Flüchtlinge

Zwei Asylbewerber ließen sich in St. Aldegundis taufen

Pfarrer Bernd de Baey hat sich mit der Verfolgung von konvertierten Flüchtlingen beschäftigt.

Pfarrer Bernd de Baey hat sich mit der Verfolgung von konvertierten Flüchtlingen beschäftigt.

Foto: Thorsten Lindekamp

Emmerich.   Muslime empfingen die Sakramente. Es war ein mutiger Schritt. Denn Christen werden in vielen Heimatländern verfolgt. Ängste gibt es auch hier.

Zwei muslimische Flüchtlinge, die alleine nach Emmerich gekommen sind, haben eine mutige Entscheidung getroffen: Sie haben sich in der St. Aldegundiskirche von Pater Zakarias Sago taufen und firmen lassen und die Erstkommunion empfangen. In ihren Heimatländern werden Christen verfolgt.

Und wer konvertiert, muss mit Schikanen rechnen, wird mitsamt Familie geächtet, ja mit dem Tode bedroht. Das ist ein Asylgrund, der in Deutschland anerkannt wird. Der eritreisch-orthodoxe Priester aus Emmerich etwa, der sonntags in der Krypta von St. Martini nach uraltem Ritus Gottesdienste abhält, ist als Asylbewerber anerkannt.

Bei den jungen Neu-Katholiken handelt es sich um einen 24-jährigen Iraner aus schiitischem Elternhaus, der immer schon eine christliche Grundeinstellung besaß und der drohenden Festnahme nur durch Flucht entkommen ist, und einen 18-jährigen Afghanen.

Pfarrer de Baey nimmt Ängste ernst

In Deutschland sichert das Grundgesetz die Religionsfreiheit und die ungestörte Religionsausübung. Dennoch fühlen sich „Abtrünnige“ auch im Lande Luthers oft nicht sicher, haben Angst vor Repressionen fanatischer Landsleute. Vor allem um ihre Familien in ihren Heimatländern sorgen sie sich, wenn der Übertritt um Christentum erst einmal herauskommt.

Deshalb wollten die beiden jungen Männer auch nicht ihre Namen nennen und fotografiert werden. Aus diesem Grund hat die NRZ mit Pfarrer Bernd de Baey gesprochen, der sich wie Pater Zakarias, Pastoralreferent Matthias Lattek, Andrea Schaffeld und viele andere aus der Seelsorgeeinheit auch den Glaubensnöten der Asylbewerber annimmt.

Pfarrer de Baey nimmt die Ängste ernst, sie beunruhigen ihn auch: „Ich weiß nicht, wie weit der Arm des IS reicht.“ Jedenfalls reichte die Verunsicherung, um die Taufe nicht groß publik und auch keine Fotos zu machen und sie dann ins Internet zu stellen: „Wer weiß, was passiert wäre, wenn wir die Bilder ins Netz gestellt hätten“, fragt de Baey: „Die Flüchtlinge kommen aus Ländern, wo es Toleranz in Glaubensfragen nicht gibt und Gewalt an der Tagesordnung ist, in der Familie, in der Straße und wo sie mit einem anderen Frauenbild unterwegs sind.

Flüchtlinge verändern unsere Kultur

Mit den Flüchtlingen kommt eine andere Welt zu uns.“ Die Neuen müssen sich mit den neuen Gesetzen und Gepflogenheiten vertraut machen: „Doch das ist ein langer Prozess.“ Umgekehrt werde aber auch ein Schuh draus: „Die Flüchtlinge verändern auch unsere Kultur. Davor brauchen wir keine Angst zu haben. Das kann sehr bereichernd sein.“

Pfarrer de Baey rät: „Wir müssen wachsam sein und einschreiten, wo die Toleranz nicht da ist.“ Er sei dafür, wenn die Spendung von Sakramenten öffentlich geschieht: „Das darf ruhig bekannt werden.“ Dabei gehe es nicht darum, zu triumphieren, dass man neue Christen gewonnen habe: „Das ist nicht mein Thema!“ Vielmehr brauche die „Toleranz Stärkung und gegebenenfalls ihre Verteidigung von allen Bürgern, damit das Recht auf freie Religionsausübung auch Wirklichkeit ist“.

Bis es zur Taufe kommt, finden viele Gespräche statt: „Wir wollen die Motivation herausfinden, warum sich jemand taufen lassen will und Christ werden will.“ Denn eines sei auch klar: „Die Taufe soll aus innerer Überzeugung gespendet werden und nicht als Grund dienen, um als Asylberechtigter anerkannt zu werden.“

Suche nach weiteren ehrenamtlichen Kräften

Auch danach stehen die Neu-Christen nicht alleine da, sondern werden weiter betreut. „Ich bin froh und dankbar, dass wir in der Kirchengemeinde viele haben, die kontinuierlich Hilfe leisten. Wir können noch mehr ehrenamtliche Kräfte gebrauchen, die auch bei Rückschlägen nicht aufgeben, wenn etwa Flüchtlinge abgeschoben werden. Immer dort, wo gelebte Menschlichkeit da ist, ist das auf jeden Fall ein Gewinn. Auch wenn Flüchtlinge positive Erfahrungen mit der Begegnungskultur machen.“

Die beiden frisch getauften Christen haben jedenfalls gute Chancen, anerkannt zu werden. Bis dahin dürften sie sich mit den nötigen Hilfestellungen besser zurechtfinden in ihrem neuen, hoffentlich sicheren Land.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben