Das sportliche Abstiegsgespenst, das am Samstagabend imaginär, aber unheilvoll am Einlass zur Enni-Sporthalle in Rheinkamp schon seine Beute einfangen wollte, muss noch warten. Im neunten Anlauf gelang den Zweitliga-Volleyballern des Moerser SC beim verdienten 3:1 (25:21, 20:25, 25:20, 25:18) über den PSV Neustrelitz der erste Heimsieg der Saison. Damit ist der Tabellenvorletzte Münster Volleys nur noch zwei Punkte entfernt. Der Rückstand auf Rettungsplatz zehn mit dem Kieler TV beträgt nun acht Zähler. Beide Kontrahenten hat der MSC in den verbleibenden Heimspielen noch vor der Flinte.
Glücklichster Adler beim Moerser SC war Interimstrainer Marco Destefani
Glücklichster Adler am Samstagabend war zweifelsohne Interimstrainer Marco Destefani. Der Italiener coachte für die privat verhinderten Martin Schattenberg und Markus Pukownik. „Ich habe seit meiner Zeit in der dritten Liga Italiens nicht mehr verantwortlich an der Seitenlinie gestanden, weil ich auch die A-Lizenz nicht habe“, erklärte Destefani nach dem finalen Schmetterball: „Umso mehr freut es mich, dass die Jungs mal das über ein ganzes Spiel das umgesetzt haben, was sie im Training zeigen.“

Der Coach hatte seinen Anteil am Erfolg. Auf einen guten ersten Satz mit nur wenigen Patzern und einem gut aufgelegten Mittelblock mit einem klar verbesserten Tim Broshog folgte ein fehlerlastiger zweiter Durchgang. Den entschieden die Mecklenburger Gäste dann auch prompt für sich. „Da waren die Jungs emotional natürlich etwas im Keller. In der Kabine habe ich dann eine Motivationsrede auf Englisch gehalten. Das hat ein wenig gefruchtet“, verriet Coach Destefani hinterher seine Zehn-Minuten-Pausenansprache.
In der Kabine habe ich dann eine Motivationsrede auf Englisch gehalten. Das hat ein wenig gefruchtet.
Interimstrainer Marco Destefani, nach dem verlorenen zweiten Satz gegen den PSV Neustrelitz
Eine Aufschlagsalve von Außenangreifer Jakub Petras bei 15:15 im dritten Satz lenkte das Geschehen vor immerhin 388 Zuschauern am Karnevalsamstagabend in die richtige Richtung. Dazu machte sich offensiv nun der spät im zweiten Satz erfolgte Wechsel von Enrico Scarpi zu Luca Wagner bezahlt. Die Nummer 23 sorgte am Netz sogleich mit einigen beherzten Bällen für Frische und Zuversicht.

Im vierten Satz flogen die Adler dann förmlich ins Ziel. Bis zum 20:15 war kein einziger Offensivfehler notiert. Von letztlich sechs Matchbällen saß bei 24:18 auch gleich der erste. Luca Wagner machte seine beiden leichten Annahmefehler kurz zuvor mit dem Schmetterball zur Entscheidung mehr als wett. „Das war kämpferisch stark und insgesamt eine gute Leistung“, lobte Vereinschef Guido Lohmann. Der saß nahe der Bank und war mit dem abwesenden Cheftrainer Martin Schattenberg ständig im Austausch.
MSC-Punktesammler Jakub Petras: Wir sind noch nicht am Ende
Bei den Gastgebern wusste vor allem Zuspieler Nico Haug zu gefallen, der gerade im dritten und vierten Satz immer besser ins Match und mit Heber sowie in der Blockabwehr auch einige Punkte dazuzusteuern wusste. Tim Broshogs Kurve zeigte nach dem Köln-Auftritt eindeutig nach oben. Außenangreifer Lukas Schattenberg unterstrich seine gute Form. Auch Jakub Petras hatte sich nach einer Schwächephase im zweiten Satz ein Lob verdient.

„Wir sind noch nicht am Ende und haben heute gezeigt, auf welchem Level wir spielen können“, erklärte der slowakische Winterzugang Petras. Bei nur noch vier anstehenden Partien würde es aber auch bei möglichen vier Drei-Punkte-Siegen für den Moerser SC verdammt eng werden. In diesem Falle dürfte Konkurrent Kiel aus den ausstehenden fünf Matches nämlich nur noch maximal vier Punkte holen.
Moerser SC ist am Sonntag beim TSV Giesen Gryzzlys II zu Gast
Immerhin bleibt statt eines möglichen Abgesangs noch eine gewisse Restspannung. Kommenden Sonntag (17 Uhr, Schacht-Arena) stehen die Adler beim TSV Giesen II allerdings unter Erfolgsdruck. Die Grizzlys-Reserve aus der Nähe von Hildesheim setzte sich parallel zum Moerser Neustrelitz-Coup in Kiel mit 3:1 durch und hat sich damit vorzeitig gerettet.
MSC-Start-Sechs: Scarpi, Haug, L. Schattenberg, Petras, Bartsch, Broshog; Libero: Illmer – eingewechselt: Wagner.


