Stefan Kapuscinski ist ein ehrlicher Typ. Damit zählt er selbst im Amateurfußball nicht zur Mehrheit der Mitspieler. „In diesem Fußballerleben werde ich sicher nicht mehr der Killer vor dem Tor“, bekräftigt der 32-jährige Mannschaftskapitän des Landesligisten SV Scherpenberg beispielsweise eher schmunzelnd: „Sonst hätte ich wohl auch eine oder zwei Etagen höher spielen können.“ Seine notorisch verbesserungswürdige Chancenverwertung hat der Außenverteidiger, der einst als junger Stürmer angefangen hatte, längst akzeptiert. Ein gutes Stellungsspiel in der Viererkette, flotte Vorstöße mit präzisen Flanken aus vollem Tempo, eine gute Grundschnelligkeit und die starke Grundfitness machen Kapuscinski in seiner Defensivrolle mit Vorwärtsdrang zum wertvollen Spieler. Vermutlich auch beim Saisonstart am Freitag (20 Uhr, Asberger Straße) gegen den ESC Rellinghausen.
SV Scherpenberg: Kapitän Nico Frömmgen war eine Institution
Dass er schon in der Rückrunde der vergangenen Saison als „Vize“ meist die Kapitänsbinde von Scherpenbergs Institution Nico Frömmgen inne hatte, macht die vermeintlich neue Aufgabe leichter. Der Abwehrchef kam nach seiner Kreuzbandverletzung nicht mehr so richtig zum Zug – und zog sich Ende April beim 2:4 in Essen-Schönebeck dann auch noch, ganz bitter, einen zweiten Kreuzbandriss zu. „Ich trete in große Fußstapfen. Nico war fast ein Jahrzehnt lang eine prägende Figur in Scherpenberg“, versichert Stefan Kapuscinski mit Blick auf seinen zum Bezirksligisten Rheinland Hamborn abgewanderten Ex-Mitspieler.

Die Binde sieht der Abwehrspieler, den alle meist nur kurz „Kapu“ nennen, auch als Anerkennung für seine Leistung. Alle 34 Partien hat Kapuscinski in der vergangenen Saison für Scherpenberg bestritten. Er war neben Mittelstürmer Marcio Blank (31 Tore in 29 Spielen) eine der wenigen Konstanten im Team, das am Ende nur Neunter wurde. „Nach der durchwachsenen Spielzeit haben sich wirklich alle hinterfragt und daraus auch Schlüsse gezogen“, versichert der Kapitän.
So startet die Fußball-Landesliga
Drei Partien des ersten Spieltags in der Fußball-Landesliga wurden vorverlegt. Der SV Scherpenberg eröffnet am Freitagabend (20 Uhr) gegen den ESC Rellinghausen. Am Samstag steigt das Kreis-Derby zwischen dem 1. FC Lintfort und SV Budberg (16 Uhr) sowie das Bottroper Duell zwischen Aufsteiger Rhenania und Titelmitfavorit VfB (18 Uhr). Die restlichen Spiele am Sonntag: SF Niederwenigern - GSV Moers, FC Kray - VfB Speldorf, Hamborn 07 - Viktoria Goch (alle 15 Uhr), SF Katernberg - PSV Wesel (15.15 Uhr), Mülheimer FC 97 - SG Schönebeck, SC Werden-Heidhausen - Blau-Weiß Mintard (beide 15.30 Uhr).
SV Scherpenberg: Jüngere Spieler geholt, etwas Erfahrung verloren
Das erneut veränderte Team sieht Stefan Kapuscinski erst einmal positiv. Trotz einer Vorbereitung mit Licht und Schatten: „Wir haben nun eine andere, etwas jüngere Altersstruktur. Dazu haben wir ein wenig an Erfahrung verloren mit den Abgängen von Nico Frömmgen, Konstantin Möllering, Samet Sadiklar, Valdet Totaj oder El Houcine Bougjdi. An der Qualität im neuen Team wird es aber nicht mangeln.“ Und dies, obwohl in Torjäger Marcio Blank ein gewichtiger Erfolgsfaktor zum Oberligisten VfB Homberg abgewandert ist.

