Expedition Antarktis

Unterwegs im ewigen Eis

Niederrheiner unterwegs ins Eis der Antarktis - SCALE Winter Cruise 2019.

Niederrheiner unterwegs ins Eis der Antarktis - SCALE Winter Cruise 2019.

Foto: Sea Ice Team, SCALE Antarctica Winter Cruise 2019

Am Niederrhein/Antarktis.  Wissenschaftler der Uni Duisburg-Essen waren drei Wochen auf einem Forschungsschiff im Südpolarmeer unterwegs.

Das ewige Eis – noch kann man es sehen, noch gibt es jede Menge davon – zumindest im Südpolarmeer, der Antarktis. Vor wenigen Tagen ist die gebürtige Kempenerin Carina Nisters, die in Straelen ihr Abi machte, von ihrer Expeditionsreise in eine der kältesten Regionen der Welt zurückgekommen.

Die 32-jährige Wissenschaftlerin gehörte zum vierköpfigen Team der Universität Duisburg-Essen (UDE), das drei Wochen auf einem Forschungsschiff in der Antarktis verbracht hat. Als Teil eines internationalen Teams untersuchten sie im dortigen Winter das Eis, das für den Pol, aber auch für das Weltklima entscheidend ist. „Scale Winter Cruise 2019“ hieß das Forschungsprojekt, und für die Nieder-rheinerin war es eine „total spannende Arbeit und Erfahrung“ – bei Minus 19 Grad Celsius.

Es waren nicht gerade übliche Laborbedingungen, unter denen die UDE-Ingenieure arbeiteten: „Die Kälte war extrem“, berichtet Dr. Carina Nisters. „Wir haben ständig drei Schichten Kleidung übereinander getragen.“

Und Prof. Jörg Schröder, Leiter des Instituts für Mechanik, fügt hinzu: „Im Polar-Labor herrschten konstant minus zehn Grad Celsius, das fühlte sich im Vergleich zu draußen richtig warm an. Aber länger als eine Stunde konnte man es da kaum aushalten.“

Das Südpolarmeer ist das Klimaschwungrad der Erde

Das Südpolarmeer, so die Eisforscher, „wird als Klimaschwungrad der Erde bezeichnet, weil es entscheidende Anteile der Sonnenenergie und der zunehmenden Kohlendioxid-Emissionen aufnehmen kann.“

Pfannkucheneis

Doch noch immer ist wegen der widrigen Wetterverhältnisse und der abgeschiedenen Lage zu wenig über dieses gigantische System bekannt. „In einem Laborcontainer an Bord des Eisbrechers haben wir die physikalischen, chemischen, biologischen und mechanischen Eigenschaften des Meereises genau unter die Lupe genommen“, so Carina Nisters.

Die UDE-Forscher gehörten zum Team „Sea Ice“ und haben Bohrkerne u.a. aus dem sogenannten „Pfannkucheneis“ entnommen – das sind kleineren Schollen mit einem etwas wulstigen Rand. Bis zu 18 Meter hoch waren die Wellen, die unter und neben dem 130 Meter langen Schiff entlang rollten. Kein leichter Job – und ganz sicher hartes Training für das Gleichgewichtsorgan.

Die Arbeitsbedingungen im arktischen Winter sind sehr extrem

Mit einer speziell für diese Expedition konstruierten Apparatur nahmen und analysierten die Forscher auch Proben von so genannten „Frazil-Eis“.

Das besteht aus noch flüssigem Wasser mit ersten gefrorenen Partikeln darin und wird erst später zu festem Meereis. Da die Bedingungen im antarktischen Winter besonders extrem sind, gibt es dazu bislang nur wenige Daten.

„Unsere Ergebnisse sind nun die Basis für Modelle, die das Verhalten der Schollen unter verschiedenen Bedingungen analysieren und vorhersagen können“, erklärt Prof. Doru C. Lupascu, Leiter des Instituts für Materialwissenschaft. Es wird nun noch eine Weile dauern, bis alle Ergebnisse ausgewertet sind und erste Rückschlüsse wissenschaftlich veröffentlicht werden können.

Die Polraregionen der Erde sind bedeckt von Meereseis

Die Polarregionen der Erde sind bedeckt von Meereseis, welches angetrieben durch atmosphärische Bewegungen, Wellenbewegungen und Meeresströmungen einer stetigen Dynamik ausgesetzt ist.

Das Meereis spielt eine wichtige Rolle in der Bestimmung des Polar-Klimas und man geht davon aus, dass es auch einen entscheidenden Einfluss auf das Weltklima hat. Die Kräfte innerhalb des Agglomerats des Eises führen zur Bildung von so genanntem „Pancake“-Eis. Die Erforschung dieser Region ist eine wichtige Aufgabe für viele natur-und ingenieurwissenschaftliche Disziplinen.

Carina Nisters ist inzwischen schon wieder unterwegs. Dorthin, wo es deutlich wärmer ist als Minus 19 Grad: Südafrika.

Die Expedition stand unter der Leitung der Universität Kapstadt

Die Expedition stand unter der Leitung der Universität Kapstadt – was einen Außenstehenden erst einmal verblüffen mag.

Finanziert wurde das Projekt auch aus Südafrika – von der South African National Research Foundation (NRF) über das South African National Antarctic Programm (SANAP) – mit Beiträgen des Department of Science and Innovation und des Department of Environmental Affairs.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben