Naturschutz

Ärger um Brutkasten für Falken an Windkraft-Anlage

Der Brutkasten wurde abgehängt und wird entsorgt.

Der Brutkasten wurde abgehängt und wird entsorgt.

Foto: Andreas Gebbink

Kleve.   Über Jahre nutzten Falken einen Brutkasten an einer Windenergie-Anlage in Kleve. Dann schritt der Nabu ein – jetzt wurde der Kasten abgehängt.

Aloys Pitz kann es nicht fassen. Der Landwirt aus Kleve ärgert sich über den Naturschutzbund. Jahrelang hing an einer Windkraftanlage in seiner Wiese an der neuen Umgehungsstraße in Kleve-Brienen ein Brutkasten für Greifvögel: „Der befand sich dort 15 Jahre lang und wurde Jahr für Jahr von Turm- und später von Wanderfalken genutzt“, erzählt er. Doch im vergangenen Jahr schaltete sich der Naturschutzbund ein. Meldete den Kasten der Unteren Naturschutzbehörde (Kreis Kleve) und erwirkte, dass die Windkraftanlage tagsüber abgestellt werden musste. „In diesem Jahr hat der Betreiber den Kasten ganz abgehängt - und jetzt brütet gar kein Falke mehr darin. Ein richtiges Eigentor“, ärgert sich Aloys Pitz.

Dietrich Cerff, Mitarbeiter des Nabu in Kranenburg, sagte der NRZ, dass die Jungvögel durch die Rotorblätter hochgradig gefährdet gewesen seien, daher habe man die Untere Landschaftsbehörde eingeschaltet: „Der Kasten war gut gemeint, aber dort war er keine gute Idee“, so Cerff.

10.000 Euro Einnahmeausfälle

Margit Bethke ist Mitarbeiterin des Unternehmens Solarparc in Bonn, die die Anlage in Brienen unterhält. „Nachdem wir im vergangenen Jahr einen Schaden durch Einnahmeausfälle in Höhe von 10 000 Euro hinnehmen mussten, hat uns der Betreiber jetzt klar formuliert, alle Kästen von Windkraftanlagen abzunehmen.“

Von dieser Maßnahme sind auch drei Kästen in Erftstadt betroffen. Dort ärgert sich Ornithologe Michael Kuhn über seine Kollegen aus Kranenburg. Denn wie in Kleve wurden die Brutkästen zwölf Jahre lang von Turmfalken genutzt: „Ich fasse es nicht, dass durch diesen Aktionismus des Naturschutzbundes die Kästen abgenommen worden sind“, sagte Kuhn im Gespräch mit der NRZ. „Hier wurden 80 bis 100 Turmfalken groß gezogen, das war ganz wunderbar. Und jetzt das“, so Kuhn.

Gefahr oder nicht?

Nach seiner Erfahrung bilden die Rotorblätter von Windkraftanlagen keine Gefahr für die Aufzucht von Turm- und Wanderfalken: „Ich beobachte die Tiere bereits seit zwölf Jahren. Und noch nie, wirklich noch nie, habe ich im Umkreis einen geschredderten Vogel gefunden. Und selbst wenn es mal einen Vogel gibt, der erschlagen wird, wiegt der doch nicht die 99 anderen erfolgreichen Bruten auf“, sagte Kuhn.

Aloys Pitz aus Kleve kann den Betreiber des Windrades verstehen: „Diesen betrieblichen Schaden kann man nicht auf Dauer tragen. Die Rotoren drehten sich im vergangenen Jahr nur in der Nacht.“

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