Als der Abpfiff ertönte, brachen die Emotionen aus ihnen heraus: Aus den Spielerinnen des 1. FC Nürnberg, die sich in den Armen lagen und den Klassenerhalt feierten. Und aus den Spielerinnen der SGS Essen. Julie Teerlinden lag weinend in den Armen von Trainerin Heleen Jaques, Ramona Maier hatte Tränen in den Augen und Ella Touon versuchte alles, um nicht ebenfalls zu weinen. Nach 22 Jahren werden die Essener Fußballfrauen wohl aus der Bundesliga absteigen. Nach dem 0:3 (0:1) im Nürnberger Max-Morlock-Stadion ist die Chance auf den Klassenerhalt nur noch sehr theoretisch.

Die Essenerinnen haben drei Punkte Rückstand auf den HSV. Zudem das um elf Tore schlechtere Torverhältnis. Es braucht ein Fußball-Wunder am letzten Spieltag. Der HSV tritt am 17. Mai in Hamburg gegen den FC Bayern München an und müsste dieses Spiel hoch verlieren. Im Hinspiel siegte München mit 6:0, ansonsten verlor der HSV aber in keinem einzigen Spiel der Saison so hoch. Dennoch scheint so ein Ergebnis möglich. Dann müsste Essen aber auch noch gegen Freiburg, das im Mittelfeld der Tabelle steckt, mit vielen Toren Unterschied gewinnen. Und das ist das größere Problem. Nur ein einziges Mal gelang der SGS Mehr als drei Tore in einem Spiel - beim 4:3 gegen Schlusslicht Carl-Zeiss Jena. Essen stellt die schwächste Offensive der Liga. 

1. FC Nürnberg - SGS Essen: Zu ungenau

Mit Blick auf diese Saison muss aber konstatiert werden: Der Abstieg ist am Ende auch ein verdienter. Zu viel war in dieser Saison einfach nicht erstligareif. Das Spiel am Freitagabend reihte sich da ein. Nürnberg war nicht unbedingt die bessere Mannschaft, machte aber hinten weniger Fehler und nutzte die eigenen Chancen einigermaßen konsequent. Essen hatte mehr Ballbesitz, hatte durchaus vielversprechende Torchancen - doch Nürnberg lauerte auf Fehler, um dann zu kontern. Und das ging voll auf.

Einmal mehr erlebten die Schönebeckerinnen einen denkbar unglücklichen Auftakt mit einem frühen Gegentreffer. Es war ein komplett ungefährlicher Torschuss in der Anfangsminute, der abgefälscht zur perfekten Vorlage für Fany Proniez wurde. Vier gute Chancen hatten die Gäste danach zum Ausgleich und damit sogar ein Chancenplus. Doch eines hatten die Versuche von Jacqueline Meißner, Ella Touon, Ramona Maier und Leonie Köpp gemeinsam: Sie waren zu unpräzise. Auf der Gegenseite verhinderte SGS-Torfrau Kim Sindermann das 0:2 durch Emöke Papai nach einem schlimmen Fehlpass von Essens Julia Debitzki.„Das frühe Gegentor war natürlich fatal“, meinte eine niedergeschlagene Trainerin Heleen Jaques. „Die Mannschaft hat – wie die ganze Saison schon – bis zum Schluss alles reingehauen und als Team dafür gekämpft und alles versucht, aber letztendlich war es vor allem defensiv einfach nicht genug.“

Die Mannschaft hat – wie die ganze Saison schon – bis zum Schluss alles reingehauen und als Team dafür gekämpft und alles versucht, aber letztendlich war es vor allem defensiv einfach nicht genug.

Heleen Jaques, Trainerin SGS Essen

Dennoch: Mit ein bisschen mehr Genauigkeit im Passspiel hätten die Essenerinnen den Club-Frauen zu Beginn der zweiten Halbzeit wohl richtig wehtun können. Taten sie aber nicht. Die Gäste waren zwar mehr am Ball, konnten damit aber wenig anfangen. Das 2:0 in der 65. Minute durch Natassja Lein war die logische Folge. Nürnberg war in dieser Saison und auch an diesem vorletzten Spieltag keine Übermannschaft, schaffte es aber mit biederen Mitteln, der SGS den Stecker zu ziehen. Durch das 3:0 der zuvor just eingewechselten Maelle Seguin (79.) war die Partie dann endgültig entschieden.

Die Blicke richten sich nun auf den Samstagmittag und das Spiel des HSV in Köln. Auch wenn die Hoffnung äußerst gering ist, dass sich der Abstieg der Essenerinnen dort noch verhindern lässt...

1. FC Nürnberg - SGS Essen: der Live-Ticker zum Nachlesen

Abstiegsfight in der 1. Fußball-Bundesliga der Frauen: 1. FC Nürnberg gegen SGS Essen im Liveticker. Verlieren die Essenerinnen könnte der Gang in die 2. Bundesliga für sie an diesem vorletzten Spieltag besiegelt werden.
Abstiegsfight in der 1. Fußball-Bundesliga der Frauen: 1. FC Nürnberg gegen SGS Essen im Liveticker. © WAZ | WAZ

1. FC Nürnberg - SGS Essen: die Ausgangslage vor dem Spiel

Es geht um alles – insbesondere für die Essenerinnen. Am vorletzten Spieltag der Frauen-Bundesliga empfängt der 1. FC Nürnberg jetzt ab 18.30 Uhr die SGS Essen, die sich Verlieren nicht mehr leisten kann, wenn sie eine letzte Chance auf den Klassenerhalt wahren möchte. Wir tickern die Partie hier live.

Für die SGS Essen führt eigentlich kein Weg an einem Sieg vorbei, um das Fast-Schon-Wunder noch zu packen. Und auch dann müssen die Schönebeckerinnen gucken, was die Damen des Hamburger SV am Samstag in ihrem Spiel gegen die des 1. FC Köln manchen. Bei einer Niederlage oder einem Unentschieden in Nürnberg könnte den Essenerinnen der direkte Abstieg sogar schon an diesem Wochenende drohen.

Essen: SGS Essen gegen Bayer 04 Leverkusen
Unzufriedene Gesichter gab es in Essen auch beim Spiel am letzten Wochenende gegen Bayer Leverkusen. 0:4 lautete das Endergebnis aus SGS-Sicht.© FUNKE Foto Services | Uwe Ernst

Von außen betrachtet, kann man sich aktuell wenig Hoffnung auf den Verbleib der SGS Essen in der Erstklassigkeit machen. Die Essenerinnen kassierte am vergangenen Sonntag an der heimischen Hafenstraße eine bittere 0:4-Heimklatsche gegen Bayer Leverkusen und wirkten dabei recht blutleer. Trainerin Heleen Jaques fand daher klare Worte: „Das war heute nichts. Das muss man so ehrlich sagen.“ Von der ersten Minute an fehlten Energie und Zweikampfhärte bei der SGS.

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Dagegen sieht die Welt in Nürnberg auch nicht rosig, aber gefestigter aus. Schon mit einem Punktgewinn gegen die Essenerinnen könnte der Tabellenelfte den Klassenerhalt endgültig sichern. Der 1. FC Nürnberg hat für das richtungsweisende Duell seiner Fußballerinnen gegen Essen daher über die Plattform X seine Fanfreunde aus Schalke zur Unterstützung aufgerufen. Einen Tag nach den Nürnberger Frauen spielen die Männer in der 2. Bundesliga gegen den Aufsteiger aus Gelsenkirchen. Der „Glubb“ erhofft sich, dass bereits am Freitagabend viele S04-Fans in der Stadt sind und auch das Spiel der Frauen im Stadion besuchen.