Europa

Wie Brüssel dem Ruhrgebiet mit Fördermitteln hilft

Städtebau, Tourismus, Forschung, Soziales: Die EU fördert viele Projekte.

Städtebau, Tourismus, Forschung, Soziales: Die EU fördert viele Projekte.

Foto: Getty

An Rhein und Ruhr.   Das Ruhrgebiet profitiert von der europäischen Förderung. Mehr als eine halbe Milliarde Euro sind seit 2014 in die „Metropole Ruhr“ geflossen.

Europa zahlt sich fürs Ruhrgebiet aus. Regionale Entwicklung, sozialer Zusammenhalt, Forschung: Mehr als 523 Mio Euro sind bis zur Halbzeit der aktuellen Förderperiode, also in den Jahren 2014 bis 2017, bereits in die Region geflossen. Das haben Experten des Regionalverbandes Ruhr (RVR) jetzt in einer Auswertung festgestellt. Gut zu wissen: Auch für die zweite Hälfte der Periode bis 2020 sind die Brüsseler Budgets noch gut gefüllt. „Diese Chancen gilt es für unsere Region wahrzunehmen“, wirbt RVR-Direktorin Karola Geiß-Netthöfel.

Beispiele? Eine (noch) bessere touristische Vermarktung der Industriekultur, dazu das „Radrevier Ruhr“, das RVR-Projekt „Waldband“ mit dem 120 Kilometer langen „Hohe Mark Steig“ von Wesel nach Olfen – EU-Fördermittel machen es möglich. Gleiches gilt für zahlreiche Vorhaben in den Kommunen – große Städtebauprojekte etwa wie den Grüngürtel in Duisburg-Nord, aber auch für soziale Vorhaben wie etwa die Integration bulgarischer und rumänischer Zuwanderer in den Arbeitsmarkt.

Gute drei Autostunden liegt Brüssel vom Gebiet der „Metropole Ruhr“ entfernt. Seit 2012 versteht sich ein EU-Referat beim RVR in Essen ausdrücklich als Dienstleister für die Verbandskommunen. Das heute sechsköpfige Referat informiert über Förderprogramme und -Abläufe, weist auf Termine hin und koordiniert das Netzwerk der EU-Beauftragten, die jede der 53 RVR-Kommunen für sich benannt hat.

Im Gespräch: Ein eigenes Büro in Brüssel?

„Wir fördern die europäische Idee“, sagte Michael Schwarze-Rodrian vom Regionalverband im Gespräch mit der NRZ. Er zeigt sich begeistert von der Vielfalt, die sich in der europäischen Einheit spiegele – das finde man auch im Ruhrgebiet wieder. Das Referat sorgt auch dafür, dass das Ruhrgebiet in Brüssel Flagge zeigt, organisiert Fahrten in die europäische Hauptstadt. 2017 saßen die Rathaus- und Kreishauschefs der Region da mit Finanzkommissar Günther Oettinger zusammen.

Besonders wichtig sind der Regionalfonds Efre (89 Mio Euro in der laufenden Periode verteilt auf 359 Bewilligungen), der Sozialfonds ESF (193 Mio Euro, 4685 Bewilligungen – Brüsseler Fördermittel, aber verteilt durch die Landesregierung sowie weitere 29 Mio verteilt durch den Bund) und das Forschungsprogramm „Horizont 2020“ (124 Mio Euro). Weitere Förderbudgets kommen hinzu (z. B. das Bildungsprogramm „Erasmus+“). Kommunen, RVR, Unternehmen, Forschungs- oder Kultureinrichtungen: Die Palette der Profiteure ist breit.

Eine jetzt erstellte Dokumentation zeigt genau, aus welchem großen EU-Topf wie viel an Fördermitteln in jeweilige RVR-Kommunen geflossen ist. Großstädte wie Duisburg oder Essen etwa profitieren zum Beispiel stark von Sozial- und Regionalfonds. Der Kreis Wesel z. B. profitiert vom „Interreg“-Programm, das die grenzüberschreitende Zusammenarbeit fördert.

Geprüft wird aktuell, ob der RVR künftig möglicherweise sogar ein Büro in Brüssel einrichtet – und wie der Verband seine Mitgliedskommunen bei der Akquise von Fördergeldern aus Brüssel noch stärker unterstützen kann. Die Politiker aus der Verbandsversammlung hatten das mehrheitlich angeregt. Ein Ergebnis soll nach der Sommerpause vorliegen.

>>>>> LEITFADEN FÜR SCHULEN VORGELEGT

Was ist eigentlich Kohäsionspolitik (=Politik für den Zusammenhalt zwischen einzelnen Staaten und Regionen)? Wie funktioniert die EU und wie wird gefördert? Im Europaportal des RVR (www.europa.rvr.ruhr) gibt es dazu Informationen.

Lernmaterialien, Wettbewerbe und Stipendien, Veranstaltungen, Fördergelder: Die EU hat auch Schulen viel zu bieten. Eine Zusammenstellung des RVR-Referates informiert ganz aktuell darüber. Sie kann übers Europaportal aus dem Internet heruntergeladen werden.

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