Zwei Wandleisten im eigenen Zimmer sind schon mit rund 20 Trophäen bestückt. Der kleine Siegerpokal aus Glas von den Landesmeisterschaften bekommt allerdings einen Ehrenplatz. „Das war nicht nur mein bisher größter Erfolg, sondern auch ein Kindheitstraum“, betont Lana Schulz. Die 14-jährige Eiskunstläuferin aus Moers-Hülsdonk hat sich in der Anwärter-Klasse nervenstark im Dortmunder Eissportzentrum Westfalen mit einer fehlerfreien Kür durchgesetzt. Der Erfolg ist nicht nur für die Gymnasiastin bemerkenswert, sondern auch für den in der Szene eher kleineren GSC Moers, der in der öffentlichen Wahrnehmung zuletzt ja vor allem mit dem Eishockey-Regionalliga-Team in Verbindung gebracht wurde.

Lana Schulz ist beim fünfminütigen Einlaufen etwas nervös

Dass Lana Schulz‘ erster Start bei der Landesmeisterschaft gleich auf dem obersten Treppchen enden würde, ist nicht selbstverständlich. „Beim fünfminütigen Einlaufen war ich etwas nervös und mit den Gedanken schon bei der Kür, weil ich als Erste aufs Eis musste“, erzählt Lana Schulz, „dann hat aber alles sehr gut funktioniert.“ Fünf Sprünge, zwei Pirouetten diverse Schrittkombinationen später gab es eine Wertung durch die Punktrichter für den zweieinhalbminütigen Vortrag, die keine der Konkurrentinnen zu überbieten wusste. Das weichere Eiskunstlaufeis in Dortmund, eine Fläche ohne helfende Eishockey-Linien - machte Lana Schulz alles nichts aus.

Wurde in Dortmund neue Landesmeisterin im Eiskunstlaufen: Lana Schulz vom GSC Moers.
Wurde in Dortmund neue Landesmeisterin im Eiskunstlaufen: Lana Schulz vom GSC Moers.© Michael P. Cramer

Der Weg zum Triumph kostete viele Trainingseinheiten - und den damit verbundenen Schweiß, gespeist durch Motivation und Ehrgeiz. Schon im Alter von fünf Jahren besuchte Lana Schulz beim GSC einen Laufkurs unter der aktuellen GSC-Abteilungsleiterin Beate Mühlenkamp-Themann, die später mit Jessica Hammerschmidt auch ihre Trainerin werden sollte. „Mit sechs Jahren bin ich dann in den Verein eingetreten und habe nie daran gedacht, wieder aufzuhören“, sagt Lana Schulz.

Drei Trainingseinheiten mit den Fliegenden Hombergern des HTV

Zu den gewöhnlich drei Eiseinheiten in den Filder Benden kommen noch drei Trainings bei den Fliegenden Hombergern. Mit der Showakrobatiktruppe des Homberger TV, die ganzjährig trainiert, ist die 14-Jährige auch schon Deutscher Meister gewesen. Tanz, Beweglichkeit, Sprungkraft und Ausdrucksstärke in den turnerischen Elementen helfen der jungen Sportlerin natürlich auch bei Eiskunstlauf enorm weiter.

Freuen sich nach der Kür über die gute Punktewertung bei den Landesmeisterschaft im Eiskunstlauf in Dortmund: Trainerin Jessica Hammerschmidt (links) und Lana Schulz vom GSC Moers.
Freuen sich nach der Kür über die gute Punktewertung bei den Landesmeisterschaft im Eiskunstlauf in Dortmund: Trainerin Jessica Hammerschmidt (links) und Lana Schulz vom GSC Moers.

Die Eiszeit ist mit dem Dom-Pokal in Köln Mitte März zumindest in Moers zwar schon beendet. Die neue Saison wird allerdings wieder Herausforderungen bereithalten. Zunächst die grundsätzliche Frage, ob Lana Schulz dann in der Kategorie Neulinge, also eine Etage höher, starten wird. „Ich traue es ihr auf jeden Fall zu“, gibt sich Jessica Hammerschmidt zuversichtlich. Die erfahrene GSC-Trainerin hat lange Jahre selber auf dem Eis gestanden und betreut bis zu viermal die Woche rund 20 Eiskunstläuferinnen der etwas älteren Jugendjahrgänge.

Lana Schulz will weitere Doppelsprünge erlernen

„Es wird nun darauf ankommen, weitere Doppelsprünge zu lernen“, betont Jessica Hammerschmidt. Vorzeigeschützling Lana Schulz weiß das natürlich auch. Rittberger und Salchow hat sie schon in Angriff genommen. Der rückwärts auf der Kufenzacke ins Eis eingetippte und abgesprungene Toeloop ist noch gewöhnungsbedürftig. Und dann wären da ja auch noch der Flip, der vorwärts gesprungene Axel sowie der schwierige, weil rückwärts angefahrene Doppel-Lutz.

Vor fünf Jahren schon erfolgreich: Lana Schulz holt sich beim Münstermannpokal 2020 den ersten Platz bei den Freiläuferinnen.
Vor fünf Jahren schon erfolgreich: Lana Schulz holt sich beim Münstermannpokal 2020 den ersten Platz bei den Freiläuferinnen.© Stuckart

„Ich freue mich schon auf die neue Saison und die neuen Herausforderungen“, ist Lana Schulz allerdings voller Motivation. Im eigenen Zimmer soll schließlich noch eine dritte Pokalleiste für mehr Trophäen montiert werden. Vorbilder im Eiskunstlauf gibt es. Die Olympia-Silbergewinnerin Alexandra Trussowa aus Russland etwa auf internationaler Ebene. Im Verein eifert Lana Schulz dazu der Landesmeisterin von 2018 und 2022, Denise Pugliesi nach, die aus beruflichen Gründen aber nicht mehr als Wettbewerben teilnimmt. Lana Schulz schaut auch auf Vereinskollegin Melina Rehpenning: „Sie springt auf dem Eis immer links herum, das ist schon etwas Besonderes.“

Wintermärchen beim GSC Moers ist etwas Besonderes

Apropos: Dazu zählt neben Pokalen natürlich auch ein Start beim GSC-Wintermärchen. „Das ist eine der schönsten Veranstaltungen überhaupt, weil dies die Vereinsliebe auf dem Eis widerspiegelt“, sagt Lana Schulz. Die überaus selbstbewusste Pippi Langstrumpf aus der Feder der schwedischen Schriftstellerin Astrid Lindgren hat die 14-Jährige schon mit Kufen an den Füßen verkörpert. Dazu auch Cindy Lou, die kleine Tochter aus der weihnachtlichen US-Fantasy-Komödie The Grinch. In diesem Jahr wartet vermutlich kurz vor dem Fest eine neue fantasievolle Rolle - diesmal als amtierende Landesmeisterin.