Sven Schützek musste sich im Anschluss an acht Nachspielminuten im Mülheimer Ruhrstadion erst einmal auf die Lippen beißen. Das eher ernüchternde 1:1 (0:1) beim giftigen und in den Zweikämpfen klar besseren MFC hätte der Trainer des Fußball-Landesligisten SV Scherpenberg durchaus zum Anlass nehmen können, eine herzhafte Ansprache im Teamkreis zu halten. Tat der Coach aber nicht. Die Analyse des Auftritts dürfte am Dienstagabend beim Training eher adrenalin-befreit, aber doch deutlich folgen. In der am Samstagabend gezeigten Form scheinen die Moerser jedenfalls nicht (mehr) wirklich der erste Aufstiegskandidat für die Oberliga zu sein.
SV Scherpenberg ohne verletzten Max Abel, dafür aber mit Emirhan Karaca
Coach Schützek vertraute seiner Startelf aus dem mit 3:1 gewonnenen Heimspiel gegen den SC Werden-Heidhausen, musste dabei den erneut am Oberschenkel verletzten Innenvertreidiger Max Abel draußen lassen. Dafür spielte Emirhan Karaca, der nach argen Kniebeschwerden eigentlich gar nicht für die Startelf geplant war. Irgendwie wollte von Beginn an aber nicht das rechte Feuer in die Aktionen der Moerser kommen. Scherpenberg brachte kaum einmal Angriffsdruck gegen das 4-4-2 des Gegners zustande. Der Mülheimer FC wirkte spritziger, bissiger und präsentierte sich keineswegs wie eine Mannschaft, die noch um den Klassenverbleib zu fürchten hat.

So gesehen ging das 1:0 für die Gastgeber zur Pause auch voll in Ordnung. Ein unbedachter Rückpass von Emirhan Karaca brachte MFC-Torjäger Oben Robert Molango in eine Eins-gegen-eins-Situation mit SVS-Keeper Gian-Luca Reck. Der bremste die schwarz-weiße Nummer 9 mit einem Foul im Strafraum. Molango verwandelte den unstrittigen Elfmeter unhaltbar links unten (42.).
Vielleicht spüren einige im Team nun den offensichtlichen Druck, nachlegen, liefern, gewinnen zu müssen – wenn man am Ende wirklich auf Platz eins stehen will.
Sven Schützek, Trainer des Fußball-Landesligisten SV Scherpenberg
SV Scherpenberg: Bugra Arslanboga rettet auf der Torlinie
Zuvor hatte Bugra Arslanboga mit einer Rettungstat auf der Torlinie das sichere 0:1 durch MFC-Kapitän Ahmet-Malik Uzun verhindert (27.). Dazu traf Howon Ryu schon nach fünf Minuten die Latte. Und Scherpenberg? Vedad Music hatte noch die beste Möglichkeit, als sich Torwart Tugay Ayasli einen Ballverlust im eigenen Strafraum erlaubte. Ansonsten? Viele Fehlpässe, wenig Präzision, noch weniger Torgefahr.

Leichte Besserung stellte sich in Halbzeit zwei auch deshalb ein, weil nach nur zwei Minuten der Ausgleich fiel. Karaca machte seinen Patzer wieder wett und platzierte den Ball herzhaft aus dem Mülheimer Strafraum in den rechten Torwinkel. Danach hatte zweimal Baha Arslanboga im Konter das 2:1 auf dem Fuß, fällte aber jeweils die falsche Entscheidung. Ab der 70. Minute verfiel Scherpenberg dann wieder in den Hauruck-Stil: viele lange Bälle, wenig Plan und folgerichtig keinen Ertrag. Da halfen auch vier Spielerwechsel nicht wirklich weiter.
Kücükarslan und Akbel vergeben für Scherpenberg am Ende zwei Riesenchancen
Bis in die Nachspielzeit hinein war Mülheim, das offensiv aber ähnlich lausig wie der Gegner unterwegs war, dem Siegtor sogar näher. Am Ende allerdings hätten die Gäste doch gewinnen müssen. Erst verdaddelte der eingewechselte Tefvik Kücükarslan eigensinnig eine große Konterchance (90.+6). Dann verzog der für den glücklosen Mittelstürmer Vedad Music gekommene Ömer Akbel im Strafraum freistehend links am MFC-Tor vorbei (90.+8). Coach Schützek schluckte die Palette an Defiziten erst einmal herunter: „Mal sehen, was der Punkt für uns wert ist. Vielleicht spüren einige im Team nun den offensichtlichen Druck, nachlegen, liefern, gewinnen zu müssen – wenn man am Ende wirklich auf Platz eins stehen will.“
SV Scherpenberg: Reck - Bu. Arslanboga, Williams, Saiti, Kapuscinski - Karaca, K. Terzi (82. Werner) - Derikx (68. Kücükarslan), Ba. Arslanboga, Kretschmer (59. Grillemeier) - Music (79. Akbel).


