Es war keine Lehrstunde, geschweige gar ein Beinbruch. Allerdings wurde dem TuS Lintfort ganz klar vor Augen geführt: In der 2. Handball-Bundesliga der Frauen spielt die Musik an anderen Orten. Das Team von Trainerin Bettina Grenz-Klein unterlag in der heimischen Eyller Sporthalle vor 375 Zuschauern dem Top-Hauptstadt-Klub Füchse Berlin letztendlich deutlich mit 28:38 (16:19). Fakt ist: Beide Vereine liegen in ihren strategischen Ausrichtungen mit den eigenen Ansprüchen meilenweit auseinander. Gleichwohl sollte der TuS Lintfort nicht in Panik verfallen. Die aktuellen 2:2 Punkte zum Saisonstart sind aller Ehren wert.

TuS Lintfort kämpft beim Heimdebüt gegen die Füchse Berlin vor 375 Zuschauern vergeblich

Es dauerte einige Minuten, bis die beiden Kontrahenten ihre Nervositäten aus den Trikots geschüttelt hatten. Dann allerdings nahm die Partie richtig Fahrt auf, wurde ansehnlich, intensiv und spannend. Und das Erstaunliche: Der TuS Lintfort lieferte der Premium-Auswahl aus Berlin in Halbzeit eins einen Kampf auf Augenhöhe. Offensichtlich lagen die Kernkompetenzen der beiden Rivalen aber nicht auf dem Verhindern der Tore. Lintfort hatte so seine Schwierigkeiten, die Lücken zu schließen. Dazu auch im Kampf Frau gegen Frau. Die Spreefüxxe bestachen hingegen ziemlich oft mit ausgeprägten individuellen Fähigkeiten.

Versuchte die Offensive des TuS Lintfort stets anzukurbeln: Svenja Rottwinkel (mit Ball).
Versuchte die Offensive des TuS Lintfort stets anzukurbeln: Svenja Rottwinkel (mit Ball).© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

Aber auch Lintfort wusste in seinem Offensivauftritt durchaus zu gefallen. Die Mannschaft überzeugte als Einheit. Und wie schon in Buchholz-Rosengarten wurde dabei die gesamte Breite des Spielfeldes genutzt. Der Ball lief flott durch die eigenen Reihen, so dass die Gäste-Abwehr so manches Mal den Überblick verlor. Lintfort wartete auf seine Chancen und kam oft und erfolgreich über die Außenpositionen zum Abschluss. Spielerin der ersten 30 Minuten war zweifelsohne Nathalie Corsten, die von Linksaußen, mehrmals unter Bedrängnis, eiskalt einnetzte. Zudem gilt es ihre Deckungsarbeit zu loben. Die 19-Jährige musste auf ihrer Position richtig „schuften“.

So haben sie gespielt

TuS Lintfort: Senanur Gün, Anita Polackova, Neele Brandt – Alea Mattig 6, Sydney Lupisella, Lynn Broders, Nathalie Corsten 6, Yara Vlaswinkel 1, Jana Willing 2, Svenja Rottwinkel 5/1, Leonie Udaw 4/3, Insa Weisz 3, Rieke Rosner 1.

So geht es weiter: Bergischer HC - TuS Lintfort (Sa., 18.30 Uhr, Wittkuller Straße in Solingen).

Nathalie Corsten war die Spielerin der ersten 30 Minuten – vorne wie hinten

Aber auch von ihrer Kollegin, Rechtsaußen Alea Mattig, ging stets große Gefahr aus. Der Neuzugang wurde immer wieder gesucht und gefunden. Das Team harmonierte aber insgesamt als Kollektiv. Dem Rückraum fehlte zwar die einfache Wurfkraft aus der zweiten Reihe. Dennoch traten die Spielerinnen Insa Weisz, Leonie Udaw oder Svenja Rottwinkel quicklebendig in Erscheinung, agierten mutig und lauerten immer auf den möglichen Durchbruch. „Meine Mannschaft hat sich in Hälfte eins teuer verkauft“, lobte TuS-Trainerin Bettina Grenz-Klein.

War immer ein Unruheherd: TuS Lintforts Angreiferin Leonie Udaw (links), hier im Zweikampf mit Nomi in der Braekt (27).
War immer ein Unruheherd: TuS Lintforts Angreiferin Leonie Udaw (links), hier im Zweikampf mit Nomi in der Braekt (27).© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

Doch vor dem Seitenwechsel gab es noch eine Schrecksekunde: TuS-Kreisläuferin Lynn Broders verletzte sich in der 25. Minute in einem Abwehrzweikampf und fiel unglücklich auf ihre Schulter. Die 19-Jährige, die zuletzt mit richtig guten Leistungen überzeugte, verließ daraufhin mit schmerzverzerrtem Gesicht das Parkett, konnte nicht mehr weiterspielen und wurde nach dem Spiel zur Untersuchung ins Krankenhaus gefahren. Eine genaue Diagnose gibt es noch nicht.

Konnte nach ihrer Einwechslung durchaus überzeugen: TuS-Torhüterin Senanur Gün. Insa Weisz steht daneben.
Konnte nach ihrer Einwechslung durchaus überzeugen: TuS-Torhüterin Senanur Gün. Insa Weisz steht daneben.© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

Selbst der Start in den zweiten Abschnitt war noch in Ordnung. Die Einstellung stimmte weiterhin bis zum 22:23 in der 42. Minute. Danach war allerdings irgendwie „Schluss“. Die Spielerinnen, die bis dato viel Energie aufgewendet hatten, waren mit ihren Kräften am Ende. Und das Bittere: Es gab kaum Wechselmöglichkeiten. Auch, weil Eva Manthei aufgrund ihres erst jüngst im Training zugezogenen doppelten Bänderrisses im Sprunggelenk nun für unbestimmte Zeit ausfällt.

TuS Lintfort kann in der Endphase nicht mehr mithalten

Berlin hatte jetzt alle Trümpfe in der Hand, konnte aus personeller Sicht aus dem Vollen schöpfen und drückte bis zum Abpfiff das Gaspedal noch einmal komplett durch. Die Gäste machten kurzen Prozess und erzwangen in der 50. Minute die Vorentscheidung (31:23). „Die Niederlage ist verdient. Uns gingen die Körner aus“, bilanzierte TuS-Trainerin Bettina Grenz-Klein.