Einzelhandel

Bürgerentscheid am Sonntag: Outlet-Pläne spalten Duisburg

Mit großflächigen Plakaten werben Gegner (Foto) und Befürworter des in  Duisburg geplanten Outlets im Vorfeld des Bürgerentscheides um Stimmen.

Mit großflächigen Plakaten werben Gegner (Foto) und Befürworter des in Duisburg geplanten Outlets im Vorfeld des Bürgerentscheides um Stimmen.

Foto: Eickershoff

Duisburg.   Vor dem Bürgerentscheid liefern sich Befürworter und Kritiker einen heißen Wahlkampf. Das Votum am Sonntag wird weit über die Stadt hinaus wirken

Die Region blickt gespannt auf Duisburg: Dort soll das mit 30 000 qm Ladenfläche wohl größte Designer-Outlet Center (DOC) Deutschlands gebaut werden – vorausgesetzt der Bürgerentscheid, der an diesem Sonntag ansteht, scheitert. Großplakate, Handzettel, Videopräsentationen, Infostände, Anzeigen: Kritiker und Befürworter liefern sich einen heißen Wahlkampf.

Die Sorgen sind riesig. Ein DOC mit mindestens 150 Läden, aufgebaut wie ein Dorf, gleich neben dem Hauptbahnhof – das hätte massive Auswirkungen auf den übrigen Einzelhandel und die City, befürchten Geschäftsleute und Bürger nicht nur in Duisburg, auch anderswo. Ratingens Bürgermeister Klaus Pesch etwa hat schon vorsorglich angekündigt, vor Gericht zu ziehen, sollten die DOC-Pläne in Duisburg weiterverfolgt werden.

Die Hoffnungen sind auch riesig. Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) etwa sieht im Outlet „eine Chance“ für seine gebeutelte Stadt. Er hofft auf Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. In Gesprächen wird deutlich: Gerade bei jüngeren Bürgern gibt es große Sympathien für das DOC und Kritik an dem, was die Innenstadt derzeit Einkäufern so zu bieten hat – oder auch gerade nicht bietet.

Das Rennen scheint offen

Die Initiatoren des Bürgerentscheids kämpfen seit Monaten um jede Stimme. Sie glauben, dass ein Outlet auf die City ähnlich aufmerksamkeits- und umsatzraubende Wirkung hätte, wie einst das Centro auf die alte Mitte in Oberhausen. Schon heute gibt es auf der Königstraße und den angrenzenden Einkaufsstraßen viel Leerstand. Große Filialisten prägen das Bild. Kleinere, inhabergeführte Geschäfte muss man suchen.

Die Investorenseite wirbt nicht minder emsig damit, dass ein Outlet „die Innenstadt stärken wird“, wie Edda Metz, Geschäftsführerin der Krieger GmbH, der das Grundstück gehört, erklärt. Das DOC bringe „zusätzliche Kaufkraft“. Das Areal des früheren Güterbahnhofs, der Ort der Loveparade-Katastrophe von 2010, werde nach Jahren des Stillstandes weiterentwickelt. Ein neuer Stadtteil entstehe. „Den brauchen wir nicht“, kontert DOC-Gegner Boris Roskothen von der Initiative „Ja zu Duisburg“. Der Einzelhändler vermutet, „dass im DOC viele hochwertige Marken nicht vertreten sein werden.“

Betreiben will das DOC Neinver, eine Firma, die bereits 15 Outlets europaweit verwaltet. Für Duisburg spreche der Standort: „Eine Stunde mit dem Auto zum Outlet in Roermond, 30 Minuten zum Premiumsegment auf der Düsseldorfer Kö, weit genug zu den Händlern in der Innenstadt“, meint

Sebastian Sommer, Geschäftsführer von Neinver Deutschland in einer Diskussionsrunde der NRZ zu dem Thema in Duisburg. Dort folgten viele Bürger der Argumentation nicht, dass auch die City von der Kaufkraft profitieren soll: „Die Leute können ihr Geld nur einmal ausgeben“, sagte ein Zuhörer. Laut Neinver-Manager Sommer soll das DOC 1200 Arbeitsplätze bringen – darunter viele Teilzeitjobs.

Sollte der Bürgerentscheid am Sonntag durchkommen, wäre der Ratsbeschluss gekippt, mit dem die Duisburger Politik mehrheitlich mit den Stimmen von CDU und SPD die Planungen des DOC ermöglichen wollte. Das Rennen scheint offen: Eine NRZ-Wahlumfrage ergab, dass 46% der Befragten kein DOC wollen. 35% befürworten ein solches Outlet, 14% zeigten sich unentschlossen.

Mindestens 37 000 Stimmen müssen die DOC-Gegner auf sich vereinen, um die Pläne zu stoppen. 44 000 Bürger haben bereits die Briefwahl für den Entscheid beantragt, was auf eine hohe Wahlbeteiligung schließen lässt. Zumal Sonntag in Duisburg mit der Bundestags,- und OB-Wahl zwei weitere Entscheidungen anstehen.

>>>>>>IHK WARNT VOR FOLGEN FÜR DIE REGION

Nach Berechnungen der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer (IHK), die sich früh bei den Kritikern eingereiht hatte, droht der Duisburger City durchs DOC ein Umsatzverlust von 80 000 bis 100 000 Euro pro Einkaufstag. Inhaber eines z.B. 200 qm großen Modegeschäftes müssten Einnahmeverluste von bis zu 30% verkraften: „Das frisst die Marge auf“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Dietzfelbinger zur NRZ. Schließungen drohten.


Im Segment Kleidung und Schuhe gebe es in Duisburg aktuell 110 Geschäfte. Mit dem DOC komme „etwa das Anderthalbfache noch mal obendrauf“. Ein solcher Zuwachs strahle weit in die Region hinein – im Einzugsbereich von 30 bis bis 45 Minuten Fahrzeit. Für Städte und Gemeinden wie Moers, Wesel, Dinslaken oder Hünxe erwartet die IHK Umsatzeinbußen zwischen fünf und 15%. Dietzfelbinger: „Das DOC wirkt wie ein riesiger Magnet.“

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