Acht Siege aus acht Spielen holte die SGS Essen in der Vorbereitung und schlug dabei den niederländischen Meister Twente Enschede sowie den Champions-League-Teilnehmer PSV Eindhoven. Doch von Euphorie und Aufbruchsstimmung ist nach drei Spieltagen in der Frauenfußball-Bundesliga nicht viel übrig. Schlimmer noch: Es schrillen die Alarmglocken.
Mit einem Punkt und noch ohne eigenes Tor ist die SGS derzeit Tabellenvorletzter. Vor dem richtungsweisenden Spiel gegen das Schlusslicht 1. FC Köln an diesem Mittwoch (19 Uhr, Stadion an der Hafenstraße Essen) muss die SGS vor allem drei Dinge verbessern.
1. Die SGS Essen braucht dringen mehr Torgefahr
Drei gute Torchancen erspielte sich die SGS beim 0:2 bei Union Berlin. Ramona Maier, die in der Vorbereitung praktisch in jedem Spiel traf, und auch Shari van Belle blieben im Abschluss aber harmlos. Beim zweiten Versuch der Belgierin fehlten ihr bei der Hereingabe von Natasha Kowalski nur Zentimeter zum Anschlusstreffer. „Ein Tor verändert ein Spiel“, erklärt Teamchef Robert Augustin. „Dass uns das fehlt, nervt mich aktuell am meisten.“ Zumal der 33-Jährige für diese Saison Offensivfußball versprach.

Doch sowohl die Anzahl der klaren Tormöglichkeiten als auch die Qualität im Abschluss lassen bisher zu wünschen übrig. „Ich kann mir nicht ganz erklären, warum der Ball gerade nicht reingeht. In der Vorbereitung war es ja ganz anders.“ Unzufrieden war er gegen Berlin auch, da seine Mannschaft vom Plan abgewichen sei, was wohl auch mit dem frühen Gegentor zu tun hatte. „Wir sind in alte Muster verfallen und haben zu viele lange Bälle gespielt. Das war ein Kick and Rush, das wir eigentlich abgeschafft haben.“
2. Essenerinnen brauchen mentale und physische Robustheit
Das frühe Gegentor in Berlin war ein lähmender Schock für die SGS. Ein Aufbäumen war bis zum Pausenpfiff nicht zu erkennen. Dass Berlin mit nur zwei Toren führte, war da fast schon die gute Nachricht. „Unsere Zweikampfführung war in der ersten Halbzeit und in Teilen der zweiten ganz schlecht“, befindet Augustin, schiebt aber hinterher, dass er damit gegen Hamburg (0:0) zuletzt noch zufrieden gewesen sei. Dort aber musste die SGS auch keinen Rückstand verkraften.
In Berlin wirkten die Spielerinnen nach eben diesem zunehmend hilflos und ergaben sich im ersten Durchgang einem gut aufgelegten Gegner. Wirklich Gegenwehr leisteten nur Torfrau Kim Sindermann und Maike Berentzen. Das Gegentor zum 0:2 ist dabei symptomatisch: Nach einem Ballverlust im Aufbau kombinierte sich Berlin geradlinig durch und kam im Essener Strafraum dreimal zum Abschluss. Erst parierte Sindermann, dann rettete Lena Ostermeier auf der Linie, ehe Weidauer doch noch einschob. Das war Scheibenschießen.

Beim finalen Abschluss waren noch zwei Abwehrspielerinnen der SGS vor dem eigenen Tor und standen gegen vier Rote auf verlorenem Posten. Die anderen Essenerinnen verharrten in Schockstarre. Insgesamt vermisste Kapitänin Jacqueline Meißner das „Malochen“, für Teamchef Augustin waren es die „Basics“. Die SGS braucht eine höhere Laufbereitschaft und mehr Körperlichkeit im Zweikampf. Und zwar im Kollektiv. „Jede Spielerin sollte ihre Leistung auf Hochtouren bringen, bevor man sich echauffiert, dass die Andere nicht läuft.“
3. Bei der SGS Essen muss mehr Ruhe bewahrt werden
Der Blick auf die Tabelle verheißt für die SGS aktuell nichts Gutes. Zumal nun auch Carl-Zeiss Jena durch das überraschende 0:0 gegen den FC Bayern vorbeizog. Zudem zeigen die Aufsteiger Hamburg, Nürnberg und Union Berlin bisher kaum Anpassungsschwierigkeiten in der neuen Liga. Mit einer Niederlage gegen den 1. FC Köln dürfte sich die SGS auf einen Abstiegskampf einstimmen. Zumal der nächste Gegner der VfL Wolfsburg ist, ehe es zu RB Leipzig geht.
Solche Gedankengänge gehen für Augustin zu weit. „Es ist erst der 4. Spieltag. Und da ist Köln kein Finale, sondern einfach nur das nächste Spiel“, erklärt er. Entsprechend „normal“ soll die kurze Vorbereitung aussehen. „Es wird keine Kurzschlussreaktion oder irgendwelche waghalsigen Manöver geben, bei denen wir die gesamte Mannschaft umkrempeln.“ Aber die zwei Einheiten vor dem nächsten Spiel würden eine Mischung aus Fußball und Gesprächen. Gemeinsam mit der Mannschaft solle zunächst eine „ausführliche Analyse“ der Partie in Berlin erfolgen.
Klar ist: Es ist zwar früh in der Saison und die Tabelle hat daher noch keine große Aussagekraft. Doch ein schnelles Erfolgserlebnis wäre enorm wichtig, um in keine Negativspirale zu geraten. Ist der Kopf nicht frei, werden die Beine schwer. Das zumindest haben die Partie bei Union wie auch der Auftakt in Frankfurt deutlich gezeigt.


