Als Maximilian Stahmann einen der letzten Bälle aus dem eigenen Kreis herauskloppte, wurde das bei Spielern und Fans des HTC Uhlenhorst Mülheim bejubelt wie ein eigener Treffer. Kurz darauf stand fest: Der Deutsche Rekordmeister gehört wieder zu den besten vier Hockeyteams in Deutschland und fährt erstmals seit 2021 wieder zum Final Four nach Bonn! Vorausgegangen war aber eine irre Aufholjagd der Grün-Weißen!

Nach dem Spiel versammelten sich mehrere Spieler erst einmal um ein Smartphone. Am anderen Ende des Videoanrufs: Keeper David Harte, den Lukas Windfeder tags zuvor im zweiten Viertelfinalspiel bei einer unglücklichen Situation ausgeknockt hatte und der schon am Sonntagmorgen wieder auf dem Rückweg in seine irische Heimat war. So feierte der erst 17-jährige Janus Schiffer eine unerwartete Feuertaufe.

Zweimal Neun-Tore-Spektakel beim Club an der Alster

Und der Superlativ ist wenig übertrieben, denn beide Mannschaften schalteten nach den torlosen ersten 60 Minuten am Uhlenhorst offensiv noch einmal einige Gänge nach oben. Zweimal neun Tore wurden den Zuschauern am Pfeilshof geboten. Schon am Samstag kam der HTCU nach einem 2:4-Rückstand zurück, konnte die Serie dann aber doch noch nicht in zwei Spielen beenden, weil der Club an der Alster mit dem 5:4 das bessere Ende für sich hatte.

Mit diesem Erfolg im Rücken führten die Hausherren auch am Sonntag schnell mit 2:0. Sanda verkürzte, doch unmittelbar vor der Pause schockte ein Hamburger Doppelschlag den HTCU – 1:4! „Ich habe selber nicht mehr dran geglaubt“, lachte Stürmer Lukas Mertgens hinterher am Dyn-Mikrofon. Er sollte noch eine ganz wichtige Rolle spielen.

Doppelter Mertgens: „In so einer Sekunde denkt man gar nichts“

Erst verkürzte Hellwig per selbst herausgeholtem Siebenmeter, dann wurde Mertens zweimal hintereinander wunderbar im Kreis freigespielt und blieb zweimal vor dem schottischen Keeper Thomas Alexander eiskalt. „In so einer Sekunde denkt man gar nichts. Man kriegt den Ball und bringt ihn aufs Tor. Wenn er dann drin ist, hat man nichts dagegen“, lachte Mertgens.

HTC Uhlenhorst spielt gegen den Club an der Alster Mülheim a.d. Ruhr
Jan Schiffer erzielte das Goldene Tor zum 5:4 für den HTC Uhlenhorst Mülheim in Hamburg.© FUNKE Foto Services | Uwe Möller

Die wilden Minuten für den HTCU machte dann Kapitän Jan Schiffer mit dem 5:4 perfekt. Lukas Mertgens hob aber hinterher vor allem den früheren Spielführer Lukas Windfeder heraus. „Der reißt einen so unfassbar mit“, meinte Mertgens.

Das sagt Trainer Thilo Stralkowski zu den beiden Viertelfinalkrimis in Hamburg

„Es wäre gelogen, wenn ich nicht sagen würde, dass das 1:4 ein herber Rückschlag war“, meinte Trainer Thilo Stralkowski hinterher. „Wir müssen aber schon vorher eigentlich das 2:2 machen und haben dann das dritte Viertel komplett dominiert“, argumentierte der Uhlenhorster Coach, warum der Erfolg in seinen Augen am Ende verdient war. Er wusste aber auch: „Wenn das zweite Tor durch den Siebenmeter nicht gefallen wäre, dann wäre es extrem schwer gewesen.“ Gleiches gilt für eine Hamburger Ecke gleich zu Beginn des Schlussviertels, die knapp links vorbeigeht. Machen die Hamburger dort das 5:2, wären wohl sie zum Final Four gefahren.

Feldhockey Bundesliga Playoff: HTC Uhlenhorst - Club an der Alster
Thilo Stralkowski führte den HTC Uhlenhorst zum zweiten Mal zum Final Four.© FUNKE Foto Services | Oliver Müller

„Das zeichnet einfach diese Truppe aus. Unglaublich, mit wie vielen Rückschlägen wir diese Saison schon umgehen mussten. Timm Herzbruch war nicht dabei und dann noch die Sache mit David Harte. Aber die Jungs sind immer gewillt, alles zu versuchen“, lobte Stralkowski. Der Coach weiter: „Dass wir das spielerisch bessere Team sind, das wussten wir vorher. Aber Alster ist halt unfassbar gut darin, aus wenigen Chancen Tore zu machen.“

Mertgens schickt Kampfansage in Richtung Köln

Der HTCU fährt am kommenden Wochenende nach Bonn und trifft auf Rot-Weiss Köln. „Köln gegen Mülheim in Bonn, das ist doch echt perfekt“, freut sich Trainer Stralkowski auf den West-Klassiker. „Es ist jetzt auch wieder lange her für den Verein und meiner Meinung nach höchst verdient“, meinte Stürmer Lukas Mertgens und erinnerte an das bittere Aus gegen Alster vor zwei Jahren. „Da waren wir Erster und Alster Achter, da sahen wir dann dumm aus.“ Jetzt war es beim Duell drei gegen sechs gewissermaßen andersherum. Beim HTCU freuen sie sich auf das ewig junge Duell gegen Rot-Weiss. „Uhlenhorst gegen Köln ist immer ein geiles Spiel und wir werden es ihnen auf jeden Fall nicht leicht machen“, versprach Mertgens.

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