Jägerprüfung

Elisa Maas aus Millingen ist die jüngste Jägerin in NRW

Elisa Maas ist mit 15 Jahren die jüngste Jägerin in NRW. Innerhalb von nur zwölf Tagen hat sie die Prüfung bestanden.

Foto: Thorsten Lindekamp

Elisa Maas ist mit 15 Jahren die jüngste Jägerin in NRW. Innerhalb von nur zwölf Tagen hat sie die Prüfung bestanden. Foto: Thorsten Lindekamp

Millingen.   Die Millingenerin legte mit 15 Jahren die Prüfung ab. Wie sie das schaffte, obwohl man in NRW erst mit 16 Jahren zugelassen werden kann.

Elisa hat’s geschafft. Innerhalb von nur zwölf Tagen. „Also in der kürzest möglichen Zeit“, ist ihr Vater André Maas stolz. Elisa Maas, Schülerin am Gymnasium Aspel der Stadt Rees, hat jüngst die Jägerprüfung bestanden. Keine leichte Aufgabe, worauf schon die Tatsache hinweist, dass die Prüfung landläufig „das grüne Abitur“ genannt wird. Das Besondere: Elisa Maas ist mit ihren 15 Lenzen die jüngste Jägerin in NRW.

Geht nicht, mögen einige sagen. Weil man in NRW erst mit 16 Jahren zur Jägerprüfung zugelassen werden darf. Stimmt! Aber Elisa hat ihre Prüfung im Saarland abgelegt, in Altforweiler im Landkreis Saarlouis. Und dort kann man schon mit 15 Jahren antreten. Vorausgesetzt, dass die Eltern ihr Einverständnis erklären. Ein polizeiliches Führungszeugnis musste natürlich ebenfalls vorgelegt werden.

Viel vom Vater in Feld und Flur gelernt

Elisas Motivation: „Einerseits wollte ich noch mehr über das Wild und die Natur lernen und andererseits benötige ich einen Jagdschein, um unseren Jagdhund auszubilden“, sagt die Millingenerin. Vieles hat sie dabei längst von Vater André, ebenfalls Jäger, gelernt. Wenn der Deutsch Kurzhaar namens Otto mit Elisa in Feld und Flur unterwegs ist, sucht er immer den Blickkontakt zu ihr und folgt ihren Kommandos.

Schon als Elisa zwei Jahre alt war, deutete sich an, dass Natur und Hege mal einen großen Raum in ihrem Leben einnehmen könnten. „Sobald mein Mann von der Arbeit heimkam und mit Rad und dem Hund durchs Revier fahren wollte, drängte sie darauf mitkommen zu dürfen“, erzählt ihre Mutter Claudia.

Säckeweise Maiskolben standen im Schuppen

Damals hieß die Spürnase noch Ilex. Elisa war aber nicht nur bei den Streifzügen mit Ilex durch das 800 Quadratmeter große Bienener Revier mit von der Partie, sie sammelte auch schon früh mit Schwester Anabel, heute 17, die letzten Maiskolben von den abgeernteten Feldern, um sie im Winter wieder im Revier auszubringen, damit Niederwild wie Hase, Kaninchen, Fasanen und Rebhühner gut über die Notzeiten kommen konnten. „Die Kolben standen säckeweise im Schuppen“, erinnert sich André Maas schmunzelnd.

Auch lernte Elisa früh, dass die Jäger des Hegerings Emmerich-Rees eher selten die Waffe in die Hand nehmen. „Der Tierschutz steht im Vordergrund“, erklärt André Maas. Man versuche verletzte und kranke Tieren aufzuspüren. Oder schaue, wo es Sinn mache mit Hecken aufzuforsten, um den Wildtieren die Möglichkeit der Deckung geben zu können, erklärt André Maas. Auch Elisa hat dafür früh ein Auge bekommen.

Als sich Elisa Maas zur Jägerprüfung anmeldete, war ihr klar, dass die Zulassung die erste Hürde bildete. 125 Fragen aus einen Fragenkanon von 1000 Fragen musste sie beantworten. Aus fünf Fachgebieten. Also aus jedem 25. „Und 17 aus jedem Fachgebiet mussten richtig beantwortet werden“, sagt die Schülerin. Übrigens: In den Jagdkursen, die über sieben Monate gehen, findet keine Zulassungsprüfung statt.

Wildtierkunde war besonders anspruchsvoll

Die Fachgebiete der Jägerprüfung, das sind Jagdrecht, Jagdbetrieb und Hundewesen, Naturschutz und Wildhege, Wildtier- und Waffenkunde. „Vor dem Bereich Jagdrecht hatte ich den größten Respekt“, sagt die 15-Jährige. Dabei sei ihr das am Ende am leichtesten gefallen.

„Richtig anstrengend war die Wildtierkunde, zu wissen wann jeder Raubvogel beispielsweise Brutzeit hat“, sagt die Gymnasiastin. Morgens stand die Theorie an, jeden zweiten Tag ging’s nachmittags zum Schießstand zum Üben. Abends hat sie in der angemieteten Ferienwohnung mit dem Vater weiter gebüffelt.

Verantwortungsbewusst im Umgang mit der Waffe

Elisa hat die dreitägige Prüfung, erst die Schießprüfung, dann die schriftliche und letztlich die mündlich, mit Bravour geschafft. „Wovon die mündliche Prüfung die schwierigste war“, so Elisa Maas. Noch darf Lisa nicht jagen. Das darf sie erst mit 16 Jahren. Aber dann entweder allein oder mit einer kleinen Gesellschaft mit maximal vier Jägern. „Aus Sicherheitsgründen. Das hat ähnliche Gründe wie das begleitete Autofahren“, sagt ihr Vater.

Mutter Claudia hat sich natürlich Sorgen gemacht, dass ihre Tochter so früh die Jägerprüfung gemacht hat. „Schließlich muss sie Verantwortungsbewusstsein und Sicherheit im Umgang mit der Waffen beweisen“, ist ihr bewusst. Aber sie hätte ihre Tochter eh’ nicht aufhalten können. „Wenn es raus in die Natur geht, ist sie voller Vorfreude, richtig angespannt“, beobachtet sie immer wieder. Eine echte Passion eben.

>> DIE ZAHL DER JÄGERINNEN STEIGT AN

Rund 64.000 Jägerinnen und Jäger sind derzeit Mitglied im Landesjagdverband NRW (LJV). Das sind 79 Prozent aller Jäger in NRW. Die Gesamtzahl der Jäger in NRW beträgt 80.716 Personen, davon rund 8000 weiblich. Der Frauenanteil beträgt also ziemlich genau zehn Prozent. Diese Quote wird auf lange Sicht steigen. Denn: In den Jungjägerkursen liegt der Frauenanteil heute regelmäßig bei etwa 20 Prozent.

Der Landesjagdverband forciert, dass die Zahl der Jägerinnen steigt. Neben dem Meinungsaustausch in Sachen Jagd engagieren sich die Jägerinnen im LJV unter anderen für die jagdliche Öffentlichkeitsarbeit, für Aktionen mit Kindern, stellen Seminare und Ausstellungen auf die Beine, die bei der nicht jagenden Bevölkerung das Interesse an den Zusammenhängen der Jagd wecken und fördern sollen.

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