Natur

Von Wölfen und Ängsten

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Kreis Kleve. In NRW an der Grenze zu Hessen wurde jetzt ein Wolf gesehen - in den Kreis Klever Reichswald kehrt er aber ziemlich wahrscheinlich nicht zurück. Denn der Urahn unsere Haushunde ist ein scheuer Geselle, dem im Reichswald viel zu viel Trubel herrschen würde.

Im Grenzgebiet zu Hessen wurde jetzt in NRW ein Wolf gesichtet. Seit einiger Zeit scheint der Rüde dort umherzustreunen. Bereits 2008 war im Grenzgebiet Niedersachsen/Hessen/NRW ein Isegrim gesehen worden. Für die einen Grund zur Freude, für die anderen eine Katastrophe, die Urängste weckt.

Der Kreis Kleve mit seinem großen Staatsforst, dem Reichswald, ist für den Wolf aber uninteressant. „Zum einen spricht der enorme Raumanspruch des Wolfes dagegen, zum anderen die Tatsache, dass der Reichswald überall durch Wege, Pfade und Straßen zerschnitten ist“, erklärte Andreas Barkow, Naturschutzreferent beim NABU (Naturschutzbund) in Kranenburg. Seiner Ansicht nach ist der Reichswald allenfalls vielleicht einmal Durchgangsrevier für Wölfe, die weiter ziehen. In Ostdeutschland haben sie dagegen viel mehr Lebensraum und Ruhe. Dort leben mehrere Tiere.

Tödliche Sichtungen

Mitte des 19. Jahrhunderts galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. Vereinzelte Tiere wurden gesichtet, die von Osten nach Deutschland kamen - für alle endeten die Sichtungen tödlich. Noch bis 1950 gab’s Abschussprämien für erlegte Wölfe. Seit 1989 gilt ein Jagdverbot. In NRW gab es seit dem 2. Weltkrieg nur einen Wolf, der 1963 in der Eifel von Jägern erschossen wurde. Der letzte Wolf im heutigen Kreis Kleve wird so Anfang des 19. Jahrhunderts von Menschenhand getötet worden sein.

Auch wenn nicht sicher ist, wo sich der Wolf künftig seine alte Heimat zurückerobern wird, so ist zumindest sicher, dass der Wolf kein Monster ist, das kleine Mädchen zerreißt. Hier irrte Rotkäppchen. Doch die Mythologie des Bösen, die dem Wolf anhaftet, wird der nur schwer wieder los. Der „Willkommen-Wolf“-Plan des NABU trägt zumindest dazu bei, ihm mehr gerecht zu werden, dem scheuen Grauen. Denn genau das ist er, ein scheuer Geselle, ungeeignet um Urängste zu wecken.

Es gibt andere Arten, die im Kreis Kleve nach ihrer „Beinah-Ausrottung“ wieder erfolgreich Fuß fassen - und keine Ängste auslösen.: Insekten, Amphibien oder Vogelarten. Graugränse, zum Beispiel. Sie wurden um 1950/60 wieder am Niederrhein angesiedelt. Oder der Weißstorch. Barkow: „1988 hatten wir im Kreis Kleve den Tiefpunkt. Seitdem wächst die Population. Jetzt leben wieder fünf Brutpaare hier.“ Grund: Es gibt wieder Feuchtwiesen und damit Nahrung für sie. Ein alter „Neuer“ ist auch der Biber, der seit sieben Jahren das Grenzgebiet bei Millingen und Bereiche in und um Kleve erobert.

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