„Er ist in der Annahme und Abwehr wie ein spielender Co-Trainer für mich“, spart Hendrik Rieskamp nicht mit Lob, wenn es um seinen Libero André Illmer geht. „Er ist ein absolut solider Libero, auch wenn sich das jetzt gar nicht so richtig gut anhört“, legt der Trainer des Volleyball-Drittligisten Moerser SC nach. Aber seine Aussage findet Gehör. Denn André Illmer ist nicht nur die Zuverlässigkeit in Person – „ich glaube, er war noch nie verletzt, höchstens mal krank“ – sondern auch bei den Adlern vom Niederrhein extrem engagiert: als Jugendwart, Herren-III- und U18-Trainer. Dazu ist der 27-jährige gebürtige Aschaffenburger, der schon in der sechsten Saison beim MSC spielt, am Samstag (16 Uhr, Sporthalle Zusestraße) gefragt. Beim Tabellenführer FCJ Köln geht es für die zweitplatzierten Moerser um nichts weniger, als die direkte Aufstiegschance mit einem Sieg zu wahren. Die Junkersdorfer haben sechs Spiele vor Saisonende fünf Punkte Vorsprung.
Illmer: „Ich versuche, was zu sagen und Ruhe aufs Feld zu bringen“
Als Libero ist Andre Illmer der Abwehrchef der MSC-Mannschaft, die er obendrein auch noch in allen Lagen zusammenhalten muss. Mit viel Geduld. „Ich versuche, was zu sagen und Ruhe aufs Feld zu bringen“, beschreibt Illmer seine Aufgabe. Dabei hat er aber immer den Blick auf seine Mitspieler gerichtet. Im Spiel wie im Training. Selbst auf den ehemaligen Nationalspieler Tim Broshog, der sich als Diagonalangreifer nun auf einer anderen Position zurechtfinden muss, als er sie im Nationaldress und in seinen Bundesligazeiten als Mittelblocker hatte. „Tim entwickelt sich immer weiter“, attestiert Illmer dem äußerst erfahrenen 37-Jährigen nicht nur große Lernbereitschaft. Sondern auch die Fähigkeit, sich dem Gesamtgefüge uneingeschränkt anzupassen. Zum Wohle der Mannschaft.

Auch Broshog wird am Samstag beim Gipfeltreffen der 3. Volleyball-Liga gefragt sein. „Köln hat eine junge Mannschaft“, sagt Libero Illmer: „Ich weiß nicht, ob die sich genauso gut entwickelt haben, wie wir. Mit einem Sieg würden wir die Meisterschaft wieder offen halten. Wir sind auf jeden Fall guter Dinge.“ Und da will sein Trainer gar nicht widersprechen. „Es wird für beide Seiten ein tolles, ein richtig gutes Spiel. Davon bin ich überzeugt“, so Hendrik Rieskamp. Illmer sei auch in „Köln eine Stütze“, so Rieskamp weiter. „Wie schon in der ganzen Saison.“

MSC-Trainer Rieskamp: „Es wird für beide Seiten ein tolles, ein richtig gutes Spiel“
André Illmer spricht aber auch bei den Gastgebern FCJ Köln von „ganz viel Erfahrung“ und über eine gute Breite im Kader. „Wir gucken aber nur auf unsere Stärken und müssen unser Spiel machen“, sagt der Libero. Das habe sich im Saisonverlauf bewährt. „Nach unserem Aufstieg war der Plan ja eigentlich, erstmal in der Liga anzukommen“, erinnert sich Illmer, „gucken, was geht.“ Dass es dann direkt nach vorn gegangen ist, kam anfangs überraschend. Sorgte aber schließlich dafür, das Saisonziel neu zu formulieren. Jetzt wollen die Moerser in die 2. Bundesliga aufsteigen. Diesen Durchmarsch würden allerdings vier ehemalige MSC-Adler gerne verhindern.

Denn die Brüder Sebastian und Thiemo Schnorr sowie Christian Gosmann verließen den Moerser SC 2019, Andreas Tins 2020. Dieses Quartett hat beim FC Junkersdorf Köln eine neue Heimat gefunden. Wobei sie zum Teil studienbedingt bereits in der Domstadt gelebt hatten. Illmer hat mit keinem der vier noch zusammengespielt, er kam erst 2020 von den Helios Grizzlys Giesen zum MSC, spielte zuvor in der Ausbildungsstätte VCO Berlin. Angefangen hatte er beim TV Mömlingen in Unterfranken, 14 Kilometer von Großwallstadt entfernt. „Mömlingen hat eine gute Volleyball-Jugendarbeit gemacht“, erinnert sich Illmer. Schließlich ging er mit 15 Jahren ins Volleyball-Internat VCO Bayern Kempfenhausen.
André Illmer, ein Moerser Adler durch und durch
Mittlerweile ist er ein Moerser Adler durch und durch. Wieso er vom Erstligist Giesen, bei dem er nach dem Bundesliga-Aufstieg überwiegend Einsätze in der „Zweiten“ hatte, nicht weiter nach einem Erst- oder Zweitligist gesucht hätte? Das habe an seiner Position gelegen: „Jede Mannschaft benötigt eigentlich nur einen Libero.“ Ambitionen, höher zu spielen, habe er gehabt. Doch gleichzeitig wollte er auch seine berufliche Entwicklung vorantreiben. Derzeit macht er seinen Master in Sport und Englisch auf Lehramt. Das passt für ihn gut zusammen. Sollte in Köln ein Sieg rausspringen, kann es passieren, dass er in der nächsten Saison wieder in der 2. Bundesliga die Fäden einer Mannschaft zusammenhält. Diesmal beim Moerser SC.


