Neue Bestattungsformen

Bestattungsunternehmen aus Rees bietet Ballonbestattungen an

Anja und Achim Klaczynski zeigen wie ein Ballon aussieht, der mit Asche gefüllt, in die Luft steigt.

Anja und Achim Klaczynski zeigen wie ein Ballon aussieht, der mit Asche gefüllt, in die Luft steigt.

Foto: Konrad Flintrop

Rees.  Das Reeser Bestattungsunternehmen Klaczynski bietet in Megchelen Ballonbestattungen an. Die Ballons steigen bis zu 25 Kilometer hoch.

Die letzten Sonnenstrahlen stehen am Himmel, als der große weiße Ballon langsam zum Himmel aufsteigt. Nur wenige Sekunden später folgen ihm viele kleine Luftballons, die die Kinder ihrer Oma hinterher schicken. Ihrer Oma? Sie hat es geliebt, in den Himmel zu schauen, das Wolkenspiel zu beobachten, aber sie war auch eine gläubige Frau, die dem lieben Gott nahe sein wollte. Als die Familie las, dass in den Niederlanden Ballonbestattungen möglich sind, befasste sie sich intensiv mit dieser Bestattungsform. Und wählte sie für die Großmutter.

Hochwertiges Material

Anja und Achim Klaczynski haben im neuen Seniorenratgeber der Stadt Rees die Ballonbestattung vorgestellt. Anders als man denken könnte, steigen die Angehörigen nicht in einen Heißluftballon, um die Asche eines Verstorbenen aus der Luft heraus zu verstreuen. Vielmehr steigt ein Ballon aus hochwertigem Naturlatex mit der Asche des Verstorbenen gen Himmel.

„Das ist allerdings nur in den Niederlanden erlaubt“, macht Anja Klaczynski deutlich. Daher arbeitet ihr Bestattungsinstitut mit einem niederländischen Kollegen zusammen. „Wir haben in Megchelen, direkt hinter der Grenze zu Millingen, ein Ehepaar gefunden, dass eine große wunderschöne Wiese mit einem großen, natürlichen Seerosenteich besitzt. Hier dürfen wir die Zeremonie durchführen“, erzählt die Millinger Bestatterin. „Die Asche, die wiederum in eine zweite Hülle gefüllt wurde, wird vor Ort in einem speziellen Wagen von unserem niederländischen Kollegen in den Ballon eingelassen. Anschließend gibt er Helium dazu.“ Helium ist ein ungiftiges, nicht brennbares Gas, das einen Teil der Atmosphäre ausmacht. Der Ballon besteht aus einem biologisch schnell abbaubaren Material, das die Umwelt nicht verschmutzt.

Auf Wunsch loslassen

Wenn das Wetter es erlaubt, sich eine offene Wolkendecke auftut, wird der gefüllte Ballon, der einen Durchmesser von zirka 1,5 Metern hat, den Angehörigen übergeben, die ihn loslassen, so dass er langsam in den Himmel steigt und bei günstiger Witterung bis zu 30 Minuten zu sehen ist. Während des Aufsteigens nimmt der Luftdruck um den Ballon ab, wodurch er sich ausweitet. In der Höhe von 20 bis 25 Kilometern ist der Druck auf die Ballonwand so hoch, dass er platzt, die Asche sich in alle Himmelsrichtungen verteilt.

„Oftmals schreiben Angehörige kleine Briefe oder heften Blumen an weitere Ballons, die dann dem Ballon mit der Asche des Verstorbenen folgen“, sagt Anja Klaczynski.

Der aufsteigende Ballon symbolisiert die Reise der Seele und kann auch an einem Strand, Fluss oder Lieblingsplatz in den Niederlanden aufgelassen werden. Voraussetzung ist nur, dass rundum genug Platz vorhanden ist, um den Ballon sicher aufsteigen zu lassen.

Abschied inmitten der Natur

In Megchelen besteht diese Möglichkeit auf einer Wiese. Das Ehepaar Klaczynski bringt auf Wunsch Musik und Stehtische mit, hält Sekt und Kaltgetränke bereit, so dass Angehörige inmitten der Natur würdig Abschied nehmen können.

Zunehmend erleben die Bestatter, dass Menschen vorausschauend für sich selbst eine persönliche Bestattungsform suchen. „Mal sind es Segler, die sich nach Seebestattungen erkundigen, während der Segelflieger sich für die Ballons interessiert“, hat Anja Klaczynski beobachtet.

Vor neun Jahren absolvierte sie ihre Ausbildung, während ihr Mann, gelernter Schreiner, über 40 Jahre als Bestatter tätig ist. „Vieles hat sich in diesen Jahren geändert. Wir können viel mehr auf die Wünsche eingehen und Trauerfeiern persönlicher gestalten. Vieles ist machbar. Und wir bemühen uns, was möglich ist umzusetzen.“ Viele Formen werden auch, wenn gewünscht, von den Priestern mitgetragen. „Nur bei anonymen Bestattungen haben wir eine Absage erhalten“, erzählt Anja Klaczynski.

>>> WAS IN DEN NIEDERLANDEN MÖGLICH IST

In Deutschland darf auf kommunalen oder kirchlichen Friedhöfen, aber auch in Friedwälder oder Ruheforste sowie in der Nord- und Ostsee beigesetzt werden. Eine Aufbewahrung der Urne zuhause oder im eigenen Garten ist nicht erlaubt.

Wer den Rhein liebt, interessiert sich oft für Flussbestattungen, die in den Niederlanden erlaubt sind. Die Trauergemeinde kann in Emmerich an Bord gehen.

Eine Ballonbestattung in den Niederlanden kosten zirka 3000 Euro.

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