktiker angeklagt

Das biologische Krebszentrum in Brüggen.

Das biologische Krebszentrum in Brüggen.

Foto: Henning Kaiser/Archiv

Krefeld/Nettetal.  Ein Heilpraktiker aus Brüggen am Niederrhein soll Patienten mit einem zu hoch dosierten Medikament behandelt haben. Drei Menschen starben.

Nachdem drei Krebspatienten nach der Behandlung mit einem alternativen Krebsmedikament gestorben sind, hat die Staatsanwaltschaft Krefeld nun Anklage gegen den behandelnden Heilpraktiker erhoben. Sie wirft ihm fahrlässige Tötung sowie einen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz vor.

Der Heilpraktiker soll im Juli 2016 im biologischen Krebszentrum im niederrheinischen Brüggen „unter gröblicher Außerachtlassung der gebotenen und ihm zumutbaren Sorgfalt“ den Glukoseblocker 3-Bromopyruvat (3-BP) hergestellt und vier Krebspatienten intravenös verabreicht haben, heißt es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Krefeld. Dabei soll er das experimentelle Medikament mit einer ungeeigneten Waage abgemessen haben. Infolgedessen sei die Dosierung der Substanz um das drei- bis sechsfache erhöht gewesen.

Der Wirkstoff ist umstritten, aber nicht verboten

Nach der Therapie hatte sich der Gesundheitszustand der Patienten verschlechtert. Zwei Frauen und ein Mann waren in den folgenden Tagen verstorben. Bereits eine geringe Überdosierung des Medikaments könne laut Staatsanwaltschaft erhebliche Folgen haben. So könne schon eine 4,5-fache Überdosierung dazu führen, dass Zellen im Gehirn absterben.

Die Herstellung und der Einsatz des nicht gänzlich erprobten Wirkstoffs 3-BP sind zwar umstritten, aber nicht verboten. Er soll nach Vorstellung der Alternativmedizin, Krebszellen „aushungern“. Eine mögliche Wirksamkeit gegen Krebserkrankungen könne auch nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht ausgeschlossen werden.

Zwei Frauen und ein Mann starben nach dieser Behandlung. Für den Tod weiterer Patienten der Praxis sei der Heilpraktiker dagegen nicht verantwortlich. Insgesamt hatten die Ermittler rund 70 Todesfälle untersucht. Die Praxis im deutsch-niederländischen Grenzgebiet wurde vor allem von niederländischen Patienten aufgesucht.

Obwohl der Niederländer die Waage bereits seit April 2016 genutzt habe, liegen der Staatsanwaltschaft keine Hinweise auf weitere Fälle vor. Der Fall hatte auch im Kreis Wesel für viel Aufregung gesorgt, da der Heilpraktiker in Moers lebt, der Mann seinen Beruf im Kreis Wesel aber nicht ausübt. (tat/mit dpa)

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