Wenige Tage vor dem Start in die Play-offs der Eishockey-Regionalliga hat es beim GSC Moers ein internes Erdbeben gegeben. Auf der aus dem Jahr 2024 verspätet abgehaltenen Jahreshauptversammlung am Freitagabend in den Räumlichkeiten des Stadtsportverbandes trat Klubchef Heinz-Josef Böhme nach 24 Jahren Vorstandsarbeit, davon 14 Jahre in führender Position, nicht mehr zur Wahl an. Die neue Vierercrew um den gewählten Andreas Schleicher als Vereinschef will in Zukunft den Klubfokus klar auf den Nachwuchs richten.

„Zuallererst danke ich Hajo Böhme für 24 Jahre gute ehrenamtliche Arbeit“, so der neue Vereinsvorsitzende. „Der GSC Moers sollte eine gute erste Mannschaft, aber auch eine gute Jugendarbeit haben. Ich stehe für Transparenz im Verein. Wir stehen in allen Bereichen für hervorragende Jugendarbeit und Topleistungen im Erwachsenenbereich.“ Schleicher plane nicht, bei den Black Tigers den Abgang aus der vierthöchsten Eishockeyliga Deutschlands einzuläuten. „Der GSC ist ein Breitensportverein mit hoher Wirkung in die Stadt und ins sportliche Umfeld“, unterstreicht er den Umstand, hinter Fußball-Landesligist SV Scherpenberg und den Drittliga-Volleyballern des Moerser SC die dritte Sportkraft der Stadt zu sein. Zumindest, was das öffentliche Interesse anbetrifft.

GSC Moers: Keine reizvolle Arbeitsgrundlage mehr gegeben

„Es ist legitim, dass der neue Vorstand andere Vorstellungen von Vereinsarbeit hat und auch umsetzen will. Natürlich wollen wir weiter eine Breitensport-Plattform im Eishockey neben Krefeld, Duisburg oder Düsseldorf bieten. Es hat mich allerdings auch immer angetrieben, eine erste Mannschaft zum signifikanten Aushängeschild des Vereins zu machen“, bekräftigt Heinz-Josef Böhme nach einer eher hitzigen Jahreshauptversammlung und mit Blick auf die laufende Spielzeit: „Letzteres ist uns gerade in dieser Saison mit einer guten Mannschaft und Platz sechs in der Vorrunde wirklich mehr als nur gut gelungen.“ In der neuen Konstellation, das gibt der 63-jährige Moerser unumwunden zu, sei für ihn persönlich eine reizvolle Arbeitsgrundlage nicht mehr gegeben.

Waren im vergangenen August vor dem Regionalliga-Start noch voller Zuversicht: (von links) GSC-Präsident Heinz-Josef Böhme, Sportdirektor Karsten Holderberg, Pressesprecher Markus Meyer und Spieler Sven Renner.
Waren im vergangenen August vor dem Regionalliga-Start noch voller Zuversicht: (von links) GSC-Präsident Heinz-Josef Böhme, Sportdirektor Karsten Holderberg, Pressesprecher Markus Meyer und Spieler Sven Renner.

Ein erneuter Regionalliga-Start der Black Tigers wird ohne nennenswerte Sponsoren kaum möglich sein. Der Etat soll sich in der laufenden Saison auf rund 50.000 Euro belaufen. „Der neue Vorstand will eine erste Mannschaft zwar auch behalten – aber in einer anderen Liga“, ist sich Heinz-Josef Böhme sicher. Vermutlich dann auf reinem Hobby-Niveau. Womit sich der GSC aus dem in den vergangenen beiden Jahren mühsam, aber erfolgreich aufgebauten Medienfokus bei Fans, Stadt und auch Sponsoren wieder verabschieden dürfte.

GSC Moers: Mannschaft der Black Tigers ist gefrustet

Wie die Mannschaft um Trainer Max Eberlein die neue Entwicklung aufnimmt, wird sich im finalen Vorrundenspiel am Sonntag (18.15 Uhr, Enni-Eiswelt) im Heimspiel gegen den ESV Grizzlys Bergkamen zeigen. Der Frust war nach der Versammlung, an der übrigens rund 200 der 400 GSC-Mitglieder teilgenommen hatten, selbstredend groß. 140 davon sind beim Eiskunstlaufen aktive, insgesamt zählt der GSC beim Eiskunstlaufen und Eishockey etwa 250 Kinder und Jugendliche, weiß Beisitzerin Beate Mühlenkamp-Themann. „Es gab einige Spieler, die eigentlich umgehend ihren Spind räumen wollten“, berichtete Noch-Klubchef Böhme nach der Versammlung geknickt. Er will sich allerdings sauber aus der Regionalliga-Saison verabschieden. Am nächsten Wochenende starten die Play-offs. Mit Moers. Böhme: „Ich hoffe, dass die Mannschaft eine Trotzreaktion und damit eine gute Leistung in den noch anstehenden Spielen zeigt.“

Ob der ehemalige Baufinanzierungsexperte sich komplett beim GSC Moers rauszieht oder doch eine kleinere Aufgabe im Nachwuchsbereich in Zukunft übernimmt, ist noch unklar. „Zumindest meine Frau hat sich sehr gefreut, dass ich künftig beim Verein nicht mehr in der Verantwortung stehen werde“, sagt Heinz-Josef Böhme mit einem kleinen Schmunzeln.