Für Sportler ist es völlig normal, Ziele zu haben. So wundert es nicht, dass auch Felix Stefan (Fortuna) eine Absicht verfolgt. „Unser Fernziel ist es, mit vier, fünf Betroffenen und deren Familien ins Stadion zu kommen und ein Ligaspiel der Fortuna anzusehen. Wenn es noch diese Saison klappen sollte, wäre das super.“
Eigentlich ein ganz normaler Vorgang, aber für an Demenz erkrankte Menschen ist ein Leben in der ganz normalen Welt oft unmöglich. Stefan ist bei der Fortuna der Hauptverantwortliche für den Bereich Inklusion und Behindertenfanbetreuung und ist Ideengeber des „Fortuna Demenzkoffers“ und damit der Initiator eines neuen Fortuna-Projektes. Er weiß: Über die hohe Emotionalität des Fußballs wird positiver Einfluss auf die Erinnerungsfähigkeit Demenzkranker ausgeübt.
Idee stammt aus England
Der Grundgedanke, sich per Fußball für diese Menschen zu engagieren, stammt ursprünglich aus Großbritannien. Es gilt als wissenschaftlich erwiesen, dass eine strukturierte Biografie- und Erinnerungsarbeit Demenzerkrankten hilft. Hierzu eignet sich Fußball besonders, wenn sich die Betroffenen in ihrem Leben mit dieser Sportart beschäftigt haben. Die Gedanken an bedeutende Spiele, wie etwa das Finale im Europapokal der Pokalsieger in Basel gegen CF Barcelona 1979, die beiden Pokalfinalsiege 1979 und 1980 und spezielle Momente mit dem Lieblingsverein sind für Fortuna-Fans ganz intensive und tief emotionale Andenken.
Um demenzkranke Fortuna-Anhänger bei der Erinnerung an diese besonderen Momente zu unterstützen, hat der Verein einen Erinnerungskoffer erstellt. In Zusammenarbeit mit dem Demenznetz Düsseldorf wurden in monatelanger Arbeit Fotos und zahlreiche emotionale Fortuna-Devotionalien (Schals, alte Plakate, Fotos, Eintrittskarten, Autogrammkarten, Fahnen, Trikots, Fußballschuhe, Anstecknadeln, Zeitungsausschnitte) zusammengestellt, die bei betroffenen Fortuna-Fans schöne Momente wieder zum Leben erwecken und so den Menschen helfen.
Getestet und für gut befunden
Getestet und für gut befunden wurde der Koffer auch schon, wobei der Kofferinhalt nur Auslöser von Erinnerungen ist. Viel wichtiger sind die zwölf Ehrenamtlichen, die mit den Fortuna-Erinnerungen in die Demenzgruppen gehen. So wie Gaby und Uli Schönfuß. „Ich hatte einen demenzkranken Vater. Mit ihm habe ich oft über Fortuna gesprochen, und dann kamen die Erinnerungen“, so Gaby Schönfuß. „Ich freue mich richtig, dass ich mit in dem Kreis bin.“
Erste Erfahrungen haben die Schönfuß‘ bereits gemacht. „Es ist eine große Freude, wenn man sieht, dass die Augen zu leuchten beginnen und die Erinnerungen zurückkommen“, erläutert Uli Schönfuß. „Außerdem lernt man selber etwas dabei, zum Beispiel, dass man demütig bleibt, denn eine Demenzerkrankung kann einen ja auch selber betreffen.“ Die Kernerarbeit mit einer Schulung im Umgang mit Demenzkranken bietet das Demenznetz Düsseldorf, ein Zusammenschluss von 27 Demenz-Einrichtungen mit 29 Gruppen.
„Demenz ist ja eine schleichende Krankheit, mit unterschiedlichen Erkrankungsniveaus. Da muss man flexibel darauf eingehen können“, macht Peter Tonk vom Demenz-Servicezentrum Region Düsseldorf klar. „Wir möchten mit den Besuchen und dem Fortuna-Demenzkoffer das Selbstwertgefühl und das Wohlbefinden der Erkrankten steigern. Kurz gesagt: Wir wollen Freude bereiten. „Das haben die beiden Gruppen ‚Anpfiff’ und ‚Halbzeit’ der Caritas bereits gehabt.
Stadionbesuche wieder präsent
„Plötzlich kamen auch persönliche Erinnerungen aus den 50er und 60er Jahren hoch, Stadionbesuche waren wieder präsent“, so Gruppenbetreuer Klaus Lindemann. Nicht nur für ihn sind zukünftig auch Hausbesuche und Einzelgespräche mit dem Fortuna-Erinnerungskoffer denkbar. „Wenn die Nachfrage groß ist, können wir auch einen zweiten Erinnerungskoffer auflegen“, verspricht Paul Jäger, Fortunas verantwortlicher für Soziales. Die Chancen stehen gut, dass bald zwei Koffer in Düsseldorf auf Erinnerungstour gehen werden.


