Aktiv bis zum Schluss. Die Realschule Hoffmannallee lässt sich nicht „abwickeln“, sondern geht aufrecht zu Ende, schließt hinter sich ab. Das bekräftigt das Kollegium und das symbolisieren die Kunstobjekte der Schüler bei Dr. Annette Lobbenmeier. Schlüssel hängen sie an Mobiles aus zusammen 1500 Strohhalmen.
Am 30. Juni wird im Abschlussgottesdienst in der Christus-König-Kirche – die traditionell auch zur Zeugnisvergabe eine Aula ersetzt – mit einem kleinen Film Abschied genommen. „Unser Schlüssel zum Glück“, von dem erzählen darin Jugendliche und Lehrer in kurzen Statements von Zukunftsplänen und offenen Fragen.
Kollegien ergänzten sich gegenseitig
Schulhaus und Lehrerzimmer leerten sich in der auslaufenden Schule nicht, weil parallel die Gesamtschule 1 dort nach und nach einzog. Anfangs ergänzten die Realschullehrer das dortige Kollegium, nun zum Schluss komplettiert es sich umgekehrt (nun acht-köpfig). Für Eva Looschelders (Mathe und Bio-Lehrerin) hat das Miteinander des Realschul-Kollegiums sie „weiter gebracht“. Sie lobt den Schwerpunkt auf den Mint-Fächern, in ihrem Falle Technik, Imkerei, Schulgarten.
Die Fächer „Platt und Beten“
„Platt und Beten“, also Niederländisch und Religion, waren die Fächer von Anne Deryk-Schoofs, lacht sie. Sie hat die Grenznähe genutzt für den bilingualen deutsch-niederländischen Zweig und Kurse, für Schüleraustausche. Sie wechselt künftig zur Karl-Kisters-Realschule.

Mit vier Schulen in NRW hatte die Realschule Hoffmannallee den Bili-Zweig aufgebaut, erinnert Jutta Biesemann, sie bildet mit Iris Klein das Leitungsteam. Weitere europäische Projekte mit Litauen, Polen, England, Frankreich liefen, aber mit fünf niederländischen Partnerschulen die intensivsten, mit einer 80 Austausche. Der gebundene Ganztag wurde eingeführt, erinnert sie. „Wir führen das jetzt gut zu Ende“ (Jutta Biesemann schließt ein Sabbatjahr an).
Iris Klein, kommissarische Leiterin, war 2010 bewusst aus dem Ruhrgebiet her gekommen und wollte hier eigentlich in Rente gehen. Sie unterstützte den Beschluss, Gesamtschule zu werden und dachte, „dass wir nur ein anderes Schild drüber hängen“. Nun ist sie bereits seit 1. April Konrektorin der Realschule Rees, nur abgeordnet zur Realschule Kleve. „Es tut ein bisschen weh, dass die Schule in vier Wochen nicht mehr da ist.“
Viel gelernt von den älteren Kollegen
Aus der Nähe von Bonn wollte Michaele Wyroll eigentlich nicht nach Kleve kommen. Aber sie blieb, schloss Freundschaften fürs Leben. „Ich habe viel gelernt von den Älteren“, sagt die Englischlehrerin. Nun geht sie nach Hause zurück und hofft auf ein ähnlich tolles Kollegium.
Eigentlich 43 Jahre hat Bernd Praest an dieser Realschule verbracht – seine eigene Schulzeit und 37 Jahre Lehrer für Mathe und Sport – „mein Leben lang zwischen Triftstraße und Hoffmannallee“.
37 Jahre lang fuhr Wolfgang Bruns von Sonsbeck beziehungsweise Kempen zur Arbeit nach Kleve, das sage viel aus über die Schule, findet er. Gern vertrat er Nordrhein-Westfalen sportlich in Berlin – sogar siebenmal. Es gibt zwei Fotos von Tischtennis-Mädchen: ein Jahrgang am Brandenburger Tor mit Mauer zur DDR, im Jahr darauf die selben Mädchen am selben Platz ohne Mauer.
„Immer die gleiche Lehrerin, das war sehr schön“
Auch die Schüler erzählen nur Gutes. Charlotte Keizer (10c) mag den naturwissenschaftlichen Zweig, der ihr künftig auf dem Berufskolleg mit dem Ziel Vollabitur Bereich Gesundheit eine gute Basis gebe. „Wir hatten immer die gleiche Lehrerin, das war sehr schön“.
Blerta Kurtaj (10d) erinnert sich gern an Exkursionen, dankt für ZP-Trainings, auch sie geht weiter zum Berufskolleg, Bereich Wirtschaft-Verwaltung. René Kowolik (10b) lernte Kurse schätzen, mochte die Ausflüge, „es war abwechslungsreich“. Mathe und Physik bringen ihn auf guten Weg zum Zerspanungsmechaniker.
Hausmeister bleibt und baut neue Gesamtschule mit auf
Stefan Lampe (10a) hat der Unterricht im Bili-Zweig sehr viel Spaß gemacht, natürlich auch die Ausflüge. Vollabitur Gesundheit ist sein Ziel. „Ich weiß sicher, dass ich am Kolleg klar komme“ dankt er der Realschul-Vorbildung.
Zum Abschluss folgen nun weitere Ausflüge, treffen mit 100 Ex-Kollegen und dem Förderverein. Hausmeister Ralf Neumann wurde immer sehr gut von Lehrern und Schülern aufgenommen. Er bleibt und wird nach den Sommerferien an der Hoffmannallee die Gesamtschule 2 „quasi mit aufbauen“.

