Kunstmesse

Die Artpul in Emmerich bestach durch großartige Vielfalt

Die künstlerische Vielfalt der Artpul war erstaunlich.

Die künstlerische Vielfalt der Artpul war erstaunlich.

Foto: Thorsten Lindekamp

Emmerich.   Die Besucherzahlen der Artpul – oder art’pu:l – im Emmericher PAN waren diesmal nicht so gut, wie 2016. Warum die Messe sehr überzeugend war.

Art’pul:l – die Messe für aktuelle Kunst – rief nach 2016 zum zweiten Mal in das PAN Kunstforum nach Emmerich. Auf einer Gesamtfläche von 1700 Quadratmetern zeigten 43 Künstler aus Deutschland und den Niederlande zeitgenössische Kunst. Das PAN – untergebracht in den ehemaligen Produktionshallen der Schokoladenfabrik Lohmann – bietet mit seiner archaischen Bauweise eine ideale Kulisse für diese Ausstellung. Bürgermeister Peter Hinze stellte in seiner Begrüßungsrede dann auch die richtige Frage: Gibt es bald eine dritte Artpul im PAN?

Kunstpreis für Moritz Albert

Natürlich warteten alle gespannt auf den diesjährigen Preisträger des mit 500 Euro dotierten Kunstpreises der Stadt Emmerich. Hinze zeichnete den von einer dreiköpfigen Jury gewählten Preisträger Moritz Albert, 31 Jahre alt, Maler aus Solingen, aus. In seiner Laudatio begründete Jo Pellenz, Mitorganisator und selbst Künstler, die Wahl der Jury mit der Authentizität und Gradlinigkeit, mit der Moritz Albert die Kunst des Porträts verfolge. Es handele sich um einen Künstler, der eben nicht dem Mainstream verfallen sei.

In einer entspannten, freundlichen Atmosphäre nutzten viele Besucher die Gelegenheit, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. „Und gerade das ist es, was wir wollen, praktisch das Markenzeichen der Ausstellung“, so Christiane van Haaren, künstlerische Leiterin des PAN: die Kommunikation zwischen Kunstschaffenden und Besuchern.

Doch bevor die Besucher, bewaffnet mit einem top gestalteten Katalog, die Künstler ihrer Wahl aufsuchten, gab ihnen Jo Pellenz als Sprecher der Kunstfirma a2b den Rat, auch als Bitte zu verstehen: „Holen Sie das Scheckbuch heraus und haben Sie viel Spaß dabei“, denn die Artpul ist neben der Informations- und Kontaktstelle für moderne Kunst auch eine Verkaufsveranstaltung.

Schwerpunkt lag auf Malerei

Was die Künstler den Besuchern an moderner Kunst anboten, war wunderbar. Schon ein erster Blick in den Katalog ließ hohe Erwartungen aufkommen. Schwerpunkte waren die Malerei, gefolgt von Skulpturen und Fotografien bis hin zu Zeichnungen und Objektkunst. Zwei Künstler präsentierten die Kunstform Collage, in einem Fall in 3D-Technik.

Der Fächer der Malerei war breit, vom gegenständlichen zum abstrakten, ästhetisch oder einfach „nur“ schön, aber auch voller Botschaften, die es zu ergründen galt. Oft sind die Grenzen zwischen abstrakten und gegenständlichen schwimmend, sogar im einzelnen Bild. Eine Malerin erklärt die Frage der körperlichen Perfektion am… Makel. Ein Künstler

versucht in der Abstraktion zusätzlich durch besondere Techniken und Materialien Stimmungen und Gefühle bei dem Betrachter hervor zu rufen. Daneben Skulpturen aus verschiedenen Materialien, selbsterklärend oder geheimnisvoll, Filigranes in Vollendung. Alles in perfekter Ausführung. Bei den Zeichnungen waren bemerkenswerte Experimente zu bestaunen. Und diese Fotografien, die mit Wucht reinhauen, wo durch Inszenierungen die negative Prägung eines Raumes gemildert wird. Welch eine Idee! Daneben verschwommene Fotos zur eigenen Interpretation einladend.

Es hätte alles so schön sein können, doch leider blieben die Besucherzahlen am Freitag und Samstag hinter den – zugegeben hohen Erwartungen basierend auf dem Jahr 2016 – zurück.

>>Preisschilder: überraschend bescheidene Forderungen

Zur preislichen Orientierung waren an vielen Kunstwerken Preisschilder angeheftet. Es ist sehr zu vermuten, dass die Besucher überrascht waren über die bescheidenen Forderungen der Künstlerinnen und Künstler.


Fazit: Und, wie soll nun der Besucher mit dieser Vielfalt der modernen Kunst umgehen? Jo Pellenz empfiehlt: „Suche dir aus dem großen Blumenstrauß der modernen Kunst deine Blüte.“

Eine Formel, mit der man eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst sich erobern kann: Gehe hin, schaue, staune, hinterfrage, empfinde, und dann urteile.

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