Neuer Flussarm

Unterwegs auf Emmerichs neuem Flussarm am Rhein

Klaus Markgraf-Maué begutachtet den neuen Seitenarm des Rheins.

Klaus Markgraf-Maué begutachtet den neuen Seitenarm des Rheins.

Foto: Andreas Gebbink

Emmerich.   In der Rheinaue bei Emmerich ist ein neuer, zwei Kilometer langer Flussarm entstanden, der Lebensraum für Fisch- und Vogelarten bieten soll.

Mit großen Schritten stapft Klaus Markgraf-Maué in seinen Gummistiefeln am Ufer entlang. Es ist herrliches Wetter, es hat in der Nacht etwas gefroren, die Luft ist klar – ein Traum. Der Biologe der Nabu-Naturschutzstation Niederrhein ist heute auf Erkundungstour. Zum ersten Mal seit der Hochwassertage im Januar inspiziert er die frisch angelegte Nebenrinne des Rheins in der Emmericher Ward.

Es ist eines der größten Naturschutzprojekte am unteren Niederrhein und Klaus Markgraf-Maué hat ganz entscheidenden Anteil daran, dass der Rhein wieder eine kleine Auenlandschaft erhalten wird und einen fast ganzjährig durchströmten Seitenarm erhalten hat: „Ich bin mit den bisherigen Ergebnissen sehr zufrieden“, sagt er nach einer gut zweistündigen Wanderung.

Wo nur der Biber wohnt

Das Gelände ist schwer zugänglich. Die Zufahrt zur Emmericher Ward erfolgt über die Steinfabrik Muhr. Im Sommer wie im Winter ist westlich der Rheinbrücke kaum jemand zu sehen: „Na ja, ab und an ein illegaler Angler, der Bisamfänger und der Biber“, scherzt Klaus Markgraf-Maué, der die Stille an diesem Wintermorgen sichtbar genießt. Sein geschultes Ohr hört zahlreiche Vogelstimmen, und noch bevor in der Luft etwas zu sehen ist, hat er bereits Stare, Brachvogel, Wasserläufer, Kanadagänse und Weißwangengänse ausgemacht.

Die neue Nebenrinne des Rheins entwickele sich prächtig. Durch das Hochwasser wurde das Flussbett neu geformt. Der Biologe erkennt die ersten neuen Kies- und Sandablagerungen im Uferbereich: „Genau so wollen wir es haben“, sagt er. Durch das starke Wassertreiben im Januar haben sich auch einige steile Uferböschungen gebildet: „Das ist ein idealer Brutraum für Eisvögel und Uferschwalben.“

Fast 17 Jahre lang hat Klaus Markgraf-Maué sich für diesen Flusslauf eingesetzt. 2001 starteten die ersten Planungen, im November 2017 fuhren die letzten Bagger von der Baustelle. Zwei Kilometer umfasst der Rheinarm, der jetzt vielen Vogel- und Fischarten ein neues Zuhause bieten soll. An 270 Tagen im Jahr wird der Rhein das Gelände durchströmen: „Das ist aus ökologischer Sicht eine ideale Sache“, so Markgraf-Maué.

Ein neuer Auenwald ist entstanden

An der Spitze des neuen Flusslaufes befinden sich bereits gut sieben Hektar Auenwald. In Rheinnähe stehen Pappeln, Weiden und andere Weichgehölze. In Deichnähe wird gerade ein 22 Hektar großer Auenwald angepflanzt, unter anderem mit Eichen, Ulmen und Pappeln. Sie sollen den natürlichen Lebensraum des Niederrheins wieder darstellen. Die Anpflanzung der Bäume passt nicht allen Projektbeteiligen. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung achtet genau auf die Abflussmengen des Rheins und sieht Totgehölz im Wasser als Gefahrenpotenzial für die Deiche.

Klaus Markgraf-Maué sieht hingegen eher die Vorteile: Durch die Begradigungen des Flusslaufes in der Vergangenheit und die strikten Regeln der Schifffahrt habe man der Natur viel Lebensraum genommen.

Der zwei Kilometer lange Seitenarm sei auf der Gesamtlänge des Rheins von 1233 Kilometern nur ein kleiner Hotspot für die Natur. Der Biologe fände es schön, wenn in naher Zukunft der Maifisch wieder am Rhein laichen würde: „Wir haben ein offenes, dynamisches System geschaffen, die Natur wird ihren Weg jetzt finden.“

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