Der Blick auf die Tabelle der 2. Handball-Bundesliga ist zwar trübe, aber nicht ausschlaggebend für eine Grundsatzentscheidung beim TuS Lintfort. Und dabei geht es freilich nicht nur um die Handballfrauen im Bundesliga-Unterhaus, wenn Klubchef Ulrich Klein davon spricht, sich professioneller aufzustellen. Für die Sponsorenakquise, die bisher in Kleins Händen und mit zum Portfolio von Trainerin Bettina Grenz-Klein gezählt hatte, wird nun auch der Rheinberger Geschäftsmann Gordon Mühlenbrock zuständig sein.

Rheinberger Unternehmer Gordon Mühlenbrock unterstützt den TuS Lintfort

Der Inhaber eines Malermeisterbetriebs und Fachmann für Wasserschäden unterstützt den TuS Lintfort schon seit drei Jahren als Sponsor. Mühlenbrock will den Verein nun auch mit Hilfe neuer Mitstreiter finanziell nach vorn bringen. Was ausdrücklich auch die Verbandsliga-Männer mit einschließt. „Ich hoffe, dass ich einige Geschäftsleute dazu bringen kann, sich ebenso wie ich für den Sport zu begeistern. Handball hat so viel zu bieten. Und neue Unterstützer werden überall dringend benötigt, um den Erfolg auf solide Beine zu stellen“, betont der Rheinberger, der übrigens mit einer Kamp-Lintforterin verheiratet ist.

2. Handball-Bundesliga Damen: TuS Lintfort - HL Buchholz-Rosengarten
Trainerin Bettina Grenz-Klein (Mitte) vom TuS Lintfort würde sich über neue Sponsoren im Verein freuen.© FUNKE Foto Services | Christian Creon

Der Vereinsvorsitzende Ulrich Klein freut sich über die Personalie: „Wir brauchen unbedingt neue Sponsorenfelder, um auf Dauer konkurrenzfähig zu sein.“ Dringlich ist das mit Blick auf die Handballfrauen. Die spielen nun schon, durchaus bemerkenswert, in der achten Saison im Bundesliga-Unterhaus. Das sporliche Überleben wird, wie sich in dieser Spielzeit deutlich zeigt, immer schwieriger.

TuS Lintfort spielt mit einem Saisonetat von rund 140.000 Euro

Finanziell liegen die Lintforterinnen bei einem Etat von 140.000 Euro. Der Ligaschnitt liegt laut Ulrich Klein bei 430.000 Euro. „Dazu kommt, dass die meisten Konkurrenten fünf- bis siebenmal in der Woche Training anbieten, wir nur dreimal. Da spielen Finanzen, Personalmöglichkeiten und Hallenkapazitäten eine Rolle. Der Trainingsumfang ist nicht nur im Spielbetrieb ein gewichtiger Nachteil, sondern auch bei der Spielerinnensuche“, gibt Ulrich Klein zu: „Mögliche Verstärkungen sagen ab, weil sie mehr als dreimal in der Woche trainieren wollen.“

Konnte beim TuS Lintfort auf dem Spielfeld bislang nicht wirklich ersetzt werden: Spätsommerabgang und Führungsspielerin Eline Veltrop (am Ball), die in die Niederlande zurückgekehrt ist.
Konnte beim TuS Lintfort auf dem Spielfeld bislang nicht wirklich ersetzt werden: Spätsommerabgang und Führungsspielerin Eline Veltrop (am Ball), die in die Niederlande zurückgekehrt ist.© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

Vielleicht lässt sich mit einer intensiveren Sponsorensuche das Problem lösen. Und wenn es nicht sofort die ganz großen Schritte sein dürften. Klein: „Wenn wir zehn oder 15 neue Partner finden würden, die 5000 Euro für eine Saison zu geben bereit wären, wäre das auch schon ein klarer Schritt nach vorn.“

TuS Lintfort schmerzt Sommerabgang einer Leistungsträgerin immer noch

Der Klubchef macht die aktuelle sportliche Misere allerdings nicht unbedingt nur an den Finanzen fest. Es kommen viele Dinge zusammen. Zuvorderst der späte Sommerabgang der niederländischen Führungsspielerin Eline Veltrop (Westfriesland SEW/Niederlande), der nie wirklich kompensiert werden konnte. „Wir hatten einen gleichwertigen Ersatz an der Angel. Der hat sich dann aber wegen der besseren Perspektive für einen Wechsel nach Berlin entschieden“, so Ulrich Klein.

Wenn wir zehn oder 15 neue Partner finden würden, die 5000 Euro für eine Saison zu geben bereit wären, wäre das auch schon ein klarer Schritt nach vorn.

Ulrich Klein, Vorsitzender des Handball-Zweitligisten TuS Lintfort

2. Handball-Bundesliga: Zwei Absteiger aus vier Vereinen

Die Defizite im Kader sind an vielen Stellen augenscheinlich. Nach einer Niederlagenserie von acht Partien ist dazu das Nervenkostüm bei einigen Spielerinnen sichtbar angekratzt. Und doch bleibt der Klassenerhalt auf dem Papier realistisch. Durch das vorzeitige Aus der Ludwigsburgerinnen in der Bundesliga werden nur zwei Zweitligisten in die 3. Liga absteigen müssen. Im Sonntagsgegner SG Kirchhof sowie HL Buchholz 08-Rosengarten und Bayer 04 Leverkusen gibt es immerhin drei Kontrahenten auf ähnlich dürftigem Leistungsniveau wie Lintfort.

Möglicher Abstieg: Auch die 3. Liga Mitte würde kein Selbstläufer

Dass nach einem möglichen Abstieg die dreigeteilte 3. Liga in Richtung Wiederaufstieg kein Selbstläufer dürfte, weiß Ulrich Klein natürlich auch. Auf die Vorrunde in der Zwölfer-Liga Mitte folgt eine Aufstiegsrunde mit sechs Vereinen auch gegen die beiden jeweiligen Tabellenersten der Gruppen Nord und Süd. „Wenn wir da vorn sein wollen, müssen wir uns auch entsprechend aufstellen“, so Klein. Überregionale Fahrten nach Leipzig oder Bad Langensalza vermutlich inklusive.