Der Schlusspfiff wirkte fast wie eine Erlösung. Endlich war es vorbei, endlich durften die Spielerinnen der SGS Essen den Rasen verlassen. Im heimischen Stadion an der Hafenstraße hatte es in den 90 gespielten Minuten zuvor eine böse Abreibung gegeben, 0:4 (0:2) hieß es gegen Bayer Leverkusen. Punkte waren gegen den Tabellenfünften ohnehin nicht wirklich eingeplant, doch am drittletzten Spieltag sorgt ein Auftritt wie dieser nicht gerade für Selbstvertrauen vor den wegweisenden Duellen in Nürnberg am Freitag und dann zu Hause gegen Freiburg.
Die Werkself begann damit gleich mit drei Ex-Essenerinnen: Carlotta Wamser, Katharina Piljic und Selina Ostermeier kehrten an ihre alte Wirkungsstätte zurück. Natasha Kowalski ist derweil die nächste Spielerin, die die SGS im Sommer in Richtung Leverkusen verlassen wird. Im Hinspiel war sie noch die umjubelte Siegtorschützin bei den Essenerinnen. Das 1:0 war damals der erste Sieg überhaupt in dieser Saison. Nun aber erinnerte wenig an die damalige Partie: Loreen Bender traf bereits in der 4. Minute zur Leverkusener Führung. Und auch in den nachfolgenden Minuten legte Bayer Leverkusen eine blitzsaubere Auswärtspartie hin und war in allen Belangen überlegen. Kristin Kögel (41./68.) und Cornelia Kramer erhöhten auf 4:0.
Ein ausführlicher Spielbericht folgt
SGS Essen gegen Bayer Leverkusen: der Live-Ticker zum Nachlesen
SGS Essen gegen Bayer Leverkusen: di Ausgangslage vor dem Spiel

Brisanter könnte die Situation kaum sein: Drei Spieltage vor dem Ende der Bundesliga-Saison sind die Fußballerinnen der SGS Essen weiter Vorletzter. Jedes Spiel zählt, um den Hamburger SV (3 Punkte vor) oder den 1. FC Nürnberg (4 Punkte vor) noch zu überholen. Am Sonntag kommt Bayer Leverkusen ins Stadion an der Hafenstraße. Gegen den Tabellenfünften muss das Team von SGS-Trainerin Heleen Jaques alles riskieren.
Die SGS will bis zum letzten Spieltag kämpfen. „Wir haben eine richtig gute Stimmung und Energie in der Mannschaft“, betont Jaques. „Wir halten alle zusammen und das ist genau das, was man in der Endphase einer Saison braucht.“ In der Vorwoche gelang ein dramatischer 4:3-Sieg gegen Schlusslicht Carl-Zeiss Jena, der die Hoffnung auf den Klassenerhalt am Leben hielt.
- Mit Rosalie, Yola und Mathis: Auftritt bei Rekordspiel an Hafenstraße der SGS Essen
- Überraschung: Bekannteste SGS-Spielerin bleibt - auch im Fall des Abstiegs
- SGS Essen verpflichtet neuen Sportlichen Leiter - er kommt vom VfL Wolfsburg
Derweil tut sich hinter den Kulissen derzeit einiges mit Blick auf die neue Saison - unabhängig davon, ob es die erste oder zweite Bundesliga sein wird. Kyra Spitzner ist der aktuellste Zugang, die 21-jährige Angreiferin kommt von RB Leipzig, wo sie bislang insgesamt 50 Pflichtspiele absolviert hat. „Wir freuen uns sehr, dass sich Kyra für uns entschieden hat. Wir bekommen mit ihr eine Stürmerin mit Tempo und Zielstrebigkeit, die in ihrem jungen Alter schon über Bundesligaerfahrung verfügt“, sagt Daniel Kraus, sportlicher Leiter der SGS Essen.

Zuvor unterschreib Karla Brinkmann vom VfL Wolfsburg. Die 19-Jährige ging im Jahr 2021 den Schritt von ihrem Ausbildungsverein SV Alfeld in die U17 des VfL und spielte seither bei den Wölfinnen. Nun schließt sie sich ab dem Sommer der SGS an. Brinkmann, die in der Defensive variabel einsetzbar ist, absolvierte in ihrer Zeit in Wolfsburg insgesamt 42 Begegnungen für die zweite Mannschaft des VfL und feierte 2024 ihr Debüt in der Bundesliga. Auch 13 Partien für deutsche U-Nationalmannschaften hat sie bereits auf dem Konto.
Einen weiteren Abgang aber gibt es auch: Die SGS Essen und Angreiferin Lilli Purtscheller gehen ab dem Sommer getrennte Wege. Die 22-Jährige wird ihren auslaufenden Vertrag in Essen-Schönebeck nicht verlängern.
Für die SGS absolvierte die Österreicherin insgesamt 48 Pflichtspiele, in denen ihr sechs Treffer und fünf Assists gelangen. In der laufenden Saison stand die lauf- und dribbelstarke Außenbahnspielerin aufgrund einer Kreuzbandverletzung, die sie sich zu Beginn der Vorbereitung zugezogen hatte, noch nicht im Spieltagskader der Lila-Weißen.
„Wir hätten Lilli natürlich gern auf ihrem Weg zurück auf den Platz begleitet, um gemeinsam in die neue Saison zu starten“, meint Daniel Kraus. „Lilli hat bei der SGS große Fußspuren hinterlassen und für ihren weiteren Weg wünschen wir ihr nur das Beste.“‘


