Internationales Café

In Rees gibt es für Flüchtlinge einen Ort der Begegnung

Christoph und Burke Ilgen (von links) unterhalten sich mit Ranim, Ayham, Nasser, Layan und Mohamed Alibrahim und Betreuerin Ellen Lukas.

Foto: Thorsten Lindekamp

Christoph und Burke Ilgen (von links) unterhalten sich mit Ranim, Ayham, Nasser, Layan und Mohamed Alibrahim und Betreuerin Ellen Lukas. Foto: Thorsten Lindekamp

Rees.   Seit letztem Jahr haben Flüchtlinge in Rees die Möglichkeit, einmal die Woche in einem Café zusammenzukommen. Wir haben uns mal umgeschaut.

Die heutige Zeit ist sehr schnelllebig. Gut zu erkennen ist das an der Flüchtlingsdiskussion, denn längst ist das Thema in der deutschen Medienlandschaft abgeflacht. Das heißt aber nicht, dass es keine Flüchtlinge mehr gibt – ganz im Gegenteil. Nach wie vor müssen sich tausende Zugereiste hierzulande zurechtfinden und einleben. Die Reeserin Ellen Lukas kann davon ein Liedchen singen. Seit April 2016 ist sie Koordinatorin für das Ehrenamt und die Flüchtlingshilfe in Rees. Und sie weiß durch den regelmäßigen Kontakt zu geflüchteten Familien, dass die Hürden nach wie vor groß sind: „Viele sprechen schon gut Deutsch, aber Themen wie Behördengänge, Sprachkurse und Wohnungssuche sind nach wie vor alltäglich.“

Damit die Familien regelmäßig Kontakt zueinander haben, rief Lukas im Mai letzten Jahres ein internationales Café ins Leben. Jeden Mittwoch haben vor allem Flüchtlinge die Möglichkeit, sich von 15.30 bis 18 Uhr im „Mittags am Markt“ untereinander und mit Betreuern auszutauschen. Und das kommt gut an, sagt die Koordinatorin: „Die Resonanz ist immer gut.“

Seit zwei Jahren in Deutschland

Betreut wird das Café von freiwilligen Helfern wie Burke und Christoph Ilgen. Das Reeser Ehepaar begleitet seit einigen Wochen die Alibrahims – eine syrische Flüchtlingsfamilie, die seit zwei Jahren in Deutschland lebt. Ein- bis zweimal pro Woche treffen sie sich mit den Syrern, um ihnen das Leben in Deutschland zu zeigen und zu erleichtern. „Es geht darum, die Sprache zu vermitteln und ihnen bei alltäglichen Sachen zu helfen“, betont Christoph Ilgen.

Und so kann es auch mal sein, dass das Ehepaar zusammen mit den Alibrahims einkaufen geht. „Einmal wurde ich beim Einkaufen von einem kurdischen Ehepaar beobachtet, das schon lange in Deutschland lebt. Der Mann fragte mich, ob ich Arabisch spreche. Für ihn war die Situation merkwürdig“, erzählt Burke Ilgen.

Doch für die Reeser sind solche Einkäufe längst Alltag geworden. „Mir ist es wichtig, ihnen Sicherheit zu geben“, macht die 50-Jährige deutlich. „Für mich ist das auch immer wie ein kleiner Urlaub, wenn wir mit den Alibrahims was unternehmen.“

Ein Treffpunkt für Groß und Klein

Dass das Flüchtlingscafé eben nicht nur etwas für die Älteren ist, zeigen Mohamed, Ranim, Layan und Ayham Alibrahim. Die vier Kinder rennen durch den Raum und genießen ein Stück Kuchen, während sich ihre Eltern Nasser und Ateka mit den Betreuern austauschen. „Ich mag Deutschland“, sagt der neunjährige Mohamed, bevor er ein Stück seines Marmorkuchens isst. In den zwei Jahren in Deutschland hat er bereits viele Freunde kennengelernt – genau genommen dreißig, wie er stolz berichtet. Dadurch lernte er auch schnell Deutsch. Er sei aber auch schon in seiner Heimat ein guter Schüler gewesen. „In Syrien war ich im Kindergarten immer der Beste“, berichtet er stolz. Dort lernte der Syrer bereits die Buchstaben des Alphabets kennen und musste sogar Hausaufgaben machen.

Doch nicht nur der kleine Mohamed fühlt sich hier wohl. „Alles ist hier schön“, erzählt die neunjährige Ranim. Sie ist das älteste Kind der Familie und kommt bald in die vierte Klasse. Ab und an kümmert sie sich ums Übersetzen, denn ihre Mutter Ateka tut sich noch mit der deutschen Grammatik schwer und wechselt regelmäßig ins Englische. Ateka Alibrahim betont aber dennoch, dass sich die ganze Familie in Deutschland sehr wohl fühlt.

Die Ilgens wissen aber auch, dass Nasser und Ateka Alibrahim gerne auf eigenen Beinen stehen wollen. „Die Familie hatte vor dem Krieg ein gutes Leben in Syrien. Nun bekommen sie hier Leistungen, für die sie aber keine Gegenleistung erbringen können.“

Auf der Suche nach einer Wohnung

Damit es ihnen hier besser geht, würde schon eine neue Wohnung reichen, denn auf Dauer ist es nicht einfach, wenn sich die Kinder ein Zimmer teilen müssen. Doch für eine sechsköpfige Flüchtlingsfamilie ist es nach wie vor schwer, eine passende Unterkunft zu finden – und das, obwohl die Familie offen und gebildet ist. Nasser Alibrahim ist Pharmazeut, seine Frau war in Syrien Lehrerin und würde auch hier später mal gerne unterrichten. „Vielleicht meldet sich ja bald jemand", hofft Burke Ilgen.

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