Es war ein hartes Stück Arbeit und sicher nichts für schwache Nerven. Doch die späte Freude über das goldene Tor von Kapitänin Jacqueline Meißner war deshalb nur umso größer: Die SGS Essen steht im Viertelfinale des DFB-Pokals. Und mit ihrem Treffer kurz vor dem Abpfiff zum 1:0 (0:0)-Erfolg bei Turbine Potsdam beschert die 31-Jährige ihrem Team genau das, worauf die Elf von Interimstrainerin Jessica Wissmann als Schlusslicht der Frauenfußball-Bundesliga seit Monaten wartet: ein Erfolgserlebnis. Und dieses spült noch dazu eine beachtliche Prämie von 70.000 Euro in die Vereinskasse.

„Ein geiles Gefühl“, war Wissmann auch nach dem Abpfiff noch völlig euphorisiert. „Wir haben in den vergangenen Wochen gearbeitet und gearbeitet. Heute war das Glück dann auf unserer Seite. Das tut einfach sehr gut gerade.“ Ob ein auch ein verdienter Erfolg war, vermöchte die 34-Jährige nicht zu beurteilen. „Es war ein richtiger Pokalfight und es ging immer wieder hin und her.“ Allerdings gerade in der ersten Halbzeit doch mit Vorteilen für den Tabellenachten der 2. Liga, der mit den Bedingungen besser zurechtkam und noch dazu von den Zuschauern angetrieben wurde. 

Feierte ihren ersten Sieg in Chef-Verantwortung: SGS-Interimstrainerin Jessica Wissmann.
Feierte ihren ersten Sieg in Chef-Verantwortung: SGS-Interimstrainerin Jessica Wissmann.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

DFB-Pokal: Startelf durchgewirbelt

Wohlwissend hatte Wissmann ihre Startelf im Vergleich zum 1:1 in Jena verändert und insbesondere die Defensive gestärkt: Die zuletzt glücklose Angreiferin Ramona Maier sowie Paula Flach und Paulina Platner nahmen zunächst auf der Bank Platz. Für das Trio starteten Leonie Köpp, Maike Berentzen und Lany Bäcker. Dazu kam Kim Sindermann, die zwischen den Pfosten stand, weil Torfrau Luisa Palmen gar nicht im Kader war. „Gegen den Ball haben wir mit einer Fünferkette gespielt und uns fest vorgenommen, kein Gegentor zu kriegen.“

Das gelang auch mit ein wenig Glück. Denn Potsdam hätte im ersten Durchgang bei zwei „hundertprozentigen Chancen“, so Wissmann, eigentlich führen müssen. Doch Sindermann war im entscheidenden Moment zur Stelle. „Der Platz war eklig und das Wetter noch dazu“, monierte Wissmann. „Aber nach einer halben Stunde sind wir dann immer besser reingekommen.“ Dabei sah sie sich zur Pause bereits zum Wechseln gezwungen: Laura Pucks verließ gelb-vorbelastet den Rasen. „Es war absolut wichtig, dass wir hier zu elf zu Ende spielen konnten“, erklärte Wissmann.

DFB-Pokal: Standard sorgt für Partystimmung

Und doch wurden ihre Nerven bis in die Schlussphase auf die Folter gespannt, ehe die SGS eine Ecke bekam. Natasha Kowalski brachte den Ball herein, Potsdam klärte. Doch die Kugel landete wieder bei der 23-Jährigen, die ein zweites Mal flankte. Und diesmal fand ihre Hereingabe Kapitänin Meißner, die am ersten Pfosten den Fuß hinhielt und für eine Essener Ekstase sorgte. Denn anschließend gab es kein Halten mehr. „Nach einem Eckball, ja wirklich“, jubelte Wissmann mit einem Augenzwinkern. Denn eben die hatten bisher stets Gegentore gebracht. In Potsdam aber sorgte ein eigener Standard für Essener Partystimmung.

Turbine Potsdam - SGS Essen 0:1 (0:0)
SGS: Sindermann – Pucks (46. van Belle), Meißner, Bäcker – Ostermeier, Fürst – Feldkamp (65. Platner) – Berentzen, Kowalski, Köpp (46. Maier) – Elmazi
Tor: 0:1 Meißner (89.).