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13 neue Stolpersteine erinnern in Kleve an Opfer der NS-Zeit

Künstler Gunter Demnig setzt unter den Augen vieler Klever drei Stolpersteine in das Pflaster vor dem Haus in der Kasinostraße 2.

Foto: Niklas Preuten

Künstler Gunter Demnig setzt unter den Augen vieler Klever drei Stolpersteine in das Pflaster vor dem Haus in der Kasinostraße 2. Foto: Niklas Preuten

Kleve.   13 neue Stolpersteine erinnern in der Innenstadt an die Schicksale jüdischer Mitbürger. Emotionaler Rundgang zu den ehemaligen Wohnhäusern.

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Die Bilder vom 23. Juli 1942 hat Elli Rübo auch 75 Jahre später noch vor Augen. „Wir standen mit unseren Eltern in der Diele. Alle haben geweint“, sagt sie. Zwölf Jahre alt war die Kleverin, als ihre Familie Josefine Klein verabschiedete. „Wir haben sie Tante Klein genannt“, ergänzt ihre Schwester Marta Tönnissen.

Die Nachbarin musste das Haus verlassen, weil sie Jüdin war. Zwei Tage später zwangen die Nationalsozialisten Josefine Klein in einen Zug, der sie mit fast 1000 anderen Menschen ins Ghetto Theresienstadt deportierte. Von dort wurde sie am 18. Dezember 1943 ins Vernichtungslager Auschwitz transportiert, wo sie vermutlich kurz nach ihrer Ankunft ermordet wurde.

Nun erinnert ein Stolperstein vor ihrem ehemaligen Haus in der Hagschen Poort 10, an Josefine Kleins Schicksal. Als Künstler Gunter Demnig am Montagmorgen den neun mal neun Zentimeter großen Stein mit Messingplatte, auf dem Kleins Name und Daten eingemeißelt sind, in den Gehweg einlässt, öffnen Elli Rübo und Marta Tönnissen spontan die Tür. Und erzählen im gleichen Hausflur, in dem sie Josefine Klein letztmals sahen, von ihren Erinnerungen an die „kleine, zierliche Dame“.

Die dritte Stolperstein-Verlegung in Kleve, die Bläser des Konrad-Adenauer-Gymnasiums unter der Leitung von Sebastian Thimm untermalen, hat viele nachdenkliche und einige emotionale Momente. Dr. Hans Nowottnik von der Interessensgemeinschaft Klever Allgemeinärzte erinnert vor dem Haus in der Hagschen Straße 66-68 an Lotte Spier und Dr. Ernst Spier, der hier 1927 eine Arztpraxis eröffnete und mit seiner Ehefrau wohnte.

Die zunehmenden Erniedrigungen nach der Machtergreifung der Nazis 1933 ertrug Lotte Spier bald nicht mehr. Sie nahm sich im September 1936 mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben. Ihr Ehemann wanderte 1938 nach Chicago aus. „Wir wollen unsere Solidarität und Sympathie für einen Kollegen ausdrücken“, sagt Nowottnik. Die IG Klever Allgemeinärzte hat die Patenschaft für Spiers und einen weiteren Stolperstein übernommen.

Nächste Verlegung im April 2018

13 neue dieser glänzenden Erinnerungsstücke sind nun Teil des Pflasters in der Innenstadt – so wie die 13 Menschen Teil der Klever Gesellschaft waren. „Sie waren voll integrierte Bürger unserer Stadt“, sagt Ron Manheim, 1. Vorsitzender des Hauses der Begegnung – Beth HaMifgash. Der Verein hat die Stolperstein-Aktion nach Kleve geholt, Historikerin Helga Ullrich-Scheyda wiederum in langen Stunden im Archiv das Leben der verschleppten und ermordeten Klever Juden aufgearbeitet.

„Ich finde die Stolpersteine gut“, sagt Elli Rübo. „Es darf nie vergessen werden, was passiert ist.“ Kleve versucht dieses Versprechen einzulösen: Die nächsten Stolpersteine werden im April 2018 verlegt.

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