Wilhelm Holtmann

Wilhelm Holtmann aus Duisburg: der letzte Rheinromantiker

Ein malerischer Blick auf Lorch am Rhein.  

Ein malerischer Blick auf Lorch am Rhein.  

Foto: Ingo Plaschke / Bild: Wilhelm Holtmann

Am Niederrhein/Im Rheingau.  Wilhelm Holtmann wurde 1900 in Duisburg geboren. Der Maler fand im Rheingau sein Zuhause, auch seine Motive. Am Niederrhein scheint er vergessen.

Wilhelm Holtmann? Weder spontan noch später sagt Andreas Pilger dieser Name bemerkenswert viel. Im Stadtarchiv von Duisburg hat er keinerlei Unterlagen zu dem Maler gefunden, nicht einmal einen Eintrag in der Generalkartei gibt es, bedauert der Leiter des Hauses.

Wer mehr über den Künstler erfahren möchte, der vor 120 Jahren hier geboren wurde, und vor allem, wer ein Gemälde von ihm sehen möchte, der muss schon rund 240 Kilometer stromaufwärts fahren – nach Lorch am Rhein.

Hier wohnt Bernhard Franke, der über sich selbst sagt: „Ich bin ein Idealist.“ Seine beiden großen Leidenschaften sind die wildschönen Camargue-Pferde und eben: Willy Holtmann, wie ihn Herr Franke längst bestens vertraut nennt.

Von Bacharach bis Rüdesheim: Motive vom Mittelrhein

Auf der Suche nach Bildern aus seiner Heimat stieß er eines Tages auf seinen ersten Holtmann. Das war gar nicht mal so ungewöhnlich, denn in den Weinstuben und Privathäusern am Mittelrhein hängen unzählige Holtmänner.

Den Gasthof Altes Haus in Bacharach legte der Künstler genauso in Öl wie den sagenumwobenen Mäuseturm bei Bingen oder die von Rebstöcken bedeckten Hügel zwischen Rüdesheim und Oestrich-Winkel.

Ein Landschaftsmaler – und noch viel mehr

Ein Landschaftsmaler also, der seine Motive vor der Haustüre fand. Er siedelte in Idstein im Taunus ein, streifte von dort offensichtlich tief in den Westerwald hinein, später wohnte er in Hattenheim und Niederwalluf im Rheingau, „Bauern bei der Feldarbeit“ oder „Bei der Heuernte“ zeugen davon.

Aber, betont Bernhard Franke: „Seine Malerei war ebenso umfangreich wie vielfältig.“ Dazu gehören zum Beispiel auch: Segelboote im seichtem Wasser oder eine Wildschweinrotte auf einer verschneiten Waldlichtung; eine andere, überraschende Ansicht zeigt das Brandenburger Tor in Berlin.

Gelernt bei Hermann Groeber an der Kunstakademie in München

Und sein Mönch, der aus einem Weinglas trinkt, entspricht einer Darstellung in altmeisterlicher Manier. Gelernt hat Wilhelm Holtmann einst bei Professor Hermann Groeber an der Kunstakademie in München, der sich zu seiner Zeit als Porträtmaler einen Namen machte.

So wie nachher auch sein Schüler, der sich das Geld für seine Familie vor allem mit Auftragsarbeiten verdiente. Er war ein Berufsmaler, betont sein Biograf, „er lebte nicht für die Kunst, er lebte von der Kunst.“ Ein geflissentlicher Handwerker, der sein Geschick dem Geschmack der Kunden sowie dem Zeitgeist unterordnete.

„Van Gogh vom Rheingau“

Das mag jetzt etwas abwertend klingen, nichtsdestotrotz ist Bernhard Franke ziemlich begeistert vom Können des Herrn Holtmann. „Die Stadtansicht von Hofheim zeigt einen Ansatz von Kubismus“, schwärmt er.

Das Gros des Gesamtwerkes ist aber wohl vom Impressionismus beeinflusst. „Seinen persönlichen Stil zeichnen eine leichte Pinselführung und eine lebhafte Farbigkeit aus“, erklärt Bernhard Franke. Schmunzelnd erzählt er, dass Wilhelm Holtmann noch immer gerne und oft als „Van Gogh vom Rheingau“ bezeichnet wird.

Ähnlich wie der Niederländer brachte es auch der Niederrheiner zu Lebzeiten nicht zu Reichtum, viel mehr lebte er das Klischee vom Kunstschaffenden, der stets knapp bei Kasse ist. Ein Leben zwischen Licht und Schatten.

Sieben Kinder aus zwei Ehen, seine erste Frau starb allzu früh im Jahre 1945, dazu ein unehelicher Sohn aus einer Affäre in Lindau am Bodensee während seiner früheren Wanderjahre als junger Künstler: Man sollte über Wilhelm Holtmann wohl nicht päpstlich streng urteilen, schon gar angesichts seiner gefälligen Massenware, die er auf Staffeleien zuhause anfertigte; übrigens nie im Malerkittel, nicht selten dafür im Anzug.

Kunsthandel: Wein gegen Ware

Wer sich heutzutage im Weinhaus Sinz in Frauenstein bei Wiesbaden umschaut, kann an den Wänden wohl mehr als 100 Bilder aus den Händen von Holtmann entdecken. Die Mehrzahl davon, heißt es, stammt aus Kompensationsgeschäften. Der Mensch lebt nun mal nicht nur vom Brot allein, auch für manchen Liter Wein verkaufte der Meister seine Malereien.

Beinahe sein ganzes Leben hantierte Wilhelm Holtmann ausschließlich mit Ölfarben, die er bis ins hohe Alter hinein selbst herstellte. Aus Sparsamkeit verzichte er auch schon mal auf eine Grundierung der Arbeitsfläche sowie auf eine Schlussversiegelung seiner Bilder. Abenteuerlich muten auch viele Rahmen an, in die seine Auftraggeber die Werke steckten.

Der letzte Rheinromantiker

So gesehen ist es keine Überraschung, wenn Willy Holtmann immer noch als unterschätzter Künstler, sozusagen als ein Volksmaler gilt. Bernhard Franke verleiht ihm lieber den Ehrentitel „Der letzte Rheinromantiker“.

Bis zum Schluss blieb der große Fluss sein großes Thema. Auf einem Bild, das er kurz seinem Tod malte, raucht noch immer ein dicker Pott auf dem Rhein, obwohl die Dampfschiffe doch schon in den 1950er und 1960er Jahren vom Wasser verschwunden waren.

1984 starb Wilhelm Holtmann in Wiesbaden, weit weg von Duisburg, wo sein Name längst verblasst war; so wie viele seiner Werke auch.

In Planung: eine Biografie und Ausstellung

Bernhard Franke schreibt an einer Biografie über Wilhelm Holtmann und plant eine Ausstellung mit Werken von ihm. Wer etwas über den Maler zu berichten weiß, der 1900 in Duisburg geboren wurde, darf sich gerne bei ihm in Lorch am Rhein melden. Kontakt unter Ruf: 0170/317 39 99, oder per Mail: bernhard.franke@lecamargue.de.

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