Stadttheater

Suzanne von Borsody spielte Liebesstück in Emmerich

Suzanne von Borsody und Guntbert Warns mit „Konstellationen”

Foto: Daniel Devecioglu

Suzanne von Borsody und Guntbert Warns mit „Konstellationen”

Emmerich.   Fragen die sich jeder im Leben stellt, brachte Nick Payne mit dem Schauspiel „Konstellationen, was wäre, wenn?“ auf die Bühne des Stadttheaters.

Was wäre geschehen wenn ich damals eine andere Entscheidung getroffen hätte? Wie wäre mein Leben dann verlaufen? Was wäre geschehen, wenn ich nicht „ihn“, sondern einem anderen begegnet wäre, was wäre wenn? Was würde ich darum geben das gesagte „Nein“ in ein „Ja“ umzuwandeln? Fragen, die sich jeder so oder so ähnlich in seinem Leben stellt, irgendwann oder immer wieder. Aber im realen Leben gibt es kein Zurück, jeder muss mit seinen Entscheidungen leben.

Nicht im Leben, aber auf der Bühne gibt es ein Zurück

Ganz anders auf der Bühne – hier gibt es ein Zurück: Diese Fragen behandelt der englische Autor Nick Payne in seinem Zwei-Personen Schauspiel „Konstellationen“. Doch Payne geht viel weiter: Er behandelt die universelle Frage: Wer und was bestimmt das Leben des einzelnen, ist es das Schicksal, der Zufall oder der Wille? Und legt die Antworten seinen Darstellern in den Mund.

Kann man diese Fragen beantworten mit zwei Schauspielern in 70 Minuten bei minimalem Bühnenaufwand mit nur vier Stühlen und einer strukturierenden Hintergrundmusik? Zweifel sind angebracht, werden aber im Laufe des Abends zerstreut.

Acht Stationen des Liebeslebens wurden gezeigt

Nick Payne behandelt diese Fragen, indem er eine alltägliche Liebesbeziehung zwischen zwei Menschen auf die Bühne bringt, eine Liebesbeziehung zwischen der Quanten-Physikerin Marianne, kopfgesteuert, intellektuell und dem eher gefühlsbetonten Imker, Roland. Sie durchlaufen acht Stationen ihres Liebeslebens mit all ihren Höhen und Tiefen und das Publikum sieht dabei zu. Es beginnt mit dem Kennenlernen auf einer Party, über das erste Wiedersehen, den ersten Kuss, Heiratsantrag, Seitensprung, Trennung, Krankheitsdiagnose, Sterbehilfe. Das ist alltäglich und nichts Besonderes. Doch durch einen dramaturgischen Schachzug bietet der Autor die Möglichkeit der Korrektur und Umkehr, in dem er jede Szene mit kleinen und kleinsten Veränderungen wiederholt durchspielen lässt. Sei es durch ein anderes Wort, eine wie auch immer zu interpretierende Andeutung, eine andere Geste, eine neue Mimik. So entstehen Parallelwelten oder wie Marianne es nennt: Das Multiversum!

Das Publikum ist gefordert, den roten Faden nicht zu verlieren

Die Auswirkungen dieser kleinsten Änderungen auf das Liebesleben von Marianne und Roland sind gravierend und entscheiden über Wiedersehen oder Trennung, über gemeinsame Nacht oder Rauswurf, Annahme oder Ablehnung eines Heiratsantrages. So gelingt es Roland erst im vierten Anlauf mit einem spontanen Heiratsantrag – unter Mithilfe des Liebeslebens der Bienen – seiner Marianne ein „Ja“ abzuringen. Die Anforderungen an die Schauspieler aber auch an das Publikum sind groß. Die Schauspieler müssen blitzschnell zwischen den einzelnen Szenen wechseln. Dabei sind die sprachlichen Veränderungen im Text oft sehr gering. Dann ist die hohe Schule der Schauspielkunst gefragt. Mimik, Gestik, Stimmlage müssen fehlende Worte ergänzen. Das gelingt – Suzanne von Borsody als Marianne und Guntbert Warns als Roland – sehr souverän. Beide sind Profis, das hört man und das sieht man. Aber auch das Publikum ist sehr gefragt, muss höllisch aufpassen, um den roten Faden zwischen den einzelnen hin und her springenden Konstellationen nicht zu verlieren.

PUBLIKUM DANKTE MIT VIEL APPLAUS

Ob nun das Schicksal, der Zufall oder der freie Wille über den Ausgang der Liebe entscheidet lässt der Autor offen, hier kann der Zuschauer selbst entscheiden. Vielleicht liegt die Lösung – wie so oft - in der Mitte. Ein bisschen Schicksal, ein bisschen Zufall aber auch viel Wille. So gesehen führt diese Betrachtung zu mehr Gelassenheit im täglichen Leben. Das Publikum im ausverkauften Stadttheater bedankte sich für die hohe Schauspielkunst und dem interessanten Schauspiel mit viel Applaus.

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