Geschichte

Emmerich: Erinnerung an Deportation von Juden aus der Stadt

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Thea Nathan (Mitte) mit den Töchtern Sophie (links) und Emmi (rechts). Die Familie wurde, gemeinsam mit mehr als 1000 anderen Juden, am 11. Dezember 1941 nach Riga deportiert. Die drei überlebten.

Thea Nathan (Mitte) mit den Töchtern Sophie (links) und Emmi (rechts). Die Familie wurde, gemeinsam mit mehr als 1000 anderen Juden, am 11. Dezember 1941 nach Riga deportiert. Die drei überlebten.

Foto: Pro Kultur

Emmerich.  Thea Nathan und ihre beiden Töchter Sophie und Emmi aus Emmerich wurden am 11. Dezember 1941 ins Ghetto Riga deportiert. Die drei haben überlebt.

Vor 80 Jahren, am 11. Dezember 1941, wurden 1007 Juden aus dem gesamten Rheinland deportiert. Es war der dritte Großtransport ab Düsseldorf, diesmal mit dem Ziel Ghetto Riga. Unter den 1007 befanden sich auch 16 Juden aus Emmerich.

Überlebt haben das Grauen nur drei von ihnen: Thea Nathan und ihre beiden Töchter Sophie und Emmi. Theas Ehemann Georg verstarb 1942 im Ghetto an einer nicht behandelten Blutvergiftung. Auch die Familie Sander aus Rees und das Ehepaar Valk aus Goch überlebten.

Glaube an einen kurzen Arbeitseinsatz im Osten

Sie alle waren guten Glaubens, nur zu einem kurzen Arbeitseinsatz in den Osten verschickt zu werden. Schon an den jeweiligen Vortagen hatten sich die zu deportierenden Juden in einer „Sammelstelle“ einzufinden. Dazu diente in Düsseldorf eine Marktviehhalle des städtischen Schlacht- und Viehhofs an der Rather Straße.

Diese große Halle stand auf einem fast zehn Hektar großen Gelände, das durch Schienen an den Güterbahnhof Derendorf angeschlossen war. Die Nähe zu den Verladerampen des Güterbahnhofs spielte eine entscheidende Rolle, aber auch die Möglichkeit einer Abschirmung machte die Viehhalle in den Augen der Gestapo zu einem „idealen“ Standort.

Das Leiden der Menschen begann schon vor dem Transport

Am Nachmittag kamen die ersten Gruppen oder Einzelpersonen an. Sie fuhren mit der Straßenbahn nach Derendorf. Leni Valk erinnerte sich später: „Einen kurzen Leidensweg machten wir vom Bahnhof bis zur Schlachthalle Düsseldorf. Wir mussten mit unserem Gepäck ziemlich schnell laufen. Alte, Kranke, Kinder. Es gab Fußtritte. Die Düsseldorfer standen an den Fenstern und Türen, und einige weinten.“

Die Nacht verbrachten die über 1000 Menschen auf dem nackten Boden der unbeheizten Halle. Der Boden war nass vom Spritzwasser, mit dem man die Gülle der Tiere notdürftig entfernt hatte. Am nächsten Morgen wurde die Halle noch vor Beginn des Schlachtbetriebes geräumt, und die Bewacher brachten die Menschengruppen zu den Verladerampen des Güterbahnhofs.

Thea Nathan sah ihr Überleben als Wunder an

An den Rampen wurden die Menschen eilig in Personenwagen dritter Klasse geführt. Nach meist längerer Wartezeit setzten sich die Züge schließlich in Bewegung. Die Hinfahrt des bewachten „Sonderzuges Da 38“ dauerte 61 Stunden, die Rückfahrt nur 46 Stunden. Der Zug war leer.

Aus ihrer neuen Heimat Anniston (USA) schrieb Thea Nathan 1949 nach Emmerich: „Es ist ein großes Wunder Gottes, dass ich mit meinen Kindern durchgekommen bin, und verschiedene Male hat auch mein Leben an einem seidenen Faden gehangen.“

Bürgeraktion Pro Kultur hatte Veranstaltungen geplant

Eigentlich wollte die „Bürgeraktion Pro Kultur“ im Rahmen ihres Programms „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ am 11. Dezember den Erinnerungsort Alter Schlachthof in Düsseldorf aufsuchen und damit an die Deportation Emmericher Juden erinnern. Doch wegen der Corona-Pandemie musste die Exkursion „Gegen das Vergessen“ abgesagt werden.

Auch das stattdessen am Abend des 11. Dezembers vorgesehene Online-Theaterstück das „Karussell der Erinnerung“, musste leider ebenfalls abgesagt werden. Der Besuch des Erinnerungsortes Alter Schlachthof und das Online-Theater sollen im neuen Jahr nachgeholt werden. Ein Ausweichtermin steht noch nicht fest.

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