Wer sich auf einer Bank im Rheinpark zu einem gemütlichen Plausch trifft, muss schon über eine kräftige Stimme verfügen. Ansonsten hat der Sitznachbar vermutlich Schwierigkeiten, alles zu verstehen. Denn die Saatkrähen sind da. Und mit den gefiederten Flugtieren auch alle ihre unangenehmen Begleiterscheinungen wie Lärm und Exkremente.
Saatkrähen sind in Emmerich seit mehreren Jahren ein Problem
Schon seit Jahren versucht die Stadt Emmerich dem Problem Herr zu werden. Doch das ist nicht ganz einfach. Denn Saatkrähen stehen unter einem besonderen Schutz. Mit einer Ausnahmegenehmigung konnten Mitarbeiter der Kommunalbetriebe in den vergangenen Jahren die Nester aus den Baumkronen entnehmen.
Keine Ausnahmegenehmigung mehr durch den Kreis Kleve
Auch interessant
Doch diese Ausnahmegenehmigung wurde dieses Mal vom Kreis Kleve nicht mehr erteilt. „Als Begründung wurde uns mitgeteilt, dass trotz der Entnahme die Population noch gestiegen ist“, erläutert Regina Pommerin, bei der Stadt zuständig für Fragen rund um den Naturschutz.
Die Stadt geht daher nun neue Wege. In zwei Versuchsbäumen wurden oben in der Krone kleine sich drehende Rasensprenger angebracht. „Es gibt aus den USA Berichte, dass dort Fischreiher durch Rasensprenger, die über Bewegungsmelder funktionieren, aus den Gärten ferngehalten werden“, berichtet Emmerichs Klimaschutzmanagerin Hanna Kirchner den Hintergedanken zum Modellprojekt.
Wasser hindert Saatkrähe am Nestbau
Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sei es möglich, dass Wasser und Feuchtigkeit die Tiere am Nestbau hindere. Daher hat sich die Stadt dazu entschlossen, hier eine Vorreiterrolle einzunehmen. Denn andere Kommunen, die ähnliche Versuche gegen die Saatkrähen vornehmen, sind nicht bekannt.

Jeweils morgens und abends, wenn der Rheinpark und insbesondere die Spielplätze weniger stark frequentiert sind, wird für einige wenige Minuten die Berieselungsanlage per Zeitschaltuhr eingeschaltet. „Die Zeit ist auch deshalb kurz gewählt, damit kein Gewöhnungseffekt eintritt“, so Kirchner. Denn genau dies sei zu beobachten gewesen, wo die Vögel mittels Beschallung durch Lautsprecher vertrieben werden sollten.
Emmericher Modellversuch könnte im Rheinpark ausgeweitet werden
Da es sich um einen Modellversuch handelt, ist es durchaus möglich, dass bei einem entsprechenden positiven Effekt weitere Bäume im Rheinpark mit einer Beregnungseinrichtung ausgestattet werden. Ganz grundsätzlich lässt sich sagen: Die Installation der Beregnungsanlagen führt auch zu deutlichen Kosteneinsparungen im Gegensatz zur Entnahme der Nester mittels eines Hubsteigers.
Lesen Sie auch diese Nachrichten aus Emmerich und Umgebung
- Emmerich: So ist es um die Emmericher Finanzen bestellt
- Emmerich: Lehrermangel im Kreis Kleve
- Rees: Ein Wimmelbuch für Rees
- Anholt: Die DRK-Kita in Anholt wird erweitert
- Lesen Sie hier alle Nachrichten aus Emmerich, Rees und Isselburg
Vor Ort werden entsprechende Hinweise angebracht. Die Rheinpark-Besucher müssen sich daher keine Sorgen machen, von einer unerwarteten Dusche überrascht zu werden. Auch die Anwohner wurden über die neue Maßnahme informiert. Zudem werden sie – wie jedes Jahr – auch um Mithilfe gebeten.
Schreiben an die Anwohner des Rheinparks in Emmerich
Der Brief an die Anwohner enthält einige Verhaltensregeln, um die Nahrungssuche den schon niedergelassenen Saatkrähen zu erschweren und nicht noch mehr Vögel anzulocken:
- Saatkrähen sollten nicht gefüttert und Lebensmittel oder Essensreste nicht unachtsam weggeworfen werden. Dies gilt generell für alle Besucher des Rheinparks.
- Lebensmittel oder Essensreste sollten in Rheinparknähe keinesfalls offen auf den Kompost gegeben werden.
- Im Innenstadtbereich sollten keine Abfälle und Essensreste in Säcken oder Kartons im Freien oder neben den Mülltonnen oder auf Balkonen gelagert werden, da die Krähen diese aufpicken, um an die Nahrungsreste zu gelangen.
- Mülleimer und Abfalltonnen sollten immer geschlossen bleiben und Lebensmittelreste, die zum Beispiel beim Grillen anfallen, sorgfältig weggeräumt oder entsorgt werden.
„Siedelten die intelligenten Vögel in der Vergangenheit überwiegend in der freien Landschaft, zieht es sie inzwischen immer mehr in den menschlichen Siedlungsbereich, in Stadtparks, Friedhöfe, Grünanlagen oder kleinere Laubbaumbestände. Als ‘Kulturfolger‘ haben diese Vögel gelernt, die Nähe des Menschen zu schätzen, wo der Tisch an Abfällen reich gedeckt ist“, erklärt Regina Pommerin.
>> Die Saatkrähe ist eine besonders geschützte Art
Die Saatkrähe (Corvus frugilegus, Vogel des Jahres 1986) gehört zur Familie der Rabenvögel und ist ein sehr intelligentes, soziales und anpassungsfähiges Tier. Sie hat eine Körperlänge von etwa 46 cm, wiegt zwischen 400 und 500 Gramm und hat ein schwarzes (metallisch glänzendes) Gefieder sowie schwarze an den Schenkeln befiederte Beine. Unverkennbar ist ihr langer spitzer Schnabel mit der hellgrauen unbefiederten Schnabelbasis, der sie von der gleichgroßen Rabenkrähe unterscheidet.
Bei Saatkrähen handelt es sich um eine nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützte Art, die weder bejagt noch getötet, noch beim Brüten gestört werden darf. Die Belastungen, die in Form von Verunreinigungen und Lärm von den Saatkrähen ausgehen, haben in den letzten Jahren insbesondere im Innenstadtbereich kontinuierlich zugenommen. Allerdings: Es geht – laut Gesundheitsbehörde des Kreises Kleve – keine Gesundheitsgefahr vom Kot der Saatkrähen aus.



