Wenn der TuS Lintfort nicht noch irgendwie den Klassenerhalt „geschenkt“ bekommt – eine nach wie vor denkbare und realistische Möglichkeit –, so wird der Verein vom linken Niederrhein aller Voraussicht nach die 2. Handball-Bundesliga verlassen müssen. Der Glaube an bessere, erfolgreiche Tage hat seit dem jüngsten Spieltag wieder mal einen herben Dämpfer erlitten. Es reicht einfach nicht, in der Mannschaft steckt zu wenig Substanz, die Entwicklung stagniert schon seit Monaten. Und wenn dann noch der so dringend benötigte Kampfgeist sichtbar erlischt, dann wird sich der TuS Lintfort vom Tabellenende nur noch schwerlich lösen können.

TuS Lintfort: Keine Substanz, keine Entwicklung – auch der Kampfgeist lässt zu wünschen übrig

Das Team von Trainerin Bettina Grenz-Klein präsentierte sich in der heimischen Eyller Sporthalle gegen den Aufsteiger HSG Freiburg in einem desolaten Zustand, unterlag auch in der Höhe verdient mit 20:28 (11:16) und muss nun aufpassen, nicht noch die eigenen Fans zu vergraulen.

2. Handball-Bundesliga: TuS Lintfort - HSG Freiburg
Erwischte einen rabenschwarzen Tag beim TuS Lintfort: Svenja Rottwinkel (mit Ball).© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Der TuS Lintfort kam eigentlich gut in die Partie. Das Engagement stimmte. Das Team setzte vor allem in der Defensive viel Energie frei, mit ordentlichen Zuordnungen und soliden Zweikampfwerten. Auf Torfrau Anita Polackova war Verlass. Die Tschechin hielt in der gesamten Begegnung sogar drei Siebenmeter. Lintfort überzeugte zunächst auch in der Offensive, führte verdient mit 5:2 (8.).

Nur auf TuS-Torfrau Anita Polackova war Verlass

Doch im TuS-Angriff zeichneten sich früh erste Risse ab. Der Schwung, die Entschlossenheit ebbten ab, weil der Mannschaft die Struktur verloren ging. Femke Kleijkers war die einzige Rückraumspielerin mit einem gewissen Gefahrenpotenzial. Die junge Niederländerin versuchte den TuS-Angriff anzukurbeln: Entweder mit ihrer eigenen individuellen Stärke, mit klugen Kreisanspielen oder mit schnell eingeleiteten Passfolgen. Aber Kleijkers bekam viel zu wenig Unterstützung ihrer Mitspielerinnen. Yara Vlaswinkel überzeugte zumindest in Hälfe eins noch durch Effizienz beim Torabschluss. Aber das war‘s auch. Insbesondere Svenja Rottwinkel erwischte einen „gebrauchten Tag“. An der Haupttorschützin lief die Partie total vorbei. Auch Vakare Damuleviciute rieb sich zu oft in Einzelaktionen auf, brachte wenig Produktives zustande.

2. Handball-Bundesliga: TuS Lintfort - HSG Freiburg
Konnte in der Offensive des TuS Lintfort wenig positive Akzente setzen: Vakare Damuleviciute beim Sprungwurf.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Gleichwohl verlief das Kräftemessen bis zur 23. Minute (10:11) ausgeglichen. Weshalb das Pendel allerdings bis zum Halbzeitpfiff noch ganz klar zu Gunsten der Gäste aus dem Breisgau ausschlug, lag zum Großteil an den technischen Unzulänglichkeiten der TuS-Spielerinnen. Bälle wurden schlichtweg weggeworfen, Torwürfe schlecht vorbereitet. Und ergaben sich Chancen, dann wurde beim Abschluss gepatzt. Freiburg musste nur auf die Patzer des Gegners warten.

So haben sie gespielt


TuS Lintfort: Anita Polackova, Neele Brandt – Alea Mattig 4, Nathalie Corsten 2, Insa Weisz, Lynn Broders, Jana Willing 2, Rieke Rosner 1, Sydney Lupisella, Yara Vlaswinkel 3, Femke Kleijkers 3, Svenja Rottwinkel 1, Vakare Damuleviciute 3/2, Eva Manthei 1, Leonie Udaw.

So geht es weiter: Der TuS Lintfort reist am kommenden Samstag an die Ostsee zum dort heimischen Rostocker HC. Die Begegnung in der Fiete-Reder-Sporthalle wird um 18.30 Uhr angepfiffen.

Aufsteiger HSG Freiburg musste nur noch auf die Patzer seines Gegners warten

Um es gleich vorweg zu nehmen: Das erhoffte Aufbäumen nach dem Seitenwechsel gab es nicht. Keine einzige Spielerinnen im TuS-Trikot schulterte Verantwortung, krempelte die Ärmel hoch oder entfachte gar ein „Feuer“. Trainerin Bettina Grenz-Klein versuchte es relativ schnell mit einer siebten Feldspielerin. Das taktische Mittel griff mal mehr, mal weniger. Der TuS Lintfort konnte den deutlichen Rückstand nicht verkürzen, weshalb die Trainerin in der 43. Minute ihre Ausrichtung auch wieder zurücknahm.

2. Handball-Bundesliga: TuS Lintfort - HSG Freiburg
TuS Lintforts Trainerin Bettina Grenz-Klein (Mitte), hier bei einer Ansprache in der Auszeit.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Der TuS Lintfort ergab sich in Hälfte zwei ziemlich schnell in sein Schicksal, brachte viel zu wenig Emotionen auf die „Platte“ und präsentierte sich nicht als eine Mannschaft, die gemeinsam versucht, an einem Strick zu ziehen. Vergessen sollte man auch nicht: Freiburg passte sich zumindest im Auslassen der Torchancen über weite Strecken dem Niveau des Gegners an. Der Toreabstand blieb dennoch deutlich, weil Lintfort auch bei der Defensivarbeit als Zeichen der Aufgabe die „weiße Fahne“ hisste.

„Es war noch schlimmer, als in den Begegnungen zuvor“, betonte TuS-Trainerin Bettina Grenz-Klein nach Spielschluss: „Und das in eigener Halle - der Auftritt war einfach nur schlecht.“