Die Trennung von Kirche und Staat wird die Politik in Kleve nun also noch mal im Rat üben. Im Hauptausschuss jedenfalls wurde nach allgemeinen Stellungnahmen gestern Abend die Benennung der Gesamtschule I Rindern (wie mehrfach berichtet) noch nicht abgestimmt. Der Protest von Propst Mecking zieht weiter Kreise.
Tatsächlich ist es rechtlich so, erfuhren die Politiker, dass die Schulkonferenz berät, aber die Zustimmung des Rates für die Namensgebung braucht. Bürgermeisterin Sonja Northing erklärte neutral, dass die „Wilhelm-Frede-Hauptschule“ seit dem Jahr 2012 auslief und offiziell am 31. Juli 2016 endgültig aufgelöst wurde. Somit nutzt zwar die Gesamtschule das Haus in Rindern, ist aber eine komplette Neugründung.
Gespräch bei Bürgermeisterin noch ergebnislos
Doch ein klärendes Gespräch in ihrem Bürgermeisterbüro mit den beiden Schulleitern Jürgen Schmitz und Dr. Rose Wecker und dem Propst Johannes Mecking hatte zu keinem Ergebnis geführt. Ein zweites Treffen folge Freitag.
Im Hauptausschuss stellte sich gestern der Christdemokrat Wolfgang Gebing auf die Seite des Kirchenmannes mit dem starrem Willen. Die CDU sei einfach davon ausgegangen, dass auch die andere Schule den Namen des „großen Kämpfers gegen den Ungeist des Nationalsozialismus’“ forttrage. „Die Schulkonferenz hat das möglicherweise nicht ausreichend bedacht“, solle das aber jetzt noch mal tun. Fand Gebing.
Auch Fabian Merges von den Offnen Klevern wollte das „Leuchtfeuer des Widerstandes“ im Schulnamen hören.
Weg über die Öffentlichkeit „verwunderlich“
Niklas Lichtenberger, SPD, fand es „verwunderlich, dass die Kirche den Weg über die Öffentlichkeit gewählt hat und nicht eine Diskussion im Schulausschuss“ geführt habe. Die SPD wollte die Meinung der Schulkonferenz unterstützen, aber gern einen eventuellen Kompromiss am Freitag abwarten.
Dr. Hedwig Meyer-Wilmes, Grüne, sagte, „die Katholische Kirche und ihr nahe stehende Bürger reagieren sehr empfindlich“ und Mecking baue eine „Schwarz-Weiß-Schiene“ auf. Sie wünsche, dass auch von der Kirche „Gremien ernst genommen werden, die zum Diskutieren da sind“, eben der Schulausschuss, in dem die Kirche Mitglied ist.
„Kirche muss sich den Schuh selbst anziehen“
Daniel Rütter, FDP, sagte, „die Katholische Kirche muss sich den Schuh selbst anziehen“, weil sie nicht auf die Ausschussunterlagen zur Benennung der Schule reagiert habe.
Zu weit ging den Parlamentarier aber dann offenbar der zweite Protest des Propstes, diesmal gegen die Namensgebung der Gesamtschule II Oberstadt. In der Kanzelpredigt hatte Mecking dem gewünschten Namensgeber Künstler Joseph Beuys eine schwarz-braune NS-Vergangenheit nachgesagt.
Name „Beuys“ aber bleibt
Daniel Rütter fragte gestern im Ausschuss: Habe die Verwaltung das recherchiert? Er wolle nicht wie neulich bei der Diem-Straße später den Namen ändern müssen. „Ich bin nicht so firm in der Biographie von Joseph Beuys“, so Rütter.
Wolfgang Gebing nahm die „dunklen Andeutungen“ der Kirche diesmal nicht so ernst, Beuys sei wegen seiner besonderen Lebensweise bekannt geworden.
„Das geht so nicht, Leute!“
Hedwig Meyer-Wilmes sprach eindringlich: „Das geht so nicht, Leute!“ Sie habe drei Biographien über Beuys gelesen und nun extra noch mal Fachleute befragt und keine Bestätigung für solche Gerüchte gefunden. „Der Propst hat alle Rechte, seine Position darzustellen. Aber wir müssen uns ganz schlicht entgegen stellen“.
Erst sagte Bürgermeisterin Northing, sie wolle die Meinung Meckings am Freitag abwarten, dann sagte sie, man solle jetzt lieber abstimmen. Einstimmig empfiehlt der Hauptausschuss dem Rat zumindest das schon mal: Die Gesamtschule II Hoffmannallee wird „Joseph-Beuys-Gesamtschule“ heißen.


