Die SGS Essen holt einen wichtigen Punkt beim 1. FC Köln. Den ersten unter Trainerin Heleen Jaques, der in der Tabelle der Frauenfußball-Bundesliga gleich Wirkung zeigt: Die rote Laterne übergeben die Essenerinnen vorerst an Jena und springen vor dem Hamburger SV ans rettende Ufer. Eine Momentausnahme, über die in der Domstadt ohnehin niemand überschwänglich jubelte. Denn dafür fehlte den Gästen die Kraft: In einer aufopferungsvollen Abwehrschlacht liefen sie dem Ball überwiegend hinterher, verteidigten das eigene Tor dabei aber mit Geschick und Leidenschaft.

„Wir haben vorher gewusst, dass es ein Kampfspiel wird. Und diesen Kampf haben wir heute gezeigt. Wir sind sehr froh über diesen Punkt“, erklärte Jaques. Denn so gelang es, die entscheidende Statistik ausgeglichen zu halten. Alle anderen Werte sprachen für Köln: 18:4-Torschüsse, mehr als zwei Drittel Ballbesitz und über 54 Prozent gewonnener Zweikämpfe. Ein Tor aber fiel nicht, obwohl die SGS defensiv erneut umbauen musste. Kapitänin Jacqueline Meißner viel kurzfristig erkrankt aus, Leihspielerin Ella Touon war gegen ihren Stammverein nicht spielberechtigt.

SGS Essen verteidigt in einer Fünferkette und fällt immer tiefer hinten rein

Jaques reagiert und ließ ihre Mannschaft mit einer Fünferkette verteidigen. Und gerade die dadurch erzielte Überzahl in der eigenen Box zahlte sich aus. Dabei hatte sie ursprünglich noch einen anderen Plan: „Wir wollten höher stehen, das hat aber nicht funktioniert. Als wir tiefer standen, hatten wir mehr Kontrolle und haben mehr defensive Stabilität reingekriegt.“ Allerdings ging das zu Lasten der angestrebten Umschaltmomente. Denn so übernahm der FC nach wilden Anfangsminuten schnell das Kommando. Feiersinger setzte sich auf links durch und spielte zu Jessen, die in dieser Saison bereits neun Mal getroffen hatte. Doch sie setzte den Ball über den Querbalken (9.).

Es blieb zunächst die beste Chance der Kölnerinnen, obwohl ihre Überlegenheit immer erdrückender wurde. Bis ins letzte Drittel machten es die Gastgeberinnen richtig gut, zogen das Tempo an und schafften Räume. Doch in letzter Instanz waren die Essenerinnen im eigenen Strafraum doch immer wieder zur Stelle. Zawistowska probierte es deshalb aus der zweiten Reihe, doch Kim Sindermann im Essener Tor packte sicher zu (23.). Fünf Minuten später musste sie sich deutlich mehr strecken, um den Freistoß von Achcinska aus 25 Metern noch aus dem Eck zu fischen.

Köln fehlt trotz Druck die Durchschlagskraft im Abschluss

Eine Erklärung für die Nullnummer war aber auch die mangelhafte Chancenverwertung des FC: Gerade Kölns Zawistowska hätte nach einem Fehlpass der ansonsten starken Lena Ostermeier für das überfällige 1:0 sorgen können (34.). So aber hielt Schönebeck zur Pause ein schmeichelhaftes Remis, ohne viel Entlastung zu schaffen. Und das beschäftigte wohl auch Jaques, die zur zweiten Hälfte mit Maria Olsen und Leonie Köpp nicht nur doppelt, sondern auch offensiv wechselte. Die Statik des Spiels veränderte sich zunächst nicht. Köln schnürte die SGS weiter in der eigenen Hälfte ein. Torabschlüsse aber hatten Seltenheitswert.

Deutlich verbessert zeigte sich die SGS in dieser Phase bei Standards. Köln versuchte immer wieder Freistöße herauszuholen und holte insgesamt fünf Eckbälle raus. Doch die Essenerinnen waren bei jedem hohen Ball zur Stelle. Und so schien der FC mehr und mehr zu verzweifeln und nahm nach einer Stunde erst einmal den Fuß vom Gaspedal. Mit Köpp und Olsen hatte Jaques zudem zwei Spielerinnen gebracht, die vorne anliefen und die Kölnerinnen bereits im Aufbau störten. So gelang es das Geschehen mehr ins Mittelfeld zu verlagern. Der Schlenzer von Jessen von der Strafraumkante war die Ausnahme, brachte SGS-Keeperin Sindermann aber nicht in Not (65.).

In Sachen Kampf und Leidenschaft holten die Gäste alles aus sich heraus, mit Ball aber waren sie limitiert. Und dann war es schon tief in der Nachspielzeit, als die SGS noch einen kritischen Moment überstehen musste: Die eingewechselte Leimenstoll flankte aus dem Halbfeld an den ersten Pfosten. Essens Torfrau ging ins Risiko, doch Jessen war kurz vor Sindermann mit dem Kopf am Ball, verfehlte aber das Gehäuse. Die restlichen Minuten spielten die Essenerinnen souverän herunter und nahmen den Punkt gerne mit. Und der war letztlich an diesem Abend angesichts der fehlenden Durchschlagskraft in der Offensive die Maximalausbeute.

1. FC Köln - SGS Essen 0:0

  • SGS: Sindermann – Bäcker, Ostermeier, Debitzki (77. Terlinden) – Flach, Fürst – Platner, Kowalski, Berentzen (46. Olsen) – Maier, van Belle (46. Köpp).
  • 1. FC Köln: Fuchs – Wiankowska (85. Matysik), Agrez, Degen, Gerhardt – Achcinska, Vogt, Feiersinger (69. Leimenstoll), Stolze (59. Bremer) – Zawistowska, Jessen.

SGS Essen beim 1. FC Köln: der Live-Ticker zum Nachlesen

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Spring Vanessa Fürst von der SGS Essen auch am Montag in Köln am höchsten?© FUNKE Foto Services | Michael Gohl