In durchaus unruhigen Zeiten in der Welt wollten die Fliegenden Homberger am Freitagabend ein Licht im Dunkeln setzen. Zumindest für ein paar Minuten. Die großen und kleinen sportlichen Turnflieger vom Homberger TV verzauberten die rund 400 Gäste im Enni-Sportpark mit beleuchteten Würfeln, luftiger Akrobatik und mehrstöckigen Hebeübungen. Der vermeintliche Höhepunkt des dreieinhalbstündigen Abends wurde von einem frischen Moderatorenduo sowie dem wie immer gut aufgelegten und souveränen Stadtsportverbandschef Andreas Bögner gelenkt. Und letztlich mit vielen strahlenden Gesichtern abgerundet. Eiskunstlauf, Leichtathletik und Volleyball standen bei den drei Hauptkategorien der Moerser Sportlerehrung des Jahres 2024 im Mittelpunkt.
Sportgala in Moers: Generationenwechsel am Mikrofon
Zunächst übergaben die bisherigen Moderatoren Markus Tenbergen und Andreas Schollmeier die Mikrofone an ihre jungen Nachfolger. Lisa Stratmann, 24-jährige Jugendwartin beim Kapellener Tennis-Club, und Simon Polotzek, mehrmaliger Deutscher Meister im Fechten und Moerser Sportler des Jahres 2023, führten jung, frisch und ohne Schnitzer durch den Abend. „Ich habe mich auf der Bühne direkt wohl gefühlt, habe aber im kleinen Rahmen auch schon Erfahrung gesammelt“, erklärte Simon Polotzek.

Nervöser war Lisa Stratmann, die als Jugendvertreterin im Stadtsportverband mitarbeitet. „Gerade am Anfang hat doch meine Stimme etwas gezittert. Ich habe ja noch nie auf einer Bühne gestanden. Das hat sich aber im Laufe des Abends gelegt“, versicherte die 24-jährige Kapellenerin. Die eine oder andere Verbesserung haben beide Moderatoren schon ins Auge gefasst, sollten sie im nächsten Jahr wieder das Mikrofon-Duo bilden. Auffällig war am Freitagabend, dass die Sportler des Jahres am Mikrofon doch etwas zu kurz kamen. Warme Worte, kleine Anekdoten oder auch Ausblicke auf neue sportliche Ziele blieben für das Publikum Mangelware. „Das nehmen wir natürlich für 2026 mit“, versichert Simon Polotzek.
Sportgala in Moers: Die erfolgreichen Fechter gehen diesmal leer aus
Der war natürlich auch etwas betrübt darüber, dass seine Fechter trotz der Nominierung in den drei Hauptkategorien diesmal leer ausgingen. Sportlerin des Jahres mit immerhin 44,53 Prozent der Stimmen wurde Melina Rehpenning. „Damit hatte ich nicht gerechnet, ich freue mich riesig“, strahlte die Eiskunstläuferin vom GSC Moers, deren Papa einst im Eishockeytor gestanden hat, mit der Glastrophäe und Blumen in den Händen. Leichtathletin Katharina Pontow (MTV) und Fechterin Linn Marie Völker (FCM) nahmen die Urkunden als Nominierte mit nach Hause.

Der Sportler des Jahres 2024 fehlte kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen. Für Leichtathletik-Sprinter Felix Klöckner freute sich sein Trainer Kato Kambartel auf der Bühne über 41,75 Prozent der Stimmen gegenüber Trampolinturner Jonas Binn (TV Utfort-Eick) und Fechter Henrik Barby (FC Moers): „Das ist für Felix und den Moerser TV eine große Ehre. Es gab tolle Erfolge, aber auch Rückschläge.“ Fechterin Hannah Fenger zitierte als Laudatorin dazu passend vom Unterarm des Schweizer Tennisprofis Stan Wawrinka. „Try again, fail again, fail better“ steht da tätowiert zu lesen. Heißt ganz frei übersetzt: versuche es immer wieder, scheitere auch mal und lerne daraus.
Für die Volleyballer des Moerser SC ist der Weg noch nicht zu Ende
Das gilt sicher auch für die Volleyballer des Moerser SC. Nach dem freiwilligen Zweitliga-Rückzug 2022 hat der MSC mit Talenten aus der Region den Weg von der Regionalliga zurück in die 2. Bundesliga angetreten. Für den sportlichen Aufstieg im vergangenen Jahr in die 3. Liga gab es fast 40 Prozent der Publikumsstimmen. Das überflügelte die U17-Fechtmeister des FC Moers und auch die Landesliga-Fußballer des GSV. „Die Jungs haben sich den Preis absolut verdient. Und unsere Reise ist noch nicht zu Ende“, befand Cheftrainer Hendrik Rieskamp.

Die wie die Volleyballer in Mannschaftsstärke erschienenen Grafschafter-Fußballer durften sich allerdings trotzdem freuen. Den Sportpreis für besondere Verdienste ging an den 2. Vorsitzenden, Geschäftsführer und GSV-Dauerbrenner Daniel Ollmann sowie an Ingrid Pescher, die Frau für alles im Unruhestand beim TV Vennikel. Die Ehrung nahm Sportamtsleiter Olaf Finke vor, weil Bürgermeister Christoph Fleischhauer erkrankt passen musste.

Den Sonderpreis bei den sportlichen Senioren bekam Kugel-Flüsterer Thomas Schroers, wie schon 2020. Der Leichtathlet vom VfL Repelen, der früher für Alemannia Kamp und das Team Niederrhein unterwegs war, hatte 23 Jahre lang einen sportlichen Dornröschenschlaf eingeschoben, um im Alter von 50 Jahren mit Kugel und Diskus noch einmal durchzustarten. Mit Erfolg. Im vergangenen Jahr vertrat Schroers die Moerser Farben bei der Europameisterschaft in Polen. Seit gut zehn Jahren verbindet der Repelener nun schon den Fitness-Erhalt mit dem sportliche Reiz.

Ilija Plavsic hat indes sein sportlichen Leben noch vor sich. Der junge Tennisspieler vom TC Moers 08 ist Deutscher U12-Hallenmeister und will in zehn Jahren in Deutschland die Nummer eins bei den Senioren sein. „Mein Vorbild ist Novak Djokovic“, betonte Plavsic, der sich im Enni über den Jugend-Sonderpreis freuen durfte. Ob er sportlich tatsächlich irgendwann in die Sphären des serbischen Ausnahmeathleten vordringen wird? Biss, Ehrgeiz und Talent scheinen jedenfalls als gute Voraussetzung vorhanden zu sein.

Was die Gäste sonst noch aus dem Enni nach einem Abend mit allerdings zwischenzeitlichen Längen mit nach Hause nahmen? Die vielen Fliegenden Homberger blieben ganz sicher im Kopf. Aber auch die Handstandartistin Joana Lokaichuk sorgte dafür, dass der eine oder andere Beobachter die Luft anhielt. Die Berlinerin faszinierte auf einer 1,50 Meter hohen, 80 Kilogramm schweren, kegelartigen Bühne, auf der sich ein drehendes Podest befand. Bodenständig war indes die kraftvolle Partnerakrobatik von Ex-Profiturner Toni, der auch schon für Cirque du Soleil gearbeitet hat, mit seiner Partnerin Kira. Den Sound des Abends gab es, wie im vergangenen Jahr, von der Essener Coverband Paradise at Midnight. Dass einige Gäste bis weit nach Mitternacht im Enni waren, versteht sich von selbst.
Hier geht es übrigens zu unseren schönsten Fotos von der Moerser Sportgala am Freitagabend.


