Am Ende eines Fußball-Oberliga-Abends mit Klassenunterschied machten sich tatsächlich die Scherpenberger Fans unter den offiziell 1539 Zuschauern in der Krefelder Grotenburg verbal bemerkbar. Das letztliche 1:6 (1:3) ihrer Jungs beim ehemaligen Bundesligisten KFC Uerdingen tat der Freude an einer für Moerser Fußballverhältnisse großen Bühne keinen wirklichen Abbruch. So sahen es am Ende auch die Spieler. „Es war eine Mischung aus geil und scheiße“, befand Kapitän Stefan Kapuscinski nach der ersten Saisonniederlage im vierten Spiel: „Wir haben offensiv durchaus mutig gespielt und sind auch durchgekommen. Wenn man aber ehrlich ist, haben wir auch einiges an Lehrgeld bezahlt.“

Marcel Kretschmer lässt SV Scherpenberg von der Überraschung träumen

Das sah auch 1:0-Torschütze Marcel Kretschmer so. Der ehemalige Uerdinger hatte seine Mannen an alter Wirkungsstätte genau zwölf Minuten lang von der großen Überraschung träumen lassen: „Wir haben nach einem guten Start einfach die Bälle zu leicht hergeschenkt. Der KFC hat Druck mit einer ordentlichen Wucht aufgebaut. Da war die individuelle Klasse zu sehen. Trotzdem liest sich das 1:6 schlechter als das Spiel aus unserer Sicht war.“

KFC Uerdingen 05 - SV Scherpenberg
Torschützen in der Grotenburg unter sich: Marcel Kretschmer (links) vom SV Scherpenberg gegen den Uerdinger Jan Bachmann im Zweikampf.© FUNKE Foto Services | Thorsten Tillmann

Das kann man zumindest für die erste Halbzeit so unterschreiben. Mit ein wenig mehr Coolness hätte es auch 2:2 zur Pause stehen können. Linksaußen Gabriel Derikx hatte im Uerdinger Strafraum blank die Ausgleichschance auf dem Schuh, versiebte aber. „Wir hatten gute Umschaltmomente. Am Ende ärgern mich vor allem die klaren individuellen Fehler, die zu Gegentoren geführt haben“, gab Trainer Sven Schützek zu Protokoll.

SV Scherpenberg lässt sich im Konter übertölpeln

Jan Bachmanns Volltreffer aus 18 Metern in den rechten Torwinkel (17.) wäre mit energischem Eingriff der Deckung vermeidbar gewesen. Das 2:1, ein Kopfballtor von Dave Fotso nach Linksfreistoß des Ex-Hombergers Luca Thissen (20.), musste sich der einen Tick zu spät reagierende Keeper Kenan Mehmedovic ankreiden lassen. Vor dem 3:1 durch den in der Regionalliga schon erprobten Japaner Daiki Kamo (41.) ließ sich die Scherpenberger Abwehr unaufmerksam von einem Konter übertölpeln. Mehr Uerdinger Treffer waren da schon drin. Aber auch das bereits erwähnte 2:2.

KFC Uerdingen 05 - SV Scherpenberg
Glücksmoment für den SV Scherpenberg in der Grotenburg: Gabriel Derikx (rechts) freut sich mit 1:0-Torschütze Marcel Kretschmer (links daneben).© FUNKE Foto Services | Thorsten Tillmann

Nach der Pause war die Restspannung der Partie im Sauseschritt entwichen. KFC-Kapitän Ole Päffgen köpfte eine Thissen-Ecke ein (50.), dann profitierte Wladimir Wagner per Hackentor (56.) von einem Fehler von Linksverteidiger Frederik Meurs, der gegen Mario Knops und Alexander Lipinski ohnehin einen ganz schweren Stand hatte. Das 1:6, wieder durch Wagner, war dann Slapstik. Keeper Mehmedovic schoss bei einem Abschlagversuch den Krefelder Mittelstürmer an, von dessen Bein der Ball ins leere Tor trudelte (62.).

KFC Uerdingens Trainer Julian Stöhr muss zahlen

„So kann man in Uerdingen nicht bestehen. Trotzdem wirft uns das 1:6 nicht um. Wir haben schon fünf Pluspunkte. Dazu hat manch ein Spieler auch etwas gelernt“, befand Scherpenbergs Trainer Sven Schützek. Sein Gegenüber Julian Stöhr muss indes trotz des Kantersieges in die Tasche greifen: Pro Tor aus einer Standardsituation heraus gibt es, so hatte es der KFC-Coach vor der Saison versprochen, zehn Euro in die Mannschaftskasse. Mit 20 Euronen war der 36-jährige ehemalige RWE-Kicker am Freitagabend dabei.

Wir haben offensiv durchaus mutig gespielt und sind auch durchgekommen. Wenn man aber ehrlich ist, haben wir auch einiges an Lehrgeld bezahlt.

Stefan Kapuscinski, Kapitän des SV Scherpenberg nach dem Freitagsspiel in Uerdingen

Coach Schützek schmunzelte bei der Frage, ob er seine Mannen nicht auch mit einem solchen Angebot locken wolle. „Ich verdiene ja nicht so viel, da würde ich maximal fünf Euro pro Tor geben“, scherzte Schützek. Dass der KFC trotz aller Probleme potenter ist als der Moerser Oberliga-Neuling, verriet allein der Blick auf die Eintrittspreise. Für einen Platz im Mittelblock der Tribüne ruft Rot-Blau stolze 25 Euro auf.

KFC Uerdingen 05 - SV Scherpenberg
Nach einer guten ersten Halbzeit musste SV Scherpenbergs Trainer Sven Schützek doch noch eine klare Niederlage beim KFC Uerdingen anerkennen.© FUNKE Foto Services | Thorsten Tillmann

SV Scherpenberg spielt am kommenden Freitag in Asberg gegen Solingen-Wald

Übrigens: Ein Scherpenberger war schon vor dem Vereinsdebüt in der Grotenburg schlecht gelaunt. „Ich bin so sauer, dass ich hier vor einer solchen Kulisse nicht spielen darf“, erklärte Mittelstürmer und Tribünenhocker Ömer Akbel. Der ist nach seiner Roten Karte aus dem Sonsbeck-Match auch noch für die Heimpartie am kommenden Freitag (19.30 Uhr, Asberger Straße) gegen Mitaufsteiger 1. Spielvereinigung Solingen-Wald gesperrt. Akbel: „Aber aus Fehlern lernt man ja.“

SV Scherpenberg: Mehmedovic - Meurs (57. Kanaan), Saiti, Becker, Kapuscinski - Karaca (61. Redam), Werner - Derikx (57. Molango), Fuhrmann (70. Jemaiel), Kretschmer - Ba. Arslanboga (79. Gatner).