Ein Sieg in Wien kann das Selbstvertrauen nachhaltig pushen. Schließlich hatten die Vikings in der noch jungen Geschichte der European League of Football bislang noch nie ein Heimspiel in der regulären Saison verloren – bis Rhein Fire am vergangenen Samstag in Österreichs Metropole mit 33:26 erfolgreich war. Dieses Selbstvertrauen will Fred Armstrong, der neue Offensive Coordinator des Titelverteidigers, nun auch von seinen Spielern sehen. „Wir sind amtierender Champion – und genau so müssen wir uns auch präsentieren“, sagt der Coach vor dem Auswärtsspiel bei Berlin Thunder, das am Sonntag um 13 Uhr im Preußenstadion beginnen wird.
Es könnte sein, dass sich in der kommenden Woche etwas tut.
Martin Wagner, Gesellschafter von Rhein Fire
Dabei wollen die Duisburger sich gar nicht zu sehr an dem Sieg in Wien festhalten, schließlich gilt die „Wir-schauen-von-Spiel-zu-Spiel-Mentalität“ gerade im Football als ehernes Gesetz. „Jedes Spiel ist ein weiterer Schritt nach vorne in der Entwicklung der gesamten Mannschaft“, sagt daher auch Runningback Jonathan Scott, der immer besser spielt. Schließlich ist es gerade das Laufspiel, das sich in letzter Zeit verbessert hat. Zur Wahrheit gehört freilich auch, dass es beim Passspiel noch hapert. Daher sieht Fire neben der D-Line auch noch bei den Wide Receivern Handlungsbedarf. Jordan Bouah steht aus Verletzungsgründen bereits auf der Ausfallliste. Und zwischen Quarterback Chad Jeffries und Passempfänger Rory Starkey läuft es auch nicht optimal. „Es könnte sein, dass sich in der kommenden Woche etwas tut“, sagt Fire-Gesellschafter Martin Wagner.
Auch interessant
Obwohl bei Berlin Thunder augenscheinlich nicht alles optimal läuft, mahnte Linebacker Marius Kelsy im Gespräch mit der Sportredaktion an, die Hauptstädter nicht zu unterschätzen: „Die haben gute Leute in der Offensive.“ Das gilt vor allem für Jakeb Sullivan, der zuvor in der ELF für Frankfurt Galaxy aktiv war und nun seine zweite Saison in Berlin bestreitet. Bislang hat Thunder zwei Saisonspiele gewonnen, dies aber gegen die klar unterdurchschnittlichen Mannschaften aus Köln und Fehervar. Allerdings bot das Team bei der letztlich klaren 12:35-Niederlage gegen München in der Vorwoche eine sehr stabile Leistung.
Alles zu Rhein Fire:
Dennoch scheint es bei den Berlinern in dieser Saison drunter und drüber zu gehen. So gab es ein Posting im Sozialen Netzwerk LinkedIn, in dem ein Mitarbeiter des Clubs öffentlich die Frage stellte: „Quo vadis, Thunder? Stell dir vor, es ist ELF-Football, und niemand geht hin. Nein, nicht nur ein bisschen, sondern so gut wie gar keiner.“ Tatsächlich blieben die Zuschauerzahlen im Preußenstadion bislang jeweils klar unter 1000, sodass sogar ein möglicher Umzug des Teams in diesem Posting ins Spiel gebracht wurde. Der Club hat sich inzwischen von diesem Posting distanziert.

Doch das scheint nicht das einzige Problem in Berlin zu sein. So hat sich der bisherige Runningback Gennadiy Adams in einer Mail, die er praktisch an jeden innerhalb der ELF geschickt hat, bitter über das Management beschwert. In dieser Nachricht, die der Sportredaktion vorliegt, schreibt er davon, dass er nur einen Teil seines April-Gehaltes bekommen habe, sich in seiner Zeit beim Club trotz Zusage niemand wirklich um die Visa-Angelegenheiten für ihn und vor allem seine Frau gekümmert habe und er nach einer Verletzung das Team und die Wohnung verlassen sollte, obwohl er sich nach einer Operation kaum bewegen oder in einem Flugzeug nach Hause sitzen konnte.



