Kirchenhistorische Freunde waren es wohl nicht, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts den spätgotischen Lettner in der St. Martini-Kirche zu Emmerich abrissen und die Teile als Füllmaterial für den Boden nutzten. Jetzt sind Überreste des Lettners wieder in der Martini-Kirche zu sehen. Und zwar in drei Vitrinen, die am Eingang zum Kirchturm stehen.
Was ist ein Lettner? Es handelt sich um eine – in diesem Fall – steinerne, hohe Schranke, die den Hochchor der Kirche mit dem Chorgestühl für das Stiftskapitel vom übrigen Kircheninneren abtrennte, das für die Versammlung der Gläubigen bestimmt war.
Wegen Hochwasser: Der Kirchenboden wurde um einen Meter erhöht

Warum wurde der Lettner entfernt? Regelmäßig drang Hochwasser in die Kirche, die dann nicht mehr nutzbar war. Deshalb wurde der Kirchenfußboden um einen Meter erhöht durch eine Sandauffüllung. Hierbei wurde wohl der Lettner abgebrochen. Über den Verbleib war lange nichts bekannt.
Doch als die Martini-Kirche vor über 30 Jahren umfassend renoviert und der Fußboden auf das ursprüngliche Niveau gesenkt wurde, fand man im Füllmaterial über 3000 Kalksteine – die Trümmer des Lettners. Eine Sensation für die Beteiligten damals. Die Lettnerreste wurden sorgfältig geborgen und in die Kellerräume der Kirche gebracht, wo sie noch heute liegen.
Zeichnungen von Jan de Beijer zeigen den Lettner von damals

Zum Glück liegen drei erhaltene Federzeichnungen von Jan de Beijer aus den 1730er-Jahren vor. Sie zeigen den gewaltigen, spätgotischen Lettner der Martini-Kirche. Eine dieser Zeichnungen konnte die Kirchengemeinde einst mithilfe des damaligen Klever Museumsdirektors Dr. Guido de Werd ankaufen.
Um nun einen kleinen Einblick in die ehemals kostbare Ausführung des Lettners zu geben, haben Dr. Helmut Flintrop, Kurt Kaster und Pfarrer Bernd de Baey einige Stücke exemplarisch in den drei Vitrinen ausgestellt. Eine Foto der Federzeichnung von Jan de Beijer liegt dem bei, wodurch Interessierte eine Vorstellung der Pracht des Lettners haben.


