Wenn ein Film gelöscht wird

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BUNDESWEHR. Auf dem Kasernengelände hat das große Aufräumen begonnen. Zwei Kompanien sind bereits aufgelöst.

EMMERICH. Es ist wie im normalen Leben. Wenn ein Haushalt aufgelöst wird, fällt jede Menge Gerümpel an, das entsorgt werden muss. So ungefähr muss man sich das auch bei der Abwicklung einer Kaserne vorstellen. Nur einige Nummern größer.

Die "Absteuerung", wie das im Bundeswehr-Jargon heißt, hat im Januar begonnen und spielt sich auf dem militärischen Gelände an mehreren Orten ab. Zuständig für das Großreinemachen nach Plan und gegen Quittung ist das Bundeswehrdienstleistungszentrum Düsseldorf mit seiner Bezirksstelle in Kalkar.

Der Fuhrpark ist bereits ausgedünnt. Fahrzeuge und Pioniermaschinen wurden unter abgesperrten Schleppdächern konzentriert. Da klaffen schon einige Lücken. Diese Fahrzeuge wurden bereits zur Wiederverwendung abgeholt, berichtete Hauptfeldwebel Bernd Klüsekamp.

Seit 1982 dient Stabsfeldwebel Detlev Remmers am Nollenburger Weg. Der Klever kennt den Standort wie seine Westentasche. Wie fühlt er sich so kurz vor dem endgültigen Abschied? "Da wird gerade ein Film mit gelöscht", sagt Remmers, während einige Pioniere einen Transporter mit unbrauchbarem Mobiliar abladen und unterstellen. " Das erinnert einen an die Vorhaben, die man hier getätigt hat." Remmers fängt zum 1. Juli in Wesel an.

Zwei Kompanien wurden schon zum 31. März aufgelöst. In Emmerich verrichten derzeit noch etwa 270 Soldaten ihren Dienst. Sie packen mit an, werfen quasi ihren eigenen Standort auf den Müll. Nicht allen fällt der Dienst in diesem letzten halben Jahr leicht.

Zum Teil stammen Schränke, Stühle, Regale und Tische der einzelnen Züge noch aus den 70ern. Langlebig und zäh scheinen Hab und Gut des Bundes gewesen zu sein. "Olympia-Möbel" - wegen der Olympiade 1972 in München - nennen die Soldaten die "antiken" Schätzchen. Viele sind in den Farben Blau, Grün und Orange! Aber auch defekte Computer, Kaffeemaschinen, Fernseher oder DVD-Player, die die Soldaten von zu Hause mitgebracht hatten und wo sich eine Reparatur nicht mehr lohnt, wandern auf den großen Müllberg. Was noch zu gebrauchen ist, schreibt Düsseldorf aus. Viele Vereine, aber auch DRK und THW haben schon ein Auge darauf geworfen.

Chef der Entsorgungsstation ist Michael Renn. Er passt auf, dass die vier 40-Kubikmete-Container richtig befüllt werden. Immer wenn ein Riesengefäß randvoll ist mit Metallschrott, Holz, Siedlungsabfällen oder Kartonagen, wird es von Spezialfirmen abgeholt. "Ich gehe davon aus, dass zwölf volle Container zusammen kommen", schätzt Renn. Container mit Gefahrgut werden extra in Edelstahlwannen gelagert. Gefahrgut wird erst gesammelt, um viele Transporte auf den Straßen zu vermeiden.

Bernd Klüsekamp kennt sich aus mit der Auflösung von Kasernen und hat das schon in Dülmen und Oldenburg miterlebt. In Emmerich, so sagt er, laufe die "Absteuerung" sehr gut ab, "sehr professionell". Wie der Dienst in 39 Jahren.

2004 KAM DAS AUS Im November 2004 verkündete der damalige Verteidigungsminister Struck die Schließung der Moritz-von- Nassau-Kaserne. Zum 30. Juni wird der Standort nach 39 Jahren aufgelöst und die Truppenfahne eingerollt.

Am Freitag, 30. Mai, 16 Uhr, findet auf dem Geistmarkt noch ein Abschiedsappell statt. Was aus dem 32 Hektar großen Areal wird, ist derzeit noch unklar.

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