Geldwirtschaft

Unmut über Filialschließungen in Rees formiert sich

Die Sparkasse will ihre Filiale in Millingen schließen.

Foto: Thorsten Lindekamp

Die Sparkasse will ihre Filiale in Millingen schließen. Foto: Thorsten Lindekamp

Mehr/MIllingen.  Die Sparkassen-Schließungen des SB-Center in Mehr und der Filiale in Millingen rufen Mehrer Bürger und Millinger Heimatverein auf den Plan

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Als im Herbst 2013 in Mehr die Sparkassen-Filiale durch ein SB-Center ersetzt wurde, ging der erste große Aufschrei durchs Dorf. Doch über die Jahre hat die Bevölkerung gelernt, die noch vorhandene Technik zu nutzen. Dass nun auch die Schließung des SB-Centers der Sparkasse Rhein-Maas an der Heresbachstraße geplant ist, stößt auf gar kein Verständnis, wie Lothar Krassa aus Mehr schreibt. „Überrascht, mit Befremden und Verärgerung reagieren die Einwohner von Haffen und Mehr auf die Mitteilung zur beabsichtigten Schließung der bereits als SB-Center geführten Zweigstelle der Sparkasse Rhein-Maas in Mehr. Man fragt sich nach welchen Kriterien die Sparkasse ihre Entscheidung getroffen hat. Für eine Stadt wie Rees mit ca. 22.000 Einwohnern eine Hauptstelle in Rees-Stadt und eine SB-Stelle in Haldern vorzuhalten entspricht nicht dem Verständnis des öffentlichen Auftrages der Sparkasse nach Sparkassengesetz.

Haffen/Mehr und Millingen/Empel mit gleicher Bevölkerungszahl von ca. 3.400 Einwohnern, davon je Ortsteil mehr als 20% über 65 Jahre, außer Acht bei der Geldversorgung zu lassen, ist unzumutbar. Wo bleibt die Berücksichtigung der Jugend und besonders der älteren Bevölkerung, wenn man nur die Entfernungen von Haffen/Mehr zu den Sparkassenstellen Rees-Stadt mit zwölf und Haldern mit acht Kilometern betrachtet? Wo bleibt die geforderte und von der Politik beabsichtigte Stärkung des ländlichen Raumes, wenn kaum Geldinstitute nach Wunsch vorhanden sind, die wiederum den Mittelstand und die schwächeren Bevölkerungskreise im Geld- und Kreditgeschäft versorgen sollen? Wie wurde doch die Fusion der Sparkassen gepriesen: Mit Versorgung der Bevölkerung in der Fläche!

Nach Fusion und der Ablehnung zur Beteiligung mit zusätzlichem Kapital durch den Rat der Stadt Rees, ist die Stadt Rees trotz geringfügiger Anteile nicht mehr im Verwaltungsrat vertreten. Bedeutet das auch kein Mitspracherecht? Wehe dem, der etwas Böses dabei denkt.

Die Einwohner von Haffen und Mehr drängen zumindest auf einen Weiterbetrieb des SB-Centers in Mehr und erwarten, dass sich der Bürgermeister dabei ebenso wie für Millingen für eine Versorgung durch die Sparkasse im Ortsteil einsetzen wird. Sollte es bei der Entscheidung der Sparkasse bleiben, den Betrieb in Haffen/Mehr einzustellen, dann ist ein Wechsel für einen Großteil der Kunden zur Volksbank vorprogrammiert. Die Volksbank wird das freuen – aber wer weiß, welche Überraschungen dann zukünftig die Volksbank für die Einwohner parat hat.“

Offener Brief an den Vorstand

Auch der Heimatverein Millingen/Empel schrieb einen offenen Brief an der Vorstand der Sparkasse in Kleve: „Der Heimatverein Millingen/Empel hat neben der Förderung von Kunst und Kultur sowie der Denkmalpflege den Zweck, sich um die Erhaltung und Förderung der Dorfgemeinschaften zu bemühen, das Interesse an der Geschichte der Orte und Umgebung zu wecken und sich für die Verschönerung der Dorfbilder einzusetzen. Hierzu sind wir daran interessiert, dass eine der Einwohnerzahl und Bevölkerungsstruktur entsprechende Infrastruktur im Dorf vorhanden ist.

