Zusammenfassung
- Manuel Navarro hat seit dieser Saison die Fußballerinnen des FC Kray in Essen als Trainer übernommen.
- Der Ex-Trainer der U21 der S04-Frauen setzt auf einen modernen Spielstil, bei dem die Spielerinnen Verantwortung übernehmen und flexibel agieren sollen.
- Seine Ziele für die neue Saison mit den Krayerinnen sind durchaus ambitioniert – wobei er zugibt, dass alles noch etwas Zeit braucht.
Der FC Kray kommt aus der erfolgreichsten Saison seiner Frauenfußball-Geschichte – und steht jetzt trotzdem vor einer neuen Herausforderung. Nach Platz zwei in der Landesliga vergangene Saison, und damit der Teilnahme an der Aufstiegsrelegation gegen Fortuna Düsseldorf, hat Coach Marcus Siepmann nach fast zehn Jahren aufgehört.
Siepmann hat den Frauenfußball beim FC Kray über Jahre geprägt. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Team zu einer festen Größe in der Landesliga. Der Neue an der Seitenlinie heißt Manuel Navarro. Navarro übernimmt nun ein Gefüge mit gewachsenen Abläufen. „Das Team hat sich über Jahre eingespielt. Darauf möchte ich aufbauen“, sagt der Neutrainer.

Seine Aufgabe sei es aber nicht nur, das erfolgreiche Fundament zu bewahren, sondern gleichzeitig auch neue Impulse zu setzen. Der Kern der Mannschaft bleibt bestehen. Gleichzeitig ist die Trainingsgruppe mit 13 bis 14 Spielerinnen aktuell noch klein.. „Ich hoffe, dass ich zum Saisonstart wenigstens 15, 16 Leute habe“, erklärt er.
Frauenfußball in Essen: Das ist die neue Spielidee vom FC Kray
Der neue Coach kennt den FC Kray aus eigener Erfahrung, spielte selbst für den Verein. Er bezeichnet ihn als seine Heimat. Als Trainer sammelte Navarro Erfahrung im Nachwuchsbereich des FC Schalke 04, wo er zuletzt die U21-Juniorinnen betreute. Seine Erfahrungen aus dem leistungsorientierten Mädchen- und Frauenfußball prägen seinen Ansatz.

Über einzelne Spielerinnen redet er kaum, wohl aber über seine Fußballidee. Diese lässt sich auf einen einfachen Gedanken herunterbrechen: Navarro möchte Fußballerinnen entwickeln, die Situationen erkennen, Verantwortung übernehmen und nicht nur vorgegebene Abläufe ausführen. Das zeige sich für ihn vor allem im Spielaufbau. Unter Druck sollen seine Spielerinnen spielerische Lösungen finden, statt den Ball reflexartig nach vorne zu schlagen. „Ich bin aber auch nicht der Typ, der nur passen, passen, passen möchte. Es muss auch mal der lange Ball kommen, wenn die Situation es ergibt.“
FC Kray: Neuer Trainer lernte und lehrte bei Schalke 04
Seine Spielerinnen sollen früher erkennen, ob sie Zeit haben, welche Räume offen sind und welche Anspielstationen vorhanden sind. „Mir ist wichtig, dass sie den Schulterblick machen, damit sie wissen: Ich habe Zeit, ich nehme den Ball an und spiele nach rechts raus, weil da jemand steht.“ Mit dem 4-2-3-1 gibt Navarro ihnen auch einen klaren taktischen Rahmen.
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Damit verändert sich auch die Rolle einzelner Spielerinnen. Die Innenverteidigerinnen sollen nicht nur verteidigen, sondern den Spielaufbau aktiv mitgestalten. Die beiden Sechser bilden in der Formation die Verbindung zwischen Defensive und Offensive. Sie sollen sich anbieten und den Ball weiterleiten. Auch die Torhüterin wird stärker eingebunden, die beim Aufbau zusätzliche Anspielstation ist.
Fehler gehören für Navarro zum Lernprozess dazu. „Wir sind alles Menschen. Menschen machen Fehler, das ist so.“ Auch gegen den Ball fordert Navarro neue Abläufe. Kray soll kompakter verteidigen, gemeinsam verschieben und geschlossen nachrücken. Die Außenverteidigerinnen sollen sich aktiv am Angriffsspiel beteiligen – gleichzeitig muss die Absicherung stimmen.
Carolyn Kuballa als Bindeglied zwischen Trainer und Team in Essen-Kray
Im ersten Testspiel gegen Fortuna Bottrop (2:0) habe der Trainer bereits einige positive Ansätze erkennen können. Das Team benötige aber noch Zeit, um die neuen Ideen umzusetzen. „Wir haben hintenrum gut gespielt, manchmal sogar zu viel“, so Navarro. Bei seinen bisherigen Beobachtungen habe er zudem ein Problem bei der Staffelung ausgemacht: „Die Sechser sind stehen geblieben, die Zehn war bei den Stürmern. Dann waren wir hinten nur vier gegen sechs oder acht.“
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Genau diese Situation zeige, woran alle arbeiten müssten: Wenn eine Spielerin nach vorne rückt, müssen die anderen gemeinsam mitgehen. Bei diesem Übergang teilt der Trainer seiner Kapitänin Carolyn Kuballa eine zentrale Rolle zu: „Sie ist meine erste Ansprechpartnerin in der Mannschaft.“

Mit Blick auf das Saisonziel bleibt der Coach zurückhaltend. „Wenn wir die Spielweise spielen, die ich im Kopf habe, glaube ich schon, dass wir unter den ersten Fünf spielen können.“




