Nach vielen Tagen mit Regen kündigt sich ein Hochdruckgebiet an. Nun steht die Grasernte auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben in Rees und Emmerich an. Auch auf dem Betrieb von Landwirt Felix Streuff werden in den nächsten Tagen die Wiesen gemäht.

Das hohe Gras dient dem Wild als Versteck

Der erste Schnitt ist für den Milchviehhalter sehr wichtig, da er viel Energie und Protein enthält, was wichtig ist, um die Milchkühe bedarfsgerecht zu füttern. „In den letzten Jahren waren die Ernten knapp. Die Futtervorräte sind nun fast aufgebraucht“, so Streuff. Das bis zu 80 cm hohe Gras dient dem Wild aber auch als Versteck. Um einerseits das Wild vor dem Tod zu retten und andererseits gutes Futter für die Milchkühe zu produzieren, wird modernste Technik eingesetzt.

So trifft sich am frühen Morgen Felix Streuff mit Dr. Andreas Lohmann vom Vorstand der Kreisjägerschaft (KJS) Kleve und weiteren Helfern. Dr. Lohmann hat seine eigene Drohne dabei, die er der Kreisjägerschaft Kleve zur Wildrettung zur Verfügung stellt. Zwei weitere Drohnen werden von den beiden Wildrettern der KJS geflogen. Diesen Service stellt die KJS Kleve den Landwirten im Kreis Kleve ehrenamtlich zur Verfügung.

Kitz wird in Sicherheit gebracht

Das bis zu 6500 Euro teure High-Tech-Gerät überfliegt bei einer Arbeitshöhe von 40 Metern die vorher hochgeladene Fläche vollautomatisch mit einer Geschwindigkeit von einem Hektar pro Minute. Mit der Wärmebildkamera kann die Drohne dann die Wildtiere aufspüren. Wenn zum Beispiel ein Rehkitz gefunden wird, wird das Kitz von den Jägern mit Handschuhen und einem großem Grasbüschel in Sicherheit gebracht.

Dass die Rehkitze zu dieser Jahreszeit alleine im hohem Gras liegen, ist ganz normal. Die Ricke, also die Mutter von den Kleinen, kommt in den ersten Lebenstagen immer nur zum Säugen, um die natürlichen Feinde nicht anzulocken. Daher ist es auch wichtig, die Kitze nicht zu berühren. Ansonsten würde die Ricke das Kitz wegen dem menschlichen Geruch verstoßen.

Mähwerk ist mir Wildrettersirene ausgestattet

Neben der Drohne setzt Streuff noch auf weitere Methoden zur Wildrettung. „Jedes Mähwerk ist mit einer sogenannten Wildrettersirene ausgestattet. Diese erzeugt ein hohes und fürs Tier unangenehmes Geräusch, sodass das Wild flieht“, erklärt Streuff.

Anders als z.B. ältere Hasen ducken sich junge Rehkitze vor dem Trecker mit Mähwerk anstatt zu flüchten. Auch Fasanen- und Rebhuhnhennen bleiben auf ihrem Gelege sitzen und hoffen, dass die Gefahr vorübergeht. Für diese Tiere ist die Wildsirene eher ungeeignet, die Drohne hingegen sehr gut.

Da die Anzahl der Drohnen im Kreis Kleve noch gering ist und der Pilot eine extra Ausbildung haben muss, ist der Einsatz dieser ehrenamtlichen Tätigkeit begrenzt. Daher setzen die Jäger noch weitere Methoden ein, um die Wildtiere zu retten.

Wiesen werden mit Jagdhunden abgesucht

Zum einen werden die Wiesen vorher mit Jagdhunden abgesucht. Diese können mit ihrem feinen und sensiblen Geruchssinn das Wild aufspüren. Jedoch geben viele Wildtiere in ihren ersten Lebenstagen wenig Eigengeruch ab und ducken sich in dem hohen Gras, sodass es auch für den besten Jagdhund schwer ist das Wild aufzuspüren.

Zum anderen stellen Jäger und Landwirte am Abend vor der Mahd Wildscheuchen in den Wiesen auf. Die beunruhigten Muttertiere führen in der Nacht ihre Jungtiere noch aus den Flächen.

Felix Streuff, selbst passionierter Jäger, versucht durch die Kombination aus Drohne, Wildsirene und dem Einsatz von Jagdhunden möglichst viele Tiere zu retten.

Henry Ford, US-amerikanischer Automobilpionier, sagte einmal: „Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbelieben ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ein Erfolg.“ In diesem Sinne können durch eine gute Zusammenarbeit zwischen Jägern und Landwirten, viel ehrenamtlicher Tätigkeiten und dem Einsatz von verschiedenen Methoden und hochmoderner Technik einerseits viele Wildtiere gerettet und gleichzeitig sehr gutes Futter für die landwirtschaftlichen Nutztiere produziert werden.