Mit Schreiben vom 17. Oktober 2017 hat die Sparkasse Rhein-Maas bekannt gegeben, dass die Geschäftsstelle in Millingen in diesem Jahr geschlossen wird und ab dem 2. Januar 2018 ein geändertes Service- und Beratungsangebot in dem Räumlichkeiten der Sparkasse in Rees und darüber hinaus am Standort Haldern SB-technisch zur Verfügung stehen wird. Eine SB-Zone in Millingen ist nicht vorgesehen.

Laut Ihrer Aussage ist ein geändertes Nutzerverhalten sowie die zunehmende Digitalisierung Grund genug, die Filiale in Millingen zu schließen. Für den Heimatverein und dessen Mitglieder, aber auch Ihren Kunden gegenüber ist dies ein Affront. Sie benachteiligen mit der Schließung nicht nur die immer älter werdende Bevölkerung und deren fehlende Mobilität und Ängste vor Missbrauch, sondern auch Kinder, die beispielsweise keine Möglichkeit mehr haben, vor Ort Ein-/Auszahlungen von ihrem Sparbuch oder Taschengeldkonto vorzunehmen. Diese offensichtliche Benachteiligung führt zu einer ungerechten Geldversorgung in Ihrer Kundenstruktur. Nehmen Sie billigend in Kauf, dass diese Kunden zu Mitbewerbern abwandern? Ist heute nicht viel mehr eine verbesserte Nachhaltigkeit gegenüber Kunden, Mitarbeitern und Eigentümern gefragt und können aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht eventuell doch Alternativen angeboten werden? Ist es nicht gerade jetzt Aufgabe der Sparkasse, sich von minimalistischen Direktbanklösungen abzuheben?

Neben Rees und Haldern ist Millingen mit rund 3000 Einwohnern Siedlungsschwerpunkt. Zum Einzugsgebiet für die Nahversorgung gehört auch Bienen (rd. 900 Einwohner), Empel (rd. 480 Einwohner), aber auch Praest, Isselburg-Heelden und Vehlingen. Gerade Heelden und Vehlingen gehörten bis zur kommunalen Neuordnung 1975 zur Gemeinde Millingen und somit auch zum Geschäftsgebiet der damaligen Verbandssparkasse mit Filiale in Millingen. Die Filiale Millingen wurde nach der kommunalen Neuordnung der Stadtsparkasse Emmerich-Rees zugeschlagen.

Eine gut funktionierende Einzelhandelsstruktur im Dorf (EDEKA, Bäckerei, Apotheke, Friseur, Post, Schreibwaren-/Lotto- und Floristikgeschäft) wird mit der Maßnahme die Filiale in Millingen zu schließen in Frage gestellt. Durch Wegfall der Bargeldversorgung gehen die Kunden der Sparkasse aber auch Nichtkunden, die den Geldautomaten nutzen, neue Wege, Umsätze bleiben aus, Geschäftsschließungen und eine weitere Schwächung der Infrastruktur in Millingen sind die Folge.

Es kann doch nicht im Auftrag der Sparkasse Rhein-Maas liegen, diese mehr als 5000 Menschen von der Nahversorgung in Millingen abzuhängen. Wozu gibt es denn den öffentlichen Auftrag laut Sparkassengesetz?

Eine Vielzahl der betroffenen Bürger/-innen haben über die Schließung der Millinger Sparkassenfiliale aus der Zeitung erfahren. Wir würden es begrüßen, wenn Sie durch eine Kundenveranstaltung in Millingen die notwendigen Maßnahmen erläutern könnten und sich den Fragen, Sorgen und Nöten der Sparkassen-Nutzer stellen würden. Gerne stellen wir hierzu das Heimathaus zur Verfügung und freuen uns über eine Rückmeldung von Ihnen.“

Als oberstes Gremium hat der Heimatverein den Verwaltungsrat der Sparkasse Rhein-Maas in einem Schreiben gebeten, die Prüfung einer möglichen Einrichtung einer SB-Zone/Geldautomat oder eines Einsatzes einer mobilen Sparkasse in Millingen vorzunehmen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik