Manche Redewendungen sind nur in ihrer Heimatregion zu verstehen. Philip Kuschel hatte am Dienstag für Aufsehen gesorgt. Im letzten Drittel des Auswärtsspiels beim Tabellenführer Hannover Indians gelang ihm eine beinahe unglaubliche Rettungsaktion. Der Verteidiger des Eishockey-Oberligisten EV Duisburg bemerkte, dass sein Torhüter Leon Willerscheid geschlagen war, also machte er einen Hechtsprung, streckte seinen Schläger aus und verhinderte mit dessen Spitze, dass der einschussbereite Hannoveraner jubeln konnte. „Das ist der Save des Monats“, jubelte selbst der Hannoveraner Moderator beim Streamingdienst Sprade TV. Der 27-Jährige selbst wiederum zuckte nur mit den Schultern. „Das war leider nur Schmuck nach Nachthemd.“
Kurz darauf blickte er ins verdutzte Gesicht seines Gesprächspartners, erkannte offenbar dort ein großes Fragezeichen und sagte: „Kennt ihr das nicht?“ Ein Kopfschütteln später erklärte mit einem Grinsen: „Ihr würdet wahrscheinlich vergebliche Liebesmüh‘ sagen.“ Was der in der Forst in der Lausitz, ganz in der Nähe von Weißwasser, geborene Verteidiger sagen wollte, ist: Er hätte das Spiel lieber gewonnen. Dennoch zeigte sein Einsatz, dass die Füchse in dieser Saison bis zum Ende an ihre Chancen glauben. „Das gehört doch dazu“, sagt Kuschel.
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Dass die Füchse drauf und dran waren, beim Spitzenreiter einen oder mehrere Punkte mitzunehmen, ist auch so etwas, was Philip Kuschel nicht verwundert. Was sonst ein Floskel ist, entspricht inzwischen der Realität: „Jeder kann jeden schlagen.“ Kurz geht er die bisherigen Saisonergebnisse durch, ein echtes Gegenbeispiel fällt ihm aber nicht ein. „Die Liga hat inzwischen eine hohe Dichte.“ Das heißt auch, dass das Derby am Freitag (19.30 Uhr, Alleato-Arena) gegen den Herner EV mal wieder ein heißer Tanz wird. Mit dem Saisonverlauf ist der Defensivspezialist weitgehend zufrieden. „Nur weil wir mal verlieren, heißt das noch lange nicht, dass wir schlecht gespielt haben. Oder dass wir gut gespielt haben, weil wir gewonnen haben“, sagt er mit Blick auf die drei Siege vor der knappen Niederlage in Hannover.
Dennoch stimmt so einiges. Und das einzige, das nicht stimmt, ist die Effektivität? „Kommt darauf, was du meinst“, sagt Kuschel. „Im Penaltykilling sind wir sehr effektiv.“ Tatsächlich ist die starke Unterzahlquote der Füchse einer der Gründe, warum der EVD aktuell auf Rang vier der Oberliga Nord steht. „Offensiv können wir natürlich effektiver werden.“ Für Allgemeinplätze ist Philip Kuschel ohnehin nicht zu haben. In der Defensive laufe des doch ohnehin ganz gut. Auch hier ist die Antwort ein „Ja, aber“. Oft ist es so, nur nicht immer. „Verteidigen fängt ja vorne an. Je mehr die Stürmer mitmachen, desto einfacher wird es für die Verteidiger.“ Kuschel schiebt gleich hinterher: „Aber das heißt nicht, dass die Stürmer nicht verteidigen würden.“ Es ist komplex. Auch das sagt der Verteidiger gerne.
Wie komplex die Leistung gegen Herne sein wird, wird der Freitag zeigen. Die Füchse werden nun sogar mit 13 Stürmern in das Derby gehen, sodass ein Offensivspieler nominell als Abwehrspieler gelistet werden muss. Neuzugang Luis Üffing wird dabei eine Sturmreihe mit Klavs Planics und Nardo Nagtzaam bilden. Verteidiger Erek Virch fällt aus; als Ersatz-Goalie nimmt erstmals Aaron Kaiser (Förderlizenz Kölner Haie) auf der Bank Platz.



