Es lief bereits die fünfte Minute der Nachspielzeit: Nach einem Konter des Wuppertaler SV eroberte Nico Klaß per Monstergrätsche gegen Kilian Bielitza den Ball und leitete direkt den Gegenangriff ein, an dessen Ende Lucas Halangk den 3:2-Siegtreffer von Rot-Weiß Oberhausen erzielte. „Das war das verrückteste Spiel, was ich je für RWO gespielt habe. Oder sagen wir mal, die verrückteste Schlussphase“, brachte der Kleeblatt-Kapitän seine Gefühlslage nach Abpfiff auf den Punkt.

In der Tat war es ein an Dramatik kaum zu überbietender Fußball-Abend gewesen, den die 2436 Zuschauer im Stadion am Zoo da erlebt hatten. Nach einer torlosen ersten Halbzeit hatte Moritz Stoppelkamp, der erstmal seit dem Velbert-Heimspiel Ende August mal wieder in der Startelf stand, die Rot-Weißen mit 1:0 in Führung gebracht. Doch innerhalb von nur sechs Minuten drehten die Gastgeber die Partie. Während Daiki Kamo den Ausgleich erzielte, verwandelte Ronay Arabaci einen Foulelfmeter. Zuvor hatte Simon Ludwig Vincent Schaub gefoult und dafür von Schiedsrichter Luca Marx die Rote Karte gesehen.

Die RWO-Spieler feiern den 3:2-Sieg beim Wuppertaler SV.
Die RWO-Spieler feiern den 3:2-Sieg beim Wuppertaler SV.© FUNKE Foto Services | Stefan Rittershaus

RWO-Trainer Gunkel: „Man muss sich schon fast ein bisschen entschuldigen“

Fast alles sprach jetzt gegen die Gäste, die aber wie Phönix aus der Asche stiegen und das Spiel tatsächlich noch erfolgreich drehten. Erst ein Eigentor durch Wuppertals Toshiaki Miyamoto per Kopf (wobei der Treffer letztlich Luca Schlax zugeschrieben wurde) und unmittelbar vor Schlusspfiff Halangk verwandelten den Gästeblock in ein Tollhaus. „Unglaublich, was da heute abgelaufen ist“, ring auch RWO-Trainer Sebastian Gunkel ein wenig nach Worten nach dem dramatischen Schlussakt in Wuppertal. „Man muss sich schon fast ein bisschen entschuldigen, weil wir heute nicht die bessere Mannschaft waren. Wuppertal hat das sehr gut gemacht und war sehr griffig. Wir hatten da unsere Probleme mit Ball, die entsprechenden Lösungen zu finden.“

Doch trotz der teils durchwachsenen Leistung gerade in den ersten 45 Minuten stand am Ende der siebte Saisonsieg für die Kleeblätter zu Buche. „Ich bin jetzt schon recht lange dabei, das sind Spiele, die man nicht so oft erlebt. Meistens ist es so, dass man auf der anderen Seite ist und als Verlierer vom Platz geht, aber heute sind wir die Glücklichen. Was man der Mannschaft zugutehalten muss und was in der Truppe so besonders ist, so wie sich das in den letzten Wochen entwickelt hat, ist, dass man trotz Unterzahl und Rückstand nicht aufgibt, sondern trotzdem alles probiert“, so Gunkel. „Das ist das, was dann am Ende die Punkte bringt. Zu dem Zeitpunkt waren wir mit dem einen Punkt zufrieden, sind jetzt aber überglücklich, dass es am Ende drei Punkte geworden sind. Für die Fans, die uns nach Wuppertal begleitet haben, war das sicherlich ein schöner Abend.“

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WSV-Trainer Sebastian Tyrala hadert mit dem Auftritt seiner Mannschaft in Überzahl

Einen deutlich weniger schönen Abend hatte derweil sein Gegenüber, WSV-Coach Sebastian Tyrala, zu kommentieren, der in der anschließenden Pressekonferenz deutliche Worte über das Auftreten seiner Spieler in Überzahl fand. „Solche Spiele habe ich auch selten erlebt. Aber nach der Roten Karte für RWO haben wir uns absolut in die Hose gemacht. Keiner wollte mehr den Ball haben, es wurde nur noch verteidigt. Du bist ein Mann mehr und machst dir so ins Hemd. So kannst du dann halt auch nicht bestehen.“