Die offensive Qualität sieht der SVS-Kapitän trotzdem gegeben: „Vedad Music hat im Niederrheinpokal in Oberhausen am Sonntag drei Treffer erzielt. Das wird ihm als Mittelstürmer Auftrieb geben. Dazu haben wir mit Gabriel Derikx, Baha Arslanboga, Ali Gülcan, Tevfik Kücükarslan oder Ömer Akbel einige spielstarke Offensivleute im Kader. Und dass Ilyas Talha Demir im Angriff ein junger guter Zocker ist, der sich keinen großen Kopf macht, konnte man in den Testspielen auch schon sehen.“
SV Scherpenberg: Trainer Christian Mikolajczak „packt die Mannschaft nun besser“
Einiges dürfte am Trainergespann mit Chefcoach Christian Mikolajczak vornweg hängen. Der ehemalige Schalker Bundesligaprofi scheint sich, das ist nicht nur die Meinung von Stefan Kapuscinski, deutlich mehr mit der nun auch von ihm geprägten Mannschaft zu identifizieren. „Der Kader der vergangenen Saison war auf einen anderen Trainer zugeschnitten, so fair sollte man sein. ,Miki‘ scheint die Mannschaft nun besser zu packen. Das ist zumindest die Rückmeldung, die ich von den Spielern bekomme“, versichert der Kapitän.

Stimmungen und Befindlichkeiten heben oder senken sich allerdings fast immer mit dem Erfolg. Nach dem durchaus erfreulichen Auftritt beim 5:2 im Niederrheinpokal beim Oberhausener Bezirksligisten Sportclub 20 würden alle gern das gute Gefühl von der Mellinghofer Straße in den Landesligastart nach Asberg tragen und fortsetzen. Der ESC Rellinghausen gilt gleichwohl als einer der Titelfavoriten. „Neben Niederwenigern, dem VfB Bottrop und vielleicht dem SV Budberg“, wie Stefan Kapuscinski ergänzt. Seine Scherpenberger sortiert er im oberen Tabellendrittel ein. Also auf Platz sechs aufwärts.
Beim TSV Meerbusch mit den Düsseldorfer Ex-Zweitligaprofis Olivier Caillas und Robert Palikuca
Mit einer Rückkehr in die Oberliga könnte sich übrigens für den 32-Jährigen der sportliche Kreis schließen, der beim TSV Meerbusch eben in der fünfthöchsten Spielklasse einst begann. Damals in der Saison 2015/16 unter den ehemaligen Profis von Fortuna Düsseldorf, Olivier Caillas und Robert Palikuca. „Das war eine prägende und beeindruckende Zeit. Beide Trainer konnten kurz nach ihrer Profizeit stets allen Spielern auch zeigen, was sie auf dem Feld technisch und taktisch wollten“, so Kapuscinski.

Auch die beiden Lintforter Jahre unter Coach Meik Bodden haben den Bayern-München-Sympathiesant geprägt: „Ich habe selten so einen akribisch arbeitenden und doch empathischen Trainer wie Meik erlebt. Er kann sicher höher als Landesliga coachen.“ Selber coachen ist für Stefan Kapuscinski, der als Finanzkontroller im Duisburger Innenhafen arbeitet, noch kein Thema, „so lange ich topfit bin“. Aber gleichwohl vorstellbar.
Stefan Kapuscinski träumt von einem Kunstrasen im Wäldchen
Dass Scherpenberg auch Nachteile mit Blick auf Asberg hat, spricht der Abwehrroutinier ehrlich aus: „Ich träume schon manchmal von einem eigenen Kunstrasen im Wäldchen. Und von einer schöneren eigenen Kabine. Da haben andere Vereine einfach den einen oder anderen Bonus.“ Apropos: Aus der Tatsache, dass sich Vereinswechsel in der Vergangenheit nicht nur aus der sportlichen Herausforderung, sondern auch aus einem finanziell guten Angebot gespeist haben, macht Stefan Kapuscinski keinen Hehl: „Ich bin damit immer offen und ehrlich umgegangen, damit den Vereinen gegenüber immer gut gefahren. Ich kann mich ohne versteckten Groll überall blicken lassen.“ Was auch einen gewissen persönlichen Mehrwert besitzt.


