Auch eineinhalb Tage später muss Maike Scheuer alles noch sacken lassen. „Es war wirklich sehr, sehr aufregend“, sagt die Hockeyspielerin vom HTC Uhlenhorst Mülheim, die bei der Hallen-Europameisterschaft in Prag erstmals in einem Turnier das Trikot der deutschen Nationalmannschaft trug – und gleich den Titel gewann.

„Ich muss das alles erstmal noch ein bisschen verarbeiten“, sagt die 23-Jährige, die erst am Montagabend aus Prag zurückgekehrt ist. „Es war eine ganz tolle Reise und die werde ich auch so schnell nicht vergessen“, sagt die Mülheimerin, die als Juniorin nie für eine U-Nationalmannschaft gespielt hat.

Mülheimerin holt mit Deutschland den Titel: Hallenhockey-EM war Achterbahn der Gefühle

Dabei war die EM aus Sicht ihrer Mannschaft ein echtes Auf und Ab der Gefühle. Der zweifache Titelverteidiger rauschte nicht unbedingt durchs Turnier, sondern leistete sich nach dem Auftaktsieg ein Unentschieden und eine Niederlage. „In einem Moment waren wir gefühlt raus aus dem Turnier, dann haben wir doch noch das Halbfinale erreicht, das waren schon sehr krasse Emotionen“, spielt die Uhlenhorsterin auf das dramatische 5:3 gegen Belgien im letzten Gruppenspiel an.

Maike Scheuer mit dem EM-Pokal. Die Hockeypielerin wurde mit Deutschland Hallen-Europameister.
Maike Scheuer mit dem EM-Pokal.© Privat | Scheuer

Beim zwischenzeitlichen Stand von 0:3 gegen das westliche Nachbarland war Deutschland raus aus dem Turnier, wäre in der Vorrunde ausgeschieden. Doch die deutschen Frauen kamen zurück, glichen aus, ehe Maike Scheuer selbst für die 4:3-Führung sorgte. Einer ihrer sechs Turniertreffer. Damit gehörte sie zu den vier wichtigsten Torschützinnen, die 26 der 30 deutschen Tore unter sich ausmachten.

Hallenhockey-Europameisterschaft der Frauen: Mülheimerin schießt sechs Tore für Deutschland

Mit dem 5:3 zogen die deutschen Damen doch ins Halbfinale ein, schlugen da Spanien nach 2:4-Rückstand noch im Penaltyschießen, um im Finale Gastgeber Tschechien mit 5:2 zu besiegen. „Wir sind in jedem Spiel rangegangen, als ob es das Endspiel gewesen wäre und haben immer weiter an uns geglaubt“, sagt die Stürmerin, die zu ihrer eigenen Performance sagt: „Ich bin ganz zufrieden, wie das erste Turnier für mich verlaufen ist. Ich hätte nicht gedacht, dass ich sechs Tore schieße.“

Nach dem Finalsieg blieb noch gebührend Zeit zum Feiern, denn die Deutschen reisten erst am Montag aus Prag ab. Am Wochenende wird Maike Scheuer schon wieder für den HTC Uhlenhorst in der Bundesliga auf der Platte stehen. „Zum Glück haben wir den Klassenerhalt ja schon geschafft“, sagt die frischgebackene Europameisterin.

Weckt der Erfolg nun Begehrlichkeiten, so dass der HTCU zittern muss, seine nächste Leistungsträgerin bald zu verlieren? „Ach, damit will ich mich gar nicht beschäftigen. Ich fühle mich super wohl am Uhlenhorst, weil das mein Verein ist“, sagt Maike Scheuer. An der großen Bühne hat sie aber durchaus Gefallen gefunden. Im kommenden Jahr findet die Hallen-WM statt. „Das wäre natürlich mega, wenn man nochmal gesehen würde.“