Ein Jahr fehlt noch, dann würde Bettina Grenz-Klein als Cheftrainerin beim Frauenhandball-Zweitligisten TuS Lintfort ihr Silberjubiläum feiern. Damit es überhaupt so weit kommen kann, hat die 58-Jährige an den Feiertagen ihre Zusage für die Spielzeit 2025/26 gegeben. Die Motivation scheint noch hoch genug, um ins nunmehr 24. Jahr an der Eyller Straße zu gehen. Das ist vermutlich nicht nur im Handball am Niederrhein eine Rekordstrecke.
Bettina Grenz-Klein: „Da steht der Trainerstuhl schnell nur auf drei Beinen“
Die Treue zu Kamp-Lintfort hat verschiedene Gründe. „Ich habe hier viele Freiheiten und kann dazu in der zweithöchsten Spielklasse arbeiten. Das ist eine sehr gute Kombination“, sagt die Verwaltungswirtin, die beim Sportamt der Stadt angestellt ist, „deshalb war es auch nie eine echte Option, bei einem anderen Verein zu arbeiten. Da steht der Trainerstuhl ja auch schnell nur auf drei Beinen, weil man vielleicht gewisse Dinge nicht mitbekommt oder falsch einschätzt.“

Vielleicht hätte die Sache anders ausgesehen, würde der TuS nicht seit langem zu den Top 30 im deutschen Frauenhandball gehören. Seit 2018 ist der Verein in der 2. Bundesliga unterwegs, der vierte Platz unter Bettina Grenz-Kleins Regie in der Corona-Saison 2020/21 war die bislang beste Platzierung. Ein möglicher Sprung ins Oberhaus wäre damals nicht nur für den TuS möglicherweise eine zu hohe Hausnummer gewesen. Auch die Trainerin ist beim Thema Bundesliga eher zurückhaltend.
Handball-Bundesliga mit enorm hohen Anforderungen
„Die Anforderungen sind da enorm hoch. Ich weiß nicht, ob ich meinen Handballanspruch dort hätte anbringen können. Zudem hätte ich auch mir auch die fehlende A-Lizenz aneignen müssen“, gibt Bettina Grenz-Klein zu bedenken, die sich beim TuS übrigens auch um die Abwicklung des Liga-Betriebes und um das Sponsoring kümmert. Hauptberufliche Trainer gibt es auch in der 2. Bundesliga. Doch die TuS-Trainerin wollte ihre Freiheit und auch ihre Sicherheit nie aufgeben, über einen festen Job das nötige Geld zu verdienen: „Dieser Umstand nimmt einem natürlich auch etwas Druck.“ Heißt übersetzt: Bei einem möglichen Abstieg ist nicht gleich auch die eigene berufliche Zukunft gefährdet.
TuS Lintfort: Trainerinnen-Pause nach dem Zweitliga-Abstieg 2006
Apropos: In Bettina Grenz-Kleins Handball-Vita gibt es eine kleine Lücke. Nach dem Zweitliga-Abstieg im Frühjahr 2006 hatte die Trainerin eine Pause eingelegt, stieg dann aber wieder beim TuS Lintfort ein. Dass das Team nach dem Verlust einiger Leistungsträgerinnen und einer durchwachsenen Hinrunde derzeit eher gegen den Abstieg spielt, sieht Grenz-Klein übrigens nicht als besonders schwere Situation an: „Mit Ausnahme der Niederlage beim Tabellenletzten in Ketsch waren wir in allen Spielen, wo wir eine echte Chance hatten, auch ganz gut dabei.“
Die Trainingspause zum Jahreswechsel fällt vor allem aber deshalb kurz aus, weil der TuS schon am 5. Januar (16 Uhr) bereits wieder antreten muss: beim Tabellensechsten HC Leipzig